Buch Ein Werk über die Schwäbische Alb

Es ist ein wahrhaft „großes“ Buch geworden: der Band über den Albtrauf von Jörg Nädelin.
Es ist ein wahrhaft „großes“ Buch geworden: der Band über den Albtrauf von Jörg Nädelin. © Foto: Staufenpress
Ebersbach / Jürgen Schäfer 14.02.2018
Er ist viel in der Welt herumgekommen. Jetzt hat Jörg Nädelin ein Werk über die Schwäbische Alb geschrieben.

Er ist weit in der Welt herumgekommen. Von Albstadt nach Brasilien und Mexiko, nach Heilbronn und ins Hohenlohische. Sein Beruf als Lehrer und Lust auf Neues machten es möglich. Jetzt ist er Schulamtsdirektor im Ruhestand, immer noch neugierig und umtriebig sowieso. Altes, Vertrautes entdeckt er neu. Für sich selbst und für seine Leser. Jörg Nädelin schreibt Bücher über seine alte Heimat. Jetzt hat er ein Riesenwerk über die Schwäbische Alb vorgelegt.

Die Alb: Das sind 200 Kilometer Luftlinie, mit vielen Ecken und Tälern, mit Geologie, Geschichte und Geschichten ohne Ende. Drei Jahre hat er das Mittelgebirge erkundet, in dem er aufgewachsen ist. Wo anfangen? Und wo hört es für ihn auf?  Er nahm den Küssenberg und die Harburg als Grenzberge, von der Schweizer Grenze bis zur Wörnitz im Bayerischen. Eigentlich spreche man von einem 800 Kilometer langen Mittelgebirge, die Schwäbische Alb sei nur ein Teil davon. Rund um Albstadt war’s für Nädelin ein Heimspiel. Im Stauferkreis aber auch. „Das ist meine zweite Heimat“, lächelt er.

Jörg Nadelins Vater kam aus Ebersbach. Als Ingenieur hatte es Eugen Nädelin nach Albstadt verschlagen, und die verrückte Weltgeschichte hatte ihn in jungen Jahren sogar nach Arabien geführt. An der Sinai-Front war der Ebersbacher als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Auch schon als Techniker, er war Flugzeugwart für Doppeldecker. Eugen Nädelin hat sein heimatliches Ebersbach nie vergessen, und so war auch der Sohn oft hier, bei Verwandten auf Besuch. Auch mal in den Ferien. Noch heute kommt Jörg Nädelin „mindestens viermal im Jahr nach Ebersbach“.

Mindestens 1500 Stunden hat er für sein Alb-Buch gearbeitet. „Wie oft war ich unterwegs“, sagt er. Abgelaufen ist er die Alb nicht. Das ist nicht sein Ding. Er hat sie erfasst wie ein Mosaik. Was ihn interessierte, hat er angesteuert. Jeden Punkt – jede Stadt, jeden Berg, jede Landschaft – mindestens dreimal, sagt er. Schon weil er Fotos brauchte, die man nicht bei jedem Wetter machen kann. Museen und geschichtsträchtige Orte hat er erkundet. Rauf und runter: auf der Alb und was ihr zu Füßen liegt.

„Die Zollernalb bis Reutlingen kannte ich. Ab der Teck wurde es fremder.“ Viel Lohnendes hat Nädelin auf der Kirchheimer Alb gefunden. Die Teckburg und die Limburg, der Hohnenneuffen und der Reußenstein, der Breitenstein – das ist sein Panorama.

Die Berge faszinieren ihn. Zeugenberge wie der Hohenkarpfen am Rand der Baar-Hochebene oder der Hohenstaufen, der so verblüffend weit weg sei vom Albtrauf. „Er kommt mächtig raus von der Göppinger Seite, er stellt schon was dar.“ Die Vulkane wie die Limburg, Ausliegerberge wie der Hohenneuffen. Die Traufberge. Und auf Schritt und Tritt Geschichte. „Auf der Limburg hat das Zähringergeschlecht begonnen“, erläutert Nädeln. Aber das ist nur mal so ein Nadelstich. „Viele Albberge waren schon in der Bronzezeit besiedelt. Es gab Handelswege, man musste sie schützen.“ Die Heuneburg am Südrand der Alb ist ein berühmtes Beispiel, Nädelin hat sie natürlich angeführt. Vom Breitenstein aus hat er sogar etwas entdeckt: einen Wall auf dem Nachbarberg Auchtert. Er hat es den Archäologen mitgeteilt und bekam einen Anruf: man habe den Toreingang gefunden.

Mittelalterliche Burgen oder was davon übrig ist fand Nädelin wie Sand am Meer. Er zeigt die Hohenstaufenburg, wie sie in der Oberhofenkriche dargestellt ist. „Die große Burgenzeit war von 1100 bis 1350, wer Land hatte, brauchte auch eine Burg.“ Erst Holzburgen, dann Steinburgen – bis diese Festungen nichts mehr nutzten. „Danach ging’s mit Geschützen los.“ Es endete die Besiedlung der Berge. Viele Burgen wurden geschleift, einige überlebten. Auf dem Hohenzollern steht schon die dritte. Nädelin zählt sie zu den wichtigen Burgen unter all den Grafschaften des Mittelalters. Sie thront weit im Hintergrund auf einem Foto, das Nädelin von Manfred Grohe gekauft hat, weil es so schön die zergliederte Alb mit reizvollem Morgennebel zeigt. „Eines der wenigen Bilder, die ich gekauft habe.“

 Das Dreieck Kirchheim – Geislingen – Schwäbisch Gmünd hat Nädelin erkundet. Wenn man so will: die Stauferalb. Drei Mal war er im Storchen, „man kann nicht alles auf ein Mal sehen.“ Er erzählt seinem Leser einiges über die Stadt. In Faurndau war er natürlich, er kannte die romanische Stiftskirche schon. Er war im Wäscherschloss, im Kloster Adelberg, auf Burg Staufeneck. Vier mal ist der Buchautor auf den Messelberg gefahren. Das obere Filstal stellt er vor und die Ruine Helfenstein. Weiter ging’s zum Hornberg und zum Rosenstein ins Ostalbgebiet, das er selbst erst entdecken musste. Nädelin ist auch viermal über die Alb geflogen, es hat ihm Luftbilder gebracht.

 Natur erleben und Geschichte erfahren – das ist der Blick des Autors. Nädelin gibt einen geschichtlichen Überblick über die Besiedlung der Alb von der Steinzeit  über die Kelten, Römer, Völkerwanderung bis ins Mittelalter. In einer Zeittafel hat er das alles auseinanderklamüsiert, und darin zeigt sich der Lehrer im Autor. „Ich hatte gewisse Vorlagen und wollte das didaktisch aufbereiten.“ Nädelin bringt Karten für den Touristen, Wissenswertes über die Geologie, er zeigt die Landschaft und Städte der Alb. Einen „Hot spot“ bescheren ihm die Höhlen des Weltkulturerbes im Alb-Donau-Kreis. „Ich hab in der Welt viel gesehen, aber mir reicht die Alb“, lächelt der 70-Jährige.

Info Jörg Nädelin: „Den Albtrauf entdecken. Berge – Burgen – Städte/Natur erleben und Geschichte erfahren“, Eigenverlag, 444 Seiten, 49,80 Euro.