Von Samstag an fährt der erste Expressbus im Landkreis: Die neue Linie X93 von Göppingen nach Lorch nimmt ihren Betrieb auf. Sie fährt von 5 Uhr morgens (samstags ab 6, sonntags ab 7 Uhr) bis Mitternacht im Stundentakt. Zwar verkehren auch weiterhin die Linien 11 und 12 ins Rems­tal – ebenfalls im Stundentakt –, aber sie sind deutlich länger unterwegs: So braucht die Linie 11 bis zum Bahnhof Lorch 48 Minuten, der X93 ist dank weniger Stopps und der direkten Route schon nach 28 Minuten da.

Friedemann Messer betont: Haltestellen müssen barrierefrei sein

Für Friedemann Messer aus Göppingen gibt es aber einen Wermutstropfen: Der Mobilitäts- und Schulbustrainer beim Verband Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) hat bei der offiziellen Einweihung der Linie am Mittwoch den Verantwortlichen eine Mappe mit Fotos übergeben. Er kritisiert die neue Bushaltestelle an der Lorcher Straße bei der EWS-Arena in Göppingen. Diese präsentiert sich recht trostlos mit einem einzelnen Schild; keine Bank, kein Dach, außer einem Fahrplanhalter gibt es keine weiteren Informationen. „Unzureichend ausgestattet“, nennt Messer das und bemängelt, dass die Haltestelle keinerlei Barrierefreiheit aufweise. „Auch Menschen mit sensorischen Einschränkungen haben einen Anspruch auf uneingeschränkten Informationszugang“, schreibt Messer. Informationen über die Betriebsabläufe und Störungen wie Verspätungen müssten visuell, akustisch oder auch taktil, also mithilfe des Tastsinns, gegeben werden.

Stopp an der EWS-Arena ist ein „attraktiver Standort“

„Wenn jemand wie Herr Messer Vorschläge macht, dann ist das gut“, findet der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur beim Landkreis, Jörg-Michael Wienecke. Grundsätzlich sei es aber so, dass die Kommunen, in diesem Fall also die Stadt Göppingen, für die Haltestellen zuständig seien. Er betont aber: „Eine Neugestaltung mit barrierefreiem Ausbau lässt sich nicht in kürzester Zeit herzaubern.“ Es sei erst einmal wichtig gewesen, dass es diese Haltestelle überhaupt gibt. Für den Regiobus aus dem Remstal sei der Stopp an der EWS-Arena ein „attraktiver Standort“.

Kreis Göppingen

Wienecke verspricht aber: „Nun muss geschaut werden, dass es künftig besser wird. Wir können der Stadt keine Vorgaben machen, aber wir kümmern uns und werden mit der Stadt ins Gespräch gehen.“ Die Haltestelle müsse kundenfreundlicher und mittelfristig auch barrierefrei werden. Noch wichtiger ist allerdings die Zukunft des Schienennahverkehrs im Filstal – der ja bekanntlich von Dezember an vom englischen Betreiber Go-Ahead übernommen wird.

Wienecke: „Kinderkrankheiten bis Dezember hoffentlich behoben“

Der Start im Remstal am vergangenen Wochenende verlief alles andere als harmonisch, noch immer leiden die Fahrgäste unter Zugausfällen und Verspätungen. „Da kann man jetzt viel drüber spekulieren“, meint Wienecke. „Die haben seit Wochen Probefahrten gemacht und dann passiert sowas.“ Vor allem die automatisch ausfahrenden Tritte an den Türen bereiten Probleme. „Sowas ist sehr misslich“, meint der Kreisverkehrsplaner.

„Wir können nur hoffen, dass die Kinderkrankheiten bis Dezember behoben sind“, sagt Wienecke. Türtechnik und Software sollten bis dahin funktionieren: „Wir müssen Stand heute darauf vertrauen, dass man uns da nicht im Regen stehen lässt.“ Mit Spannung erwartet Wienecke auch, ob die Züge genügend Kapazitäten haben werden. Es gibt keine Doppelstockwagen mehr, dafür sind die Einheiten länger und haben mehr Türen. „Das soll für schnelleren Umschlag sorgen“, erklärt der Verkehrsplaner. „Was an Höhe fehlt, will man mit Länger ergänzen – wir werden das sehr genau beobachten.“

Zum Härtetest im Remstal werde es übernächste Woche nach den Pfingstferien kommen. Wienecke glaubt: „Das wird noch eine richtig spannende Zeit.“