Ebersbach Neubeginn im unteren Filstal

Mariam macht in Ebersbach eine Ausbildung als Altenpflegerin – einem Beruf für den dringend Nachwuchs gesucht wird.
Mariam macht in Ebersbach eine Ausbildung als Altenpflegerin – einem Beruf für den dringend Nachwuchs gesucht wird. © Foto: LILLI ELL
Ebersbach / LILLI ELL 02.11.2018
Ihr Weg nach Deutschland war gefährlich, doch ihre Träume ähneln sich denen von Jugendlichen hierzulande.

Vier unterschiedliche Menschen, die endlich in Ebersbach eine neue Heimat gefunden haben: Mariam aus dem Irak, Aref aus dem Nordiran, Firas aus Syrien und Sabri aus Afrika. Vier prächtige junge Menschen mit den gleichen Träumen und Visionen wie andere junge Menschen in Ebersbach auch. Sie kamen teils über gefährliche und unsichere Wege, teils aber auch mit dem Flugzeug nach Deutschland.

Sie sprechen alle nicht gerne über ihre Flucht. Sie sind froh, dass sie hier in Sicherheit sind. Und sie haben fleißig gearbeitet und gebangt um einen Aufenthaltstitel für die neue Heimat. Die Stadt Ebersbach hat sich in das Thema engagiert reingehängt und sich unermüdlich für die geflüchteten Menschen eingesetzt, allen voran Andrea Schiller, die für die Geflüchteten in Ebersbach zuständig ist. Eine große Zahl von ehrenamtlichen Helfern standen ihr von Anfang an zur Seite.

Als erstes haben auch die Vier mit viel Motivation die deutsche Sprache gelernt. Ohne Sprachkenntnisse keine Ausbildung, keine Kommunikation mit den einheimischen Menschen und keine Integration. Das haben sie schnell kapiert. In der Zwischenzeit haben die Vier viel gelernt, und nicht nur Sprachkenntnisse haben sie erworben, sondern sie sind vertraut mit der Kultur und den Gebräuchen hier. Sie sind alle in einer Lehre oder in einer Arbeitsstelle untergebracht.

Mariam macht eine Ausbildung bei Dienste für Menschen als Altenpflegerin, einem Beruf, der dringend gebraucht wird. Ihre Vorgesetzte ist rundum zufrieden mit der jungen Frau. Ihre ruhige, besonnene Art kommt bei den Bewohnern des Ebersbacher Pflegeheimes sehr gut an, besonders bei den alten Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation: Die Einrichtung braucht Mariam als Altenpflegerin, und Mariam ist froh, dass sie eine Ausbildung machen kann.

Firas hat einen Minijob in der Bäckerei Rau in Roßwälden. Er scheut nicht das frühe Aufstehen, wenn er auch sagt, dass Bäcker nicht unbedingt sein Traumjob ist und er keine Bäckerlehre anstrebt. Trotzdem ist er froh, eine Arbeitsstelle zu haben, die ihm noch Zeit für den Deutschunterricht lässt. Und den nimmt er genau so ernst wie den Job in der Bäckerei. Seine Chefin, Dorothea Speiser, hätte ihn gerne als Bäckerlehrling, aber er würde lieber ein Restaurant eröffnen. „Das ist schade“, sagt Dorothea Speiser. „Ich hätte ihn gerne zum Bäcker ausgebildet. Handwerker sind ja rar in Deutschland.“

Das Auto und der Führerschein stehen bei den jungen Leuten ganz oben auf der Wunschliste. Mariam ist gerade dabei, den Führerschein zu machen, die theoretische Prüfung hat sie schon bestanden, worauf sie sehr stolz ist.

Aref kommt aus dem Nordiran. Eigentlich ist er Afghane und seine fröhliche Art steckt an. Er macht bei der Firma Lenzen eine Schreinerlehre, wo er sich sehr ins Zeug legt, wie sein Meister und die Kollegen bestätigen. Auch in der deutschen Sprache macht er Fortschritte. Im Moment ist er nur einen Tag in der Woche Schreiner, den Rest der Woche verbringt er in der Schule. „Er müsste noch ein bisschen forscher auf die anderen zugehen“, meint einer seiner Kollegen. Arefs Ziel ist es, die Lehre gut abzuschließen und eine Anstellung zu finden. Im Moment aber ist er sehr engagiert bei der Sache, zur Freude seiner Ausbilder. Sabri aus Afrika hat in der Stadtgärtnerei von Ebersbach eine Arbeit gefunden, eine befristete zwar, aber vielleicht schafft er es in einen Teilzeitvertrag, wo ihm noch Zeit für einen Sprachkurs bleibt.

Dokumentarfilm lässt Flüchtlinge und Einheimische zu Wort kommen

Film In Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen entstand ein 37-minütiger Dokumentarfilm, der die augenblicklichen Lebensumstände und die Perspektiven der in Ebersbach lebenden, jungen Geflüchteten beleuchtet. Der Film schildert die sehr persönlichen und einfühlsamen Porträts von Flüchtlingen aus Afghanistan, Irak und Syrien.

Einblick In Interviews mit Ebersbacher Bürgern sowie in den Bildern des ehrenamtlichen Engagements der Flüchtlingshilfe werden die Erfahrungen der Einheimischen mit den Geflüchteten sowie die vielfältigen Aktivitäten und Aufgabenbereiche der Flüchtlingshilfe in Ebersbach im unteren Filstal sichtbar.

Förderung Das Projekt wurde möglich durch die Hilfe Dritter. Es wurde gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen der Offenen Gesellschaft und der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH.

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