Betreuung Neuen Lebensmut im Haus Linde gefunden

Sozialarbeiterin Theresa Kapinus am Eingang des Frauen-Wohngebäudes in der Göppinger Frühlingstraße.Zusammen mit ihrer Kollegin Linda Zierle betreut sie dort die Bewohnerinnen.
Sozialarbeiterin Theresa Kapinus am Eingang des Frauen-Wohngebäudes in der Göppinger Frühlingstraße.Zusammen mit ihrer Kollegin Linda Zierle betreut sie dort die Bewohnerinnen. © Foto: Claudia Burst
SWP 03.01.2018
Dank der Mitarbeiter des Hauses Linde hat Klara M. wieder Lebensmut gefasst. „Ich gebe nicht auf“, sagt die 48-Jährige.

Irgendwann sei ihr alles zu viel geworden, erzählt Klara M. (Name von der Redaktion geändert): „Ich hatte keine Kraft mehr. Kein Geld. Ich war am Ende.“ Das war vor mehr als vier Jahren. In ihrer Verzweiflung wandte sich die 48-Jährige an die Diakonie. Und fand dort Hilfe, weil man sie ans „Haus Linde“ in Göppingen weitervermittelte.

Jetzt lebt sie mit ihren drei erwachsenen Kindern in einer Drei-Zimmer-Wohnung, das zum Angebot des Hauses Linde gehört – in einem Haus, das speziell für die Betreuung von wohnungslosen Frauen konzipiert ist. „Wir fühlen uns hier nicht wie der letzte Dreck. Hier bleibt uns menschliche Würde, wir werden wirklich anständig behandelt“, sagt Klara M. Und drückt damit  ihre Dankbarkeit aus.

Denn genau das fehlte in den zwei Lebensjahrzehnten davor. Klara M. ist Kroatin. In ihrer Heimat lernte sie ihren späteren Ehemann kennen und lieben. Der stammte aus Deutschland. „In Kroatien haben wir nie gestritten. Alles war gut“, erzählt sie. Als das erste Kind zur Welt gekommen war, schlug ihr Mann einen Urlaub in seinem Heimatdorf vor, um das Baby seiner Mutter zu zeigen.

„Aus den zwei Wochen Urlaub wurden Monate. Als ich wieder nach Hause wollte und Druck machte, war mein Pass weg. Und so landete ich völlig ungeplant in Deutschland“, berichtet Klara M.vom Beginn ihrer Leidenszeit. Ihr Mann – inzwischen ihr Ex-Mann – fing an zu trinken und sie zu verprügeln. „Ich floh ins Frauenhaus und kehrte nach einem Monat wieder zurück, weil er Besserung gelobte.“

Nur: Es wurde nicht besser. Irgendwann zog Klara M. in eine eigene Wohnung. Erst im Dorf, wo die Oma wohnte. Bis sie merkte, dass auch diese Partei für ihren Sohn ergriffen hatte und „böse Geschichten im Ort über mich erzählte“. Dann verschlug es sie nach Geislingen, irgendwann schließlich nach Göppingen. „Es gab immer Hass und Ärger“, fasst sie die Jahre zusammen. Sie versuchte, ihre vier Kinder – die älteste Tochter lebt inzwischen in einer eigenen Wohnung – gut zu erziehen. Sie jobbte, wann immer sie eine Arbeitsstelle fand. „Egal ob Feldarbeit oder Arbeit im Altersheim und in der Gastronomie oder aber Putzen gehen. Ich war mir für nichts zu schade“, erzählt sie. Aber es blieb immer beim Mini- oder Ein-Euro-Job. „Keiner wollte mich fest einstellen wegen der Kinder. Sie hatten Angst, dass ich als Alleinerziehende dann zu oft fehle.“

Als vor vier Jahren zu all den Alltagssorgen um die Kinder, um Geld und um die Arbeit noch Probleme wegen der verschimmelten Wohnung und mit den Erben der verstorbenen Vermieterin dazu kamen, brach Klara M. zusammen. Sie suchte und fand Hilfe im betreuten Wohnhaus für Frauen. „Auf die Sozialarbeiterinnen Linda Zierle und Theresa Kapinus kann man sich verlassen. Sie waren immer da, wenn ich dringend Hilfe gebraucht habe.“

Momentan ist Klara M. aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, einen Vollzeitberuf auszuüben. „Aber ich gebe nicht auf. Ich will kein Sozialfall bleiben“, erklärt sie mit fester Stimme. Das Zauberwort sei Hoffnung, sagt die 48-Jährige. „Hoffnung, die haben mir die Betreuer hier im Haus Linde wiedergegeben. Ich habe wieder Lebensmut. Und ich werde mein Leben wieder in den Griff kriegen.“

Zuständig für die Wohnungslosenhilfe

Das Haus Linde ist ein eingetragener Verein, Träger ist die Evangelische Diakonie. Der Verein ist im gesamten Landkreis in der Wohnungslosenhilfe tätig. Im Haus Linde in der Mittleren Karlstraße 76 in Göppingen befindet sich die Beratungsstelle. In Geislingen ist ebenfalls eine Beratungsstelle in der Städtischen Obdachlosenunterkunft in den Bergwiesen 10.

In Göppingen gibt es am Standort Mittlere Karlstraße 13 Plätze für wohnungssuchende Männer sowie eine Männer-Wohngruppe im Obergeschoss. Für Frauen gibt es in der Frühlingstraße ein Haus mit zwei Wohnungen, die als WG für je zwei Frauen oder für Frauen mit Kindern konzipiert sind. Im Dachgeschoss ist das Aufnahmehaus mit drei Schlafgelegenheiten.

Laut Sozialarbeiterin Theresa Kapinus gibt es bis zu 250 Anfragen von Wohnungslosen im Jahr ans Haus Linde (Männer und Frauen). Wer Beratungsbedarf hat, kann sich unter ☎ (07161) 9 65 90 60 oder per E-Mail: info@linde-gp.de melden. Finanziert wird das Haus Linde unter anderem durch Spenden. Weitere Infos zum Verein online unter www.linde-gp.de