Kirche Neuer Priester liebt das Theater

Salachs neuer Pfarrer Waldemar Wrobel bekommt am kommenden Sonntag offiziell den Schlüssel für die Kirche.
Salachs neuer Pfarrer Waldemar Wrobel bekommt am kommenden Sonntag offiziell den Schlüssel für die Kirche. © Foto: Hans Steinherr
Salach / Hans Steinherr 11.09.2018

Waldemar Wrobel ist angekommen. Bereits seit dem 28. Juni ist er da. Bald 30 Jahre hat es gedauert, bis der 54-jährige Pfarrer aus Krakau übers Allgäu und nach einem elfjährigen Zwischenstopp in Bopfingen jetzt nach Salach gefunden hat. Dort übernimmt er als Nachfolger von Pfarrer Robert Lukaschek die katholische Seelsorgeeinheit Mittleres Filstal und die Betreuung der Kirchengemeinden St. Margaretha in Salach und St. Sebastian in Ottenbach.

Am 16. September wird er offiziell in sein neues Amt eingeführt. Bis dahin wolle er die Zeit nutzen, um sein neues Aufgabengebiet und Land und Leute näher kennen zu lernen, betont er. Ein neuer Pfarrer müsse sich auf die neue Gemeinde und die Gemeinde auf ihren neuen Pfarrer einstellen können. Wenn das nicht gelinge, werde es schwer werden – für die Gemeinde und für den Pfarrer. Das habe er schon einmal mitansehen und erfahren müssen. Als Vikar in einer Gemeinde, in der beide – ein hochgeistiger Pfarrer und seine bodenständig strukturierte Gemeinde – miteinander einfach nicht zurechtkamen.

Waldemar Wrobel stammt aus einem Dorf in der Nähe von Oppeln, dem heutigen polnischen Opole. Die Mutter lebt noch dort. Eigentlich habe er Arzt werden wollen. Doch weil sein Vater nicht Mitglied der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR) war, blieb ihm ein Medizinstudium verwehrt. Im Heimatdorf gab es einen Vikar, der sich aktiv um Jugendarbeit kümmerte. Der habe ihn angeregt und auf die Idee gebracht, selber Priester zu werden, sagt Wrobel. Deshalb sei auch für ihn Jugendarbeit so wichtig. Statt Medizin studierte er in Krakau Philosophie und Theologie. Schicksal? Berufung? Jedenfalls war es – wenn auch unabsichtlich – den Kommunisten zu verdanken, dass Waldemar Wrobel Pfarrer wurde. „Die ersten beiden Jahre Philosophiestudium waren mir so fremd wie chinesischen Schriftzeichen“, sagt er. 1989 – im dem Jahr als auch Polen vom politischen Umbruch erfasst wurde – wurde Wrobel zum Priester geweiht. Wäre der politische Frühling früher gekommen, wäre er wohl Arzt geworden. Die beiden ersten Jahre verbrachte der junge Priester als Vikar in Krakau und war anschließend im Priesterseminar der südpolnischen Großstadt drei Jahre lang zuständig für die Betreuung von Priesteramtskandidaten. In dieser Zeit begegnete er einem Seelsorger aus St. Gallen, der eine Pfarrgemeinde im Allgäu, in Engerazhofen, einem Teilort von Leutkirch, betreute und Unterstützung brauchte.

Waldemar Wrobel ließ sich ins Allgäu versetzen. Der Wechsel von der Großstadt aufs Land gelang gut. Wrobel hatte den Plan, Passionsspiele zu veranstalten. Mitten auf einer grünen Wiese. Die Idee kam an, ist inzwischen eine feste Einrichtung in Engerazhofen. Alle paar Jahre immer nach Ostern finden die Spiele statt. Mit Waldemar Strobel als Regisseur. Das werde er beibehalten, sagt er. Das habe er auch getan, als er 2006 nach Bopfingen versetzt wurde. Wrobel brachte es fertig, dass bei der vierten Aufführung der Spiele im Jahr 2010 bereits 320 von 440 Einwohnern als Laienspieler mitwirkten.

Wird es bald auch Passionsspiele in Salach geben? Waldemar Wrobel lacht leicht verschmitzt und seine Augen funkeln. Er wirkt energiegeladen. Sein aufmerksamer Blick verrät Neugier. Er liebt Theater und alles, was mit Italien zu tun hat –  von der Musik bis zur Küche. Mit 54 Jahren, sagt er, verspüre er noch ausreichend Energie, die er als Priester brauche, um eine neue Gemeinde und neue Aufgaben übernehmen zu können.

Info Die Investitur von Pfarrer Waldemar Wrobel ist am Sonntag, 16. September, um 14.30 Uhr in der St. Margaretha-Kirche in Salach. Dabei wird dem neuen Seelsorger symbolisch der Schlüssel für die Kirche und deren Gemeinde übergeben.

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