Wiesensteig Närrische Predigt zum Baumwipfelpfad

Wiesensteig / BERNWARD KEHLE 11.02.2013
Die Wiesensteiger sind hart im Nehmen: Bei drei Grad feierten sie in der Pfarrkirche einen Narrengottesdienst, bevor sie dann das Rathaus erstürmten.

Zumindest musikalisch heizten die Guggenmusiker aus Rechberghausen den zahlreichen Narren und anderen Gottesdienstbesuchern ein, die am Sonntag zum Narrengottesdienst in die bitterkalte Wiesensteiger Pfarrkirche Sankt Cyriakus gekommen waren. "Grüß Gott, ihr Schwestern und ihr Brüder - der Fasnetssonntag hat uns wieder. Grüß Gott, ihr Christen Groß und Klein - ich lade euch zum Feiern ein", sagte Helmut Poloczek, der den zumeist in Versen gehaltenen Wortgottesdienst hielt, zum närrischen Volk. Alles war um den Altar versammelt: Elferrat, Hexen, Tälesgoißa, das Prinzenpaar, die kleinen und großen Garden und natürlich auch der Hofnarr.

Wie hätt es anders sein können: Der Baumwipfelpfad war Mittelpunkt der närrischen Predigt, in der es unter anderem hieß: "Für eine wars das Leuchtprojekt, die anderen geiften: weg, weg, weg! Touri, Highlight - Wipfeltour! Verschandelung von Wald und Flur! Pro und Kontra - harsch im Ton, das Blut in Wallung - Emotion." Und weiter: "Jammern und Frust, die Stadt entzweit, das hat gebracht der Allmachtsstreit, das Ende der Gemeinsamkeit." Und in den Fürbitten erbaten dann die Narren: "Gott verzeih uns unsere Fehler und Nachlässigkeiten und schenke uns wieder friedlichere Zeiten."

Zum Schluss des fast einstündigen Gottesdienstes, den die Band "Tarsus" aus Westerheim und die Rechberghausener Guggenmusik musikalisch umrahmten, ertönte dann lautstark der Wiesensteiger Fasnetsruf: "Goißa raus - mäh! Hexa send - zäh! Narragruaß - bäh!"

Beim folgenden Rathaussturm proklamierte der Vorstand der Fasnetsgesellschaft Wiesensteig vor der zahlreich erschienenen Bevölkerung: "In jedem Jahr zur selben Zeit, am selben Ort, stehen die Narren an des Rathaus Pfort. Die Regentschaft wird heute übernommen, deshalb sind wir alle hierhergekommen." Nachdem Bürgermeister Gebhard Tritschler das Feld nicht freiwillig räumen wollte, erstürmten die Hexen mit einem Rammbock das Rathaus und legten ihn in Ketten.

Erstmals fand nach dem bunten Treiben im Anschluss im Schloss am Nachmittag auch eine Kinderfasnet statt, die den Buben und Mädchen großen Spaß machte.

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