Gammelshausen Neustart für den Almabtrieb

Ein Packen Arbeit wird übergeben: Gammelshausens Bürgermeister Daniel Kohl nimmt von Bettina Schumann, Carmen Wenzlaff und Simone Pfizenmaier (von links) Ordner für die Organisation des Almabtriebs in Empfang.
Ein Packen Arbeit wird übergeben: Gammelshausens Bürgermeister Daniel Kohl nimmt von Bettina Schumann, Carmen Wenzlaff und Simone Pfizenmaier (von links) Ordner für die Organisation des Almabtriebs in Empfang. © Foto: Staufenpress
JÜRGEN SCHÄFER 28.08.2015
Mit dem Almabtrieb in Gammelshausen wird es dieses Jahr nichts. Auch nächstes Jahr nicht. Ein Neustart ist notwendig: Der Musikzug übergibt die Regie an die Gemeinde, die erst Kräfte sammeln muss.

Der Gammelshäuser Bürgermeister Daniel Kohl muss derzeit Anrufer enttäuschen, die sich nach dem Almabtrieb im Herbst erkundigen. Der wäre zwar wieder an der Zeit gewesen. Aber schon Anfang des Jahres sah es nicht danach aus. Im Gammelshäuser Veranstaltungskalender tauchte der Almabtrieb nicht auf. Weil der Musikzug nichts gemeldet hatte. Bürgermeister Daniel Kohl dachte damals noch: Diesmal wird es wieder der dreijährige Abstand. Das gab es auch schon.

So war es nicht. Der Musikzug Gammelshausen, der den Almabtrieb im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben und seither siebenmal organisiert hat, will sich den Kraftakt nicht mehr antun. Das hat der kleine Verein von jetzt neun Frauen und einem Mann im letzten Jahr beschlossen. Da stand das 30-jährige Bestehen im Mittelpunkt. "Wir lassen die Feier noch vorübergehen, und dann verkünden wir's." So schildert Bettina Schumann die Stimmung im letzten November. Die Idee war: der Gemeinde die Organisation anzutragen, mit Ausnahme des Umzugs. Das heißt, das Rahmenprogramm und den ganzen Festbetrieb, der 60 Helfer beansprucht. Die kamen bisher aus dem Umfeld des Musikzugs.

Der Schultes greift den Ball auf. Er will seiner Gemeinde den Almabtrieb unbedingt erhalten. "Das ist eine touristische Veranstaltung", verdeutlicht er, da kämen Besucher von weit her. Er habe selbst Anrufe von Stuttgart bis Ulm und von Heilbronn bekommen. Den Almabtrieb gebe es sonst nicht im Kreis. Nur Ottenbach hat vor fünf Jahren auch mal einen geboten.

Allein kann's die Gemeinde aber nicht richten, sagt Kohl. "Wir brauchen die Vereine dazu." Er hat bei ihnen schon vorgefühlt und viel Bestärkung bekommen. "Jeder hat sich für die Fortführung ausgesprochen. Aber nicht jeder kann helfen." Näheres soll im Herbst geklärt werden. Klar ist schon: In Kauf nehmen müsse man eine Verschiebung um zwei Jahre, bedauert Kohl. Dieses Jahr habe man in der Kürze der Zeit nicht nutzen können, und im nächsten steht das Dorffest an. Darauf wollten die Vereine nicht verzichten, sagt Kohl, und zwei große Feste im Jahr geht nicht. So sieht das auch der Musikzug.

Worum es geht: Schon ein Jahr im Voraus muss man nach einer Band Ausschau halten, sagt Carmen Wenzlaff. Bewirtet wird am Gemeindehaus und an drei Außenständen, damit sich die hungrigen Gäste verteilen können. "Am Anfang haben wir Flammkuchen geboten, das dauerte zu lange." Dann gab's den Almburger, Maultaschen und Braten. Das wurde angeliefert. Für den Kartoffelsalat mussten dagegen Helfer ran, und Frauen buken jede Menge Kuchen. 2500 Essen gingen zuletzt weg. "Das hat jedes Jahr zugenommen", sagt Carmen Wenzlaff. Davor waren's 1800. Für die Teilnehmer wurden zuletzt Essensmärkle und fünf Euro als Dankeschön ausgegeben. Auch das wollte organisiert sein. Drei Stunden dauert so ein Ansturm nach dem Almabtrieb, berichten die Damen des Musikzugs.

Die waren von Freitag bis Montag im Dauereinsatz. Tausend Dinge waren abzuarbeiten. "Wir haben eine dreiseitige Liste übergeben, was zu tun ist", verrät Carmen Wenzlaff. Die heiße Phase begann mit Zettel-Verteilen für die Anwohner, am Sonntag nicht auf der Straße zu parken. Die Feuerwehr brauchten die Organisatoren immer schon als Stütze, die hat den Verkehr reguliert. Der wird auf der Landesstraße für die Dauer des Almabtriebs gestoppt. Von der Steige her wird Vieh ins Dorf geführt, der Schäfer hält sich auf der Wiese bereit, und das muss mit den Gruppen zusammengeführt werden, die in der Fuchseckstraße/Haldenweg Aufstellung nehmen. Dahinter steckt viel Logistik, und froh waren sie dann immer, wenn nichts passiert ist, sagt Simone Pfizenmaier - "bei so vielen Tieren".

Für den Musikzug ist dann künftig Schluss. Es folgen dann noch Gegenbesuche bei drei Gruppen, die von auswärts kommen. Aber eines haben sie sich immer gegönnt: Am Abend vor dem Almabtrieb das Schlachtfest des Musikvereins Gammelshausen in Eschenbach. Das war die wohlverdiente Pause.

Ein Kommentar von Jürgen Schäfer: Eine Frage der Ehre

Respekt. Es ist das Verdienst des Musikzugs Gammelshausen, dem Ort und dem Kreis ein Ereignis beschert zu haben, das Tausende anlockt: den Almabtrieb. Dass der kleine Verein diesen Rummel schon sieben Mal bewältigt hat, ist eine Leistung. Zumal er vom Erfolg überrollt worden ist - das Ganze entstand aus einer Wette. Zuletzt haben gerade mal zehn Aktive und ihr rühriger Anhang ein Volksfest gestemmt.

Dass wackere neun Frauen und ein Mann den Stab nun weitergeben wollen, ist verständlich. Es ehrt sie, dass sie weiterhin den Umzug organisieren wollen, wenn andere den Festbetrieb stemmen. Die Gemeinde alleine kann's nicht richten, die Vereine und letztlich die Dorfgemeinschaft muss die Helfer aufbringen, wenn es weitergehen soll. Man darf annehmen, dass es gelingt. Es wäre für die Vereine kein Opfer, sie könnten ihre Kasse aufbessern. Aber es ist auch eine Frage der Ehre, dass die Gammelshäuser ein derart populäres Fest nicht sterben lassen. Bitter wäre das auch, weil just beim nächsten Mal Freunde aus der schweizerischen Partnergemeinde zu erwarten sind.

Schade nur, dass der Almabtrieb wegen des Regiewechsels dieses Jahr ausfällt und im nächsten wegen einer Überschneidung gleich nochmal. Aber man muss auch die Vereinsschaffer sehen, an denen so etwas hängt. Wenn sie sich der Aufgabe in Ruhe stellen können, ist das auch etwas wert.