Seit Jahren liegen die Pläne für die neue A8-Trasse zwischen Mühlhausen und Widderstall in der Schublade. Nun könnte alles ganz schnell gehen und der mehrere hundert Millionen Euro teure Neubau spätestens 2027 in Betrieb gehen. Der Leiter des Verkehrswesens im Regierungspräsidium Stuttgart klärte in Wiesensteig über den Stand des Ausbaus vom Albaufstieg der A8 auf. Andreas Hollatz ist zuversichtlich, das Projekt innerhalb von acht Jahren zu realisieren.

Bei der Vorstellung der neu geplanten Trassenführung bei einer Infoveranstaltung am Dienstagabend in Wiesensteig, zu der CDU-Bundestagsabgeordneter Hermann Färber eingeladen hatte, überraschte Hollatz die  Interessierten im brechend vollen Saal des Hotel Malakoff mit einigen Neuigkeiten. So wird die mautfrei geplante Strecke mit 7,6 Kilometern gegenüber der bisherigen Planung um 3,8 Kilometer kürzer. Die alte Trasse des Albaufstiegs wird zur  Landesstraße geöffnet, ist dann Umleitungsstrecke für den Autobahnverkehr und durchquert keine Ortschaften mehr. Damit werden die sieben Gemeinden auf der bislang 32 Kilometer langen Umleitungsstrecke bis zur Anschlussstelle Merklingen von den Autokolonnen befreit. Auch soll der Massentransport von der Baustelle während der Bauzeit auf extra angelegten Baustraßen erfolgen.

Baubeginn soll im Jahr 2021 sein

Ein Teilstück der bisherigen L 1236 wird, von der Kreuzung Lämmerbuckel an, zur Kreisstraße zurückgestuft. Ein dort anzulegender Anschluss auf die künftige, neue Landesstraße entlastet auch Wiesensteig. Wenn alles reibungslos läuft, rollt also spätestens im Jahr 2027 der Verkehr auf der A 8 den Drackensteiner Hang auf die Alb hinauf. Wenn. Das Planfeststellungsverfahren (PFV) dazu soll zwar bereits Mitte dieses Jahr starten, 2021 sind die Ausschreibungen und der sportlich frühe Baustart vorgesehen.

Lärmschutz bei Mühlhausen

Als reine Bauzeit rechnet Hollatz mit etwa fünf Jahren. Mit dem Bau von Lärmschutzmaßnahmen bei Mühlhausen wird noch dieses Jahr begonnen, ebenso werden heuer erste Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt.

Aber nach wie vor können einige Faktoren den sportlichen Zeitplan kippen. Das sind längst nicht nur Einwendungen der Öffentlichkeit im Rahmen des PFV. Die schwierigste Hürde dürfte die 2021 anstehende Umstrukturierung der Zuständigkeiten deutscher Autobahnen sein. Dann sollen alle Autobahnen in einer neu einzurichtenden Verkehrsbehörde des Bundes zusammengeführt werden. Die wird damit auch laufende Bauprojekte übernehmen. Das Projekt „Albaufstieg“ könnte an seiner Dringlichkeit verlieren, lauten die Befürchtungen.

Kommentar Zu den Ankündigungen zum Albaufstieg „Glauben wir es einfach mal“

Kreis Göppingen

Doch das Land Baden-Württemberg habe schon sein Veto eingereicht, das Vorhaben soll bis zur Fertigstellung in der Zuständigkeit des Landes bleiben, betonte Hollatz und strahlte Zuversicht aus. Unterstützung erhält er dabei vom Landesverkehrsminister Thomas Hermann. Der sicherte ihm explizit für diese Veranstaltung in Wiesensteig zu, den Albaufstieg unter anderem als das „mit Abstand wichtigste Straßenbauprojekt an Autobahnen in Baden-Württemberg“ einzustufen. Zudem dringt er auf eine „zügige Realisierung durch die Landesstraßenbauverwaltung“. Im schlimmsten Fall hofft Hollatz, dass seine Mitarbeiter in die neue Bundesbehörde wechseln und das Projekt somit weiter in ihren Händen bleibe.

Bund hofft auf Investoren

Auch das nächste Damoklesschwert, das über der neuen Albaufstiegstrasse schwebt, erhält eine klare Absage vom Landesverkehrsminister, den Hollatz zitierte. Der Bund verlangt nämlich nach wie vor, dass alternativ zur konventionellen Finanzierung über den Landeshaushalt die Beteiligung privater Investoren, die sogenannte ÖPP-Finanzierung, geprüft wird. Die Haltung von Winfried Hermann dazu: „Eine ÖPP-Finanzierung würde das Projekt weiter verzögern und verteuern.“ Hollatz glaubt in diesem Fall an einen Zeitverlust von etwa zwei Jahren.

Das dafür notwendige Geld im Landeshaushalt die Mittel bereitzustellen, sei Hermann Färber zufolge gesichert: „Es ging uns wirtschaftlich noch nie so gut wie heute, die Mittel sind da.“ Die CDU--Landtagsabgeordnete Nicole Razavi bestätigte das und drängte: „Aber wir müssen schnell sein, sonst fließt das Geld wo anders rein.“

603 Millionen Euro teures Vorhaben


7,6 Kilometer lang ist die neue Trasse, führt durch zwei Tunnel – den 1,2 Kilometer langen Tunnel Himmelschleife und den 1,7 Kilometer langen Tunnel Drackenstein – sowie die Filstal- und die Gosbachtalbrücke.

Die Kosten betragen voraussichtlich 603 Millionen Euro (2005 waren es noch 394 Millionen Euro). Die bestehende Abstiegstrasse der A 8 wird laut der Pläne  zurückgebaut, die alte Aufstiegstrasse als Landesstraße erhalten.

Verhandlungen mit 230 Grundstücksbesitzern


Alle Redner baten die Raumschaft im Oberen Filstal darum, an einem Strang zu ziehen, damit das Projekt im vorgesehenen Zeitrahmen realisiert werden könne. Auf Nachfrage der Bürgerinitiative Drackenstein, was die Überprüfung ihres Trassenvorschlags ergeben habe, musste Hollatz passen. Details über die Planungen hatte er nicht im Gepäck, er lud stattdessen zur Veranstaltung in Gruibingen am 6. Juni ein. Da werde neben der Planungen zudem über Flächenverbrauch und Grunderwerb für Ausgleichsmaßnahmen informiert.

230 Grundbesitzer sind betroffen und Hollatz hofft, gute Lösungen zu finden. Färber bat darum, bei den Verhandlungen sensibel vorzugehen angesichts der schlechten Erfahrungen, die die Filstalbewohner mit der Deutschen Bahn beim ICE-Trassenbau gemacht hätten. Die Befürchtungen der Gosbacher, die geplante Brücke über ihr Tal verschandele die Natur, konnte Hollatz wenigstens teilweise entkräften: Eine Bogenbrücke ohne Stützen wird das Tal überspannen.