Verkehr Neuer ÖPNV bringt Schulen aus dem Takt

Grundschüler aus Schnittlingen und Stötten steigen in den Schulbus. Bislang müssen sie nur kurz warten, bis der Bus kommt. Mit dem neuen ÖPNV könnte sich das ändern.
Grundschüler aus Schnittlingen und Stötten steigen in den Schulbus. Bislang müssen sie nur kurz warten, bis der Bus kommt. Mit dem neuen ÖPNV könnte sich das ändern. © Foto: Thomas Hehn
Treffelhausen / Thomas Hehn 12.01.2018
Der 60-Minuten-Takt des neuen ÖPNV bringt viele Verbesserungen, aber auch Nachteile – vor allem für Schüler, wie ein Beispiel aus Treffelhausen zeigt.

Schon vor knapp drei Jahren hatte der Böhmenkircher Gemeinderat davor gewarnt, dass der neue 60-minütige ÖPNV-Takt des Landkreises nicht zum 45-Minuten-Takt  des Unterrichts an den Schulen passen könnte. Jetzt ist der neue Fahrplan im Entwurf raus – und die Befürchtung Gewissheit geworden:  Besonders hart trifft es die derzeit 16 Grundschüler aus Stötten (1) und Schnittlingen (15): Um künftig rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn um 7.30 Uhr in Treffelhausen zu sein, müssen die  Stöttener bereits um 6.33 Uhr, die Schnittlinger um 6.36 Uhr in den Bus steigen. Damit beträgt die Wartezeit in Treffelhausen bis zur ersten Schulstunde 50 Minuten. Auch zum Beginn der zweiten Schulstunde ist die Wartezeit mit 36 Minuten relativ lang. Die 23 Kinder und Jugendlichen aus Steinenkirch, die in Böhmenkirch zur Schule gehen, müssten morgens 27 Minuten warten, bis der Unterricht beginnt.

Auf dem Heimweg kommt es ebenfalls zu Wartezeiten: Nach Schulschluss in Treffelhausen sind es 26 Minuten. In Böhmenkirch müssen die Kinder nach der 8./9. Stunde 38 Minuten auf den Bus warten.

Die beiden Schulleiter Simone Frank (Treffelhausen) und Johannes Bartenbach (Grund- und Werk­realschule Böhmenkirch) haben in einem Brief an Bürgermeister Matthias Nägele auf die Probleme hingewiesen. Sie kritisieren  vor allem die frühe Busverbindung nach Treffelhausen. Wenn gerade mal Sechsjährige bereits um 6.33 Uhr an  der Bushaltestelle stehen, dann aber noch lange warten müssten, sei das „aus entwicklungspsychologischer Sicht höchst bedenklich“. Außerdem fürchten sie, dass „zu frühes Aufstehen und lange Wartezeiten auch für die Aufnahmefähigkeit im Unterricht wenig förderlich sind“.

Die Schulleiter bieten daher an, die Unterrichtszeiten an den Fahrplanentwurf anzupassen. Da dies aber nicht in allen Fällen möglich sei, sehen Frank und Bartenbach nur zwei Möglichkeiten: Zusätzliche Busse und/oder den weiteren Ausbau der Betreuung.

Zusammen mit der Verwaltung haben die Rektoren weitere Lösungsvorschläge erarbeitet. So könnte man die Wartezeiten für die Kinder aus Stötten und Schnittlingen morgens verkürzen, wenn morgens zwei Buslinien, die nach dem neuen Fahrplan in Geislingen enden, wieder zurück nach Böhmenkirch fahren. In Stötten hielten die Busse dann um 7.01 und 7.55 Uhr, in Schnittlingen um 7.03 und 7.57 Uhr. Alternativ könnte man den Schulbeginn in Treffelhausen von 7.30 auf 7.45 Uhr verlegen. Das würde den Kindern reichen, um den nächsten Bus des neuen ÖPNV um 7.33/7.36 Uhr zu bekommen. Als dritte Möglichkeit könnte die Gemeinde ein Bus­unternehmen beauftragen, das die Kinder aus Schnittlingen und Stötten zum Schulbeginn um 7.30 Uhr und 8.15 Uhr nach Treffelhausen fährt.

Für die Heimfahrten nach Schulschluss sieht auch die Verwaltung nur eine Lösung: die Unterrichtszeiten an den ÖPNV-Takt anzupassen.

Am 17. Januar wird sich der Gemeinderat mit den unterschiedlichen Lösungsvorschlägen beschäftigen. Neben neuen Buslinien und Unterrichtszeiten wird es dann auch um den weiteren Ausbau der Betreuung  gehen. Bereits vor zwei Jahren hat die Gemeinde das Betreuungsangebot  im Rahmen der Verlässlichen Grundschule in Treffelhausen von 6,75 auf 17,75 Stunden erhöht. Damals geschah dies auf Wunsch von berufstätigen Eltern.

Viele Schulen haben dieselben Probleme

Die Probleme in Treffelhausen scheinen nicht die einzigen zu sein im Kreis. „Es gibt viele Schulen, die mit den Entwürfen nicht unbedingt glücklich sind“, räumt Jörg-Michael Wienecke vom Amt für Mobilität und Verkehrs­infrastruktur beim Landratsamt ein. Wartezeiten von fünf bis zehn Minuten müssten zwar immer drin sein. Die Bedienung zur ersten Stunde habe aber Priorität - „da ist der Takt nicht sakrosankt“, versichert Wienecke.

Diese Zusage habe er auch schon früh dem Kreistag gegenüber gegeben. 50 Minuten Wartezeit, wie in Treffelhausen, werde es auf keinen Fall geben: „Wir werden das klären und eine gute Lösung finden“, verspricht Wienecke.

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