Gesundheit Nicht alles lässt sich steuern

Informierten über Gesundheitsthemen: (v.l.) Heike Baehrens, Andreas Kadel, Kewal Lekha (Kreisvorsitzender des Diabetiker- Bezirksverbandes) und Heike Kuhn.
Informierten über Gesundheitsthemen: (v.l.) Heike Baehrens, Andreas Kadel, Kewal Lekha (Kreisvorsitzender des Diabetiker- Bezirksverbandes) und Heike Kuhn. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 16.03.2017

Heike Baehrens, SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, berichtete über Veränderungen, Anpassungen und Vorhaben in der Gesundheitspolitik. Heike Kuhn vom Landratsamt stellte den „Pflegestützpunkt des Landkreises Göppingen“ vor und Andreas Kadel, Arzt im Göppinger Gesundheitsamt, sprach über das Thema „Impfungen“.

„Impfungen sind wirksamer als alles andere in der Medizin“, sagte Kadel und lobte den homöopathischen Arzt Samuel Hahnemann, der sich schon im 19. Jahrhundert  dafür ausgesprochen habe, Gleiches mit Gleichem zu behandeln. „Wenn Sie sich mit dem Hammer auf den Daumen gehauen haben, hilft es allerdings nicht, wenn sie sich dann auch noch auf den anderen Daumen hauen“, so der Mediziner in seinem anschaulichen und witzigen Vortrag.

Er ging auf die Impfberatung des Gesundheitsamts in Schulen, in Kindergärten, für Berufsgruppen oder für Reisende ein und erklärte die verschiedenen Formen des Impfens. Das Immunsystem sei ein Datenspeicher und aktiviere die Polizei des Körpers. Bei Masern, Kinderlähmung oder beispielsweise Gelbfieber gebe es eine tödliche Bedrohung, sagte Kadel, warnte aber zugleich „vor selbsternannten Experten im Internet“. Seit 1974 gebe es in der Bundesrepublik keine Impfpflicht mehr und die Ständige Impfkommission von Bund und Ländern (STIKO) gebe eine Empfehlungsliste heraus. Man solle sich nur von medizinischen Fachleuten beraten lassen, die wie das Gesundheitsamt einer Fachaufsicht unterlägen. „Überlassen Sie es nicht dem namenlosen Internet, denn die Welt ist inzwischen bei Infektionskrankheiten ein Dorf.“

Heike Kuhn stellte den „Pflegestützpunkt im Landkreis“ vor, der eine neutrale, individuelle  und kostenlose Aufklärung für Betroffene biete. Im Schnitt würden Pflegebedürftige acht Jahre zu Hause gepflegt, bevor sie ins Heim wechselten. Durch die Beratung über ambulante und finanzielle Hilfen sowie Unterstützung für Pflegende solle die häusliche Pflege gestärkt und die Selbstbestimmung gewahrt werden.

Heike Baehrens sagte, auf den demographischen Wandel mit immer älter werdenden Menschen und auf die regional unterschiedliche Versorgung im Gesundheitswesen müsse  Politik reagieren. „Aber nicht alles lässt sich politisch steuern“, so die Abgeordnete, die verschiedene Stellschrauben wie  die wohnortnahe Versorgung, den medizinischen Fortschritt, dessen Finanzierbarkeit und deren Umsetzungen in Gesetzesform detailliert erläuterte.

Info Der „Pflegestützpunkt im Landkreis“ ist zu erreichen unter Tel. (07161) 202-9110 oder – 9119, per E-Mail: pflegestuetzpunkt@landkreis-goeppingen.de oder per Internet.

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