Ab dem 1. Januar 2019 bricht im Busverkehr des Landkreises Göppingen ein neues Zeitalter an. Neben zahlreichen zusätzlichen Fahrten am Abend sowie an Wochenenden und Feiertagen werden vor allem auch unter der Woche Taktverdichtungen auf bisher schwach bedienten Verbindungen umgesetzt. Das bedeutet: Der Bus fährt öfter. Außerdem gehen neue Linien in Betrieb und bestehende Verbindungen werden verlängert.

Startschuss bereits 2015 mit dem Nahverkehrsplan

Im Jahr 2015 wurde der Nahverkehrsplan, ein zukunftsorientiertes Konzept für den Busverkehr im Landkreis Göppingen, vom Kreistag verabschiedet. In Zeiten verstopfter Straßen, der Luftverschmutzung und des Klimawandels ein richtungsweisender Schritt hin zu mehr umweltgerechter Mobilität. In intensiver Zusammenarbeit zwischen den Busunternehmen im Landkreis und dem Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur der Kreisbehörde wurde ein grundlegend neues Fahrplankonzept erarbeitet. Im Fokus standen die Vernetzung der Verkehre und neue Fahrzeugstandards: Sie sollen die Attraktivität des ÖPNV deutlich steigern und für mehr Fahrgäste sorgen. Am 4. Mai dieses Jahres hat der Kreistag insgesamt ein Investitionsprogramm von 4,5 Millionen Euro für dauerhafte Mehrleistungen von jährlich rund 1,7 Millionen Kilometer beschlossen. „Ein Meilenstein für mehr Mobilität und die Zukunftssicherung unseres Landkreises“, bringt Landrat Edgar Wolff das mutige Vorangehen des Kreistags auf den Punkt.

Stundentakt bei vielen Linien

An Werktagen wird zwischen 5 und 20 Uhr bei zahlreichen Verbindungen ein Stundentakt realisiert. Einige Linien werden zudem im Schüler- und Berufsverkehr durch zusätzliche Fahrten verdichtet. Die Fahrpläne der Buslinien werden so ausgestaltet, dass ein verlässlicher Anschluss an weiterführende Linien und die Züge der Filstalbahn bestehen wird. Dies ist die zentrale Forderung des Nahverkehrsplans, die Kernachse im Filstal mit der „Fläche“ zu vernetzen und den ÖPNV damit kreisweit voranzubringen.

Verbesserte Anschlüsse

„Mittels modernster Technik und der eingerichteten Echtzeit-Information an wichtigen Knotenpunkten wird sichergestellt, dass zukünftig eine verbesserte Anschlusssicherung umgesetzt werden kann.“ erläutert Tobias Maier, Geschäftsführer des Filsland Mobilitätsverbundes. Erst im Oktober 2018 wurde der Göppinger ZOB komplett mit elektronischen Fahrplananzeigen ausgestattet. Die gleichen Anlagen befinden sich in Geislingen, Süßen und Ebersbach. Durch zusätzliche Fahrten, insbesondere zu den Hauptlastzeiten, können die Schüler weiterhin pünktlich zum Unterricht gebracht werden. In vielen Fällen verbessern sich die Erreichbarkeiten außerhalb der Kernzeiten.

Mehr Angebote am Abend und am Wochenende

Insbesondere am Abend und an Wochenenden wird das Verkehrsangebot erheblich ausgeweitet. Hier gab es bisher deutliche Defizite. „Um auch in der Freizeit auf das Auto verzichten zu können,“ so Jörg-Michael Wienecke, Leiter des Mobilitätsamts beim Landratsamt, „werden alle Städte und Gemeinden bis gegen Mitternacht bedient und es bestehen Anschlüsse an die späten Züge aus Stuttgart und Ulm.“ Die letzten Abfahrten an den Bahnknotenpunkten im Filstal erfolgen künftig je nach Linie zwischen 23.20 und 23.40 Uhr. Für Gemeinden mit bisher deutlich geringerem Angebot wird an Sonn- und Feiertagen mindestens ein Zwei-Stundentakt eingeführt.

Rufbusse zum normalen Tarif

Einige Verbindungen mit geringerer Auslastung werden vor allem außerhalb des Berufsverkehrs als Rufbusse angeboten. Auch hier gilt das identische Tarifangebot wie beim regulären Linienbus, die Fahrten müssen jedoch spätestens eine Stunde vor der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit telefonisch angefordert werden.

Die Fahrzeuge sind künftig bei Bedarf barrierefrei zugänglich. Top: Im Laufe des Jahres 2019 soll die Buchung der Fahrten auch online, per App oder über die neue Mobilitätszentrale in Geislingen möglich werden.

Neue Citybus-Linien ergänzen das Netz

Neue Citybus-Linien (wie nach Göppingen-Jebenhausen) und Tangentialverbindungen (wie Ebersbach-Bad Boll) ermöglichen deutlich kürzere Fahrzeiten auch im Umland des Filstals. Detaillierte Beschreibungen und grafische Darstellungen zu den lokalen Änderungen finden sich auf den weiteren Seiten dieser Sonderveröffentlichung.

Rund 200 Haltestellen erhalten einen neuen Namen

„Zusammen mit den geplanten Verbesserungen auf der Schiene und der VVS-Vollintegration, die wir anstreben, unterstreicht der Landkreis Göppingen seine Stellung als attraktiver Wohn-, Arbeits- und Freizeitstandort in der Region Stuttgart.“, lobt Landrat Wolff die umfangreichen Investitionen in den ÖPNV.

Zum großen Fahrplanwechsel nutzt der Filsland Mobilitätsverbund die Gelegenheit, rund 200 Haltestellen im gesamten Landkreis umzubenennen. Die Namen sollen künftig prägnanter, aktueller und eindeutig zuzuordnen sein. Welche Haltestellen betroffen sind und wie diese in Zukunft heißen, wird auf der Homepage www.filsland.de zusammengefasst.

Mit der Einführung des Metropolexpress (MeX) verbessern das Land Baden-Württemberg und der Landkreis nach und nach das Angebot auf der Schiene im Filstal. Künftig soll der MeX die Städte und Gemeinden im Filstal in S-Bahn-Qualität schnell mit der Landeshauptstadt verbinden. Der Landkreis finanziert im Ausbaustadium jährlich rund 1,1 Millionen Euro mit, um von einem verlässlichen Halb-Stunden-Takt bis Geislingen und ausgeweiteten Bedienungszeiten einschließlich Nachtverkehren am Wochenende zu profitieren. „Das Land fährt seit Jahren eine Offensive, um umweltgerechte Mobilität nachhaltig zu fördern. Wenn Stadt und Landkreis derart mitziehen wie in Göppingen, können wir unsere gemeinsamen Ziele für einen attraktiven ÖPNV besser erreichen“, betonte Verkehrsminister Winfried Hermann erst jüngst bei der Eröffnung der Mobilitätszentrale im Bahnhof Göppingen.

Große Herausforderung

„Eine derart massive Fahrplanumstellung stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar und birgt daher auch Risiken“ gibt Amtsleiter Wienecke zu bedenken. Das Mobilitätsamt und der Filsland Mobilitätsverbund wollen ihr Bestes geben und alles daran setzen, Anlaufschwierigkeiten, die beim Start im Januar nicht ausgeschlossen werden können, gemeinsam mit den Busunternehmen schnellstmöglich zu beheben. Der neue Taktfahrplan soll ein Erfolg werden, der möglichst viele Menschen von den Vorteilen umweltfreundlicher Mobilität überzeugt.