Echte Ritter gibt es seit langer Zeit nicht mehr. Dennoch gibt es bald die Möglichkeit, in die Zeit des Mittelalters einzutauchen. Ab Sonntag können Museumsbesucher weitgehend vergessene Geschichten des Deutschen Ordens, einer Gruppe von katholischen Rittern, kennenlernen. Die Zeitspanne reicht dabei vom Jahr 1190 bis heute. In Ebersbach hinterließ der Deutsche Orden Spuren, die bislang weitgehend unbeachtet waren. Jetzt wurden für die Ausstellung im Ebersbacher Stadtmuseum Nachrichten und Exponate, die mehr als 700 Jahre alt sind, wiederentdeckt und in den richtigen Zusammenhang gestellt.

„Wahrscheinlich ist sich die Mehrheit gar nicht bewusst, dass Ebersbach mit dem Deutschen Orden verbunden ist“, meint Uwe Geiger, Leiter des Stadtmuseums. Dabei hatte der Orden einen bedeutenden Einfluss auf  Ebersbach. Doch da die Zeit der Ritter schon lange zurück liegt, muss erst mal wieder Licht in die Sache gebracht werden. Das Herzstück der Schau wird eine Wanderausstellung des Deutschordensmuseums Bad Mergentheim mit 32 Bild-Text-Tafeln sein.

Nur die Tafeln und Bilder auszustellen, kam für Geiger nicht infrage. Hauptsächlich Jürgen Lenderski, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Deutsch-Ritter befasst, hat Exponate für die Vernissage ausgeliehen. Dazu gehören sowohl Kleidung und Kettenpanzer als auch Waffen und Alltagsgegenstände, die aus seinem Privatbesitz stammen. Außerdem ist der Aufbau einer Art Waffenkammer in Planung. „Das würde hervorragend dazu passen, und die Besucher könnten vieles begutachten“, sagt Geiger. Als Ergänzung wird es eine Zusatzausstellung des Stadtarchivs Ebersbach geben, die erklärt, was Ebersbach und das Filstal mit dem Deutschen Orden verbindet.

Uwe Geiger ist sich sicher, dass das ein hautnahes Erlebnis für die Besucher wird. „Wir wollen eine kleine Tafel aufbauen, auf der man sieht, was Ritter damals essen durften und was nicht“, sagt der Museumsleiter. Die Krieger durften damals beispielsweise keine exotischen Gewürze zu sich nehmen, da sie meist ein Leben in Armut gelobt hatten. Mit Rekonstruktionen will Geiger das damalige Leben näher bringen. „So kann man damalige hochkomplizierte Richtlinien auf eine einfache Weise zeigen“, meint Geiger. Für Kinder wird die Ausstellung auch viel zu bieten haben – nachkonstruierte Ritterhelme aus Pappmaschee dürfen angefasst und erkundet werden.

Am Sonntag, 11. März, veranstaltet das Stadtmuseum von 14 bis 17 Uhr einen zusätzlichen Familientag unter dem Motto „Deutsch-Ritter hautnah“. Zwei bis drei Ritterdarsteller werden Kindern und Erwachsenen Auskunft zum damaligen Leben geben, Fragen beantworten und Gegenstände aus der Zeit der Ritter zeigen. Die ritterliche Kleidung, die die Darsteller tragen werden, soll für die Besucher besonders authentisch wirken. Deshalb wird die gezeigte Kleidung auch aus den Materialien gefertigt sein, aus denen sie zur damaligen Zeit bestand.

Info Eröffnung der Ausstellung ist am Sonntag um 11 Uhr, geöffnet ist das Museum Alte Post in Ebersbach jeden Donnerstag von 14 bis 18 Uhr und jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Die Ausstellung über den Deutschen Orden und der Deutsch-Ritter wird bis zum 8. April zu sehen sein.

Was hat der Deutsche Orden mit Ebersbach zu tun?


Die Geschichte des Deutschen Ordens in Ebersbach begann im Jahr 1276, als ein Graf das Patronatsrecht an den Ritter Egino von Staufen aus dem Raum Göppingen übertrug. Um 1277 trat dieser dem Deutschen Orden bei. Dort stieg er bis zum Komtur des Deutschen Hauses in Ulm auf, wo er um 1320 im Alter von etwa 70 Jahren starb.

Original-Rüstung Wie Egino von Staufen aussah ist nicht bekannt, doch die Besucher können einem originalgetreu gerüsteten Deutsch-Ritter aus der Zeit um 1300 begegnen. Der erste namentlich bekannte Pfarrer in Ebersbach war Anselm von Filseck. Er wurde in einer Urkunde vom 14. Dezember 1293 seines älteren Bruders Bernold von Filseck als Priester von Ebersbach bezeichnet. Ab 1294 nannte er sich nur noch Anselm von Urbach. Er war zuletzt Komtur der Kommende Horneck und dürfte dort um 1331 gestorben sein.

Filstal Auch die Kleidung von Ordenspriestern ist zu sehen. 1318 erwarb das Deutsche Haus in Ulm weiteren Besitz in Ebersbach, Süßen und Gingen. 1446 trennte sich der Deutsche Orden von seinem Ebersbacher Patronatsrecht und verkaufte es an das neu errichtete Stift Oberhofen in Göppingen. Im 15. Jahrhundert verkaufte der Deutsche Orden seinen restlichen Streubesitz im Filstal. Damit endete die Präsenz dieses Ordens im Filstal.