Kuchen Neue Bestattungsformen: Ohne Sarg ins Grab

Die Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Kuchener Friedhof stellt eine der neuen Bestattungsformen dar.
Die Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage auf dem Kuchener Friedhof stellt eine der neuen Bestattungsformen dar. © Foto: Hartmut Alexy
HARTMUT ALEXY 17.07.2015
In der neuen Friedhofssatzung regelt Kuchen den Umgang mit neuen Bestattungsformen und lockert alte Bestimmungen. Die Bestattungsgebühren hebt die Gemeinde in zwei Schritten an, erstmals zum 1. August.

Bürgermeister Bernd Rößner und die Gemeinderäte sind sich einig: Auf dem Friedhof hat das Rathaus bislang einiges unnötig streng geregelt. So war es zum Beispiel verboten, nach der Beisetzung Grabschmuck auf den Baumgräbern abzulegen. Mit der neuen Friedhofssatzung, die der Rat einstimmig beschlossen hat, ist das nun in den ersten vier Wochen nach der Bestattung erlaubt. Man wolle den Hinterbliebenen mehr Zeit und Raum geben, ihre Trauer zu verarbeiten, sagte der Bürgermeister. Weiterhin verboten sind dagegen elektrische Geräte, die mit einem Pfeifton Wühlmäuse vertreiben sollen. Das störe die Friedhofsruhe.

Zugleich regelt die neue Friedhofssatzung den Umgang mit neuen Bestattungsformen. Die 24 Urnengräber unter Bäumen und die von Gärtnern und Steinmetzen betreute Gemeinschaftsgrabanlage im Zentrum des Friedhofs sind im April eingeweiht worden und schon teilweise belegt. Die Urnen müssen aus einem Material bestehen, das sich im Lauf der Zeit zersetzt. Wo die Religionszugehörigkeit die Bestattung ohne Sarg vorschreibt, können die Verstorbenen nun in Tüchern beerdigt werden. Auf dem Weg zum Grab müssen sie aber in einem geschlossenen Sarg liegen.

Die Ruhezeit, die bei Erdgräbern bisher 18 Jahre und bei Urnengräbern 15 Jahre beträgt, kann auf 20 Jahre verlängert werden. Folgt in der Urnen-Gemeinschaftsgrabanlage oder bei einem Baumgrab eine zweite Beisetzung, verlängert sich das Nutzungsrecht auf bis zu 35 Jahre.

Breiten Raum nahmen in der Gemeinderatssitzung die Friedhofsgebühren ein. Sie wurden letztmals vor elf Jahren erhöht; die Gemeindeprüfungsanstalt hat Kuchen bereits mehrere Male darauf hingewiesen, dass sie die Kosten bei Weitem nicht mehr decken. Der Kostendeckungsgrad könne freilich nicht allein der Maßstab für die Bestattungsgebühren sein, sagte der Bürgermeister. Der Friedhof sei ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Infrastruktur und eine Bestattung müsse für die Hinterbliebenen bezahlbar bleiben. Nicht zuletzt deshalb hebt die Gemeinde die Gebühren nun in zwei Stufen an, erst einmal zum 1. August und dann zum 1. Januar 2018. Sie steigen im Schnitt um zwölf bis 19 Prozent.

Einige Gebührenposten werden sogar billiger. Die Gemeinde berechnet die Aufbahrung nicht mehr pauschal, sondern nach Tagen. Außerdem macht es künftig einen Unterschied, ob vier Sargträger gebraucht werden oder ob - bei der Beisetzung einer Urne - ein Mann reicht.

Der Kostendeckungsgrad liegt künftig zwischen 46 und 56 Prozent. 100 Prozent habe Kuchen noch nie angestrebt und werde es auch in Zukunft nicht tun, sagte Rößner.

Von 600 bis knapp 6000 Euro

Vorgerechnet: Bestattungsgebühren sind eine komplexe Materie. Bürgermeister Bernd Rößner hat deshalb einige Beispielrechnungen in den Gemeinderat mitgebracht.

Einzelgrab: Ein Erdgrab für einen Sarg kostet künftig ohne Plattenumrandung 1588 Euro. Bisher waren es 1330 Euro.

Urnengrab: Ein Erdgrab für eine Urne kostet 800 Euro (bisher 710 Euro). In der neuen Gemeinschaftsgrabanlage berechnet die Gemeinde 1813 Euro für eine Beisetzung. Dazu kommen bei einer Ruhezeit von 15 Jahren 1500 Euro für die Arbeit der Friedhofsgärtner und 2450 Euro für den kleinen Grabstein. Das macht insgesamt 5760 Euro. Diese Gräber können doppelt belegt werden.

Baumgrab: Die Nutzungsgebühr beträgt für 15 Jahre 600 Euro.