Uhingen Nachts soll Tempo 30 kommen

In der Schorndorfer Straße ist der Verkehrslärm am größten. Ob Tempo 30 die Belastung senkt, ist umstritten.
In der Schorndorfer Straße ist der Verkehrslärm am größten. Ob Tempo 30 die Belastung senkt, ist umstritten. © Foto: Staufenpress
Uhingen / Jürgen Schäfer 02.10.2018
Die Stadt Uhingen eröffnet das Verfahren für den Aktionsplan. In den Teilorten wird kein Handlungsbedarf gesehen.

In der Uhinger Ortsdurchfahrt werden nachts an zahlreichen Gebäuden die Pegelwerte von 60 Dezibel überschritten. Das ist die wichtigste Erkenntnis aus den Lärmberechnungen, die für den Lärmaktionsplan im Stadtgebiet angestellt wurden. An 35 Gebäuden entlang der Ulmer Straße zwischen der Adalbert-Stifter-Straße bis zum Knotenpunkt Ulmer Straße/Sparwieser Straße  wurde dies ermittelt.

Projektleiter Wolfgang Schröder schlägt deswegen ein nächtliches Tempo-30-Limit vor zwischen der Adalbert-Stifter-Straße, auf Höhe des Werkstors von Allgaier und Blaubach, über den Kreisel Stadtmitte bis zur Bahnbrücke, die nach Holzhausen führt. Ein zweiter Abschnitt zweigt vom Kreisel ab in die Ulmer Straße bis zur Abzweigung Sparwieser Straße, die über die Fils zum Rathaus führt.

In diesen ganzen Abschnitten wohnen 223 Leute. Die Lärmbelastung tagsüber sei nicht durchgehend über den Grenzwerten. In der Schorndorfer Straße wurden an zwei Gebäuden jeweils an einer Fassade Lärmwerte von knapp über 70 Dezibel gemessen, an zwei weiteren knapp 72 Dezibel und knapp 75. Das sind auch die höchsten Werte. In der Ulmer Straße reicht es nicht an 70 heran, drei Fassaden liegen mit 68 und 69 Dezibel knapp darunter. Nachts sind im gesamten Abschnitt immerhin sieben Gebäude über dem Grenzwert von 60 Dezibel, mit Werten von  60,8 bis 63,2 Dezibel.

Die Stadträte sehen ein Tempolimit nicht unbedingt als Allheilmittel. Der SPD geht das nicht weit genug. Ja zu Tempo 30 sagte Wolfgang Euchner. Aber es gebe auch die Schachtdeckel als Störfaktor in der Schorndorfer Straße. Die SPD will auch einen lärmoptimierten Belag auf der Stuttgarter und Schorndorfer Straße, er solle Zug um Zug kommen.

Rainer Frey (Freie Wähler) gibt zu bedenken, dass es in der Ulmer Straße zwischen den Kreiseln mehr oder weniger nächtliche Autorennen mit hohen Geschwindigkeiten gebe. „Das wird nicht aufhören mit einer 30er-Zone. Das ist es, was die Leute am meisten stört.“ Im übrigen seien die Erfahrungen mit der Lärmschutzwand an der Bahnlinie durchwachsen. Von den Anwohnern könne man alle Meinungen hören: es sei lauter als vorher, es sei leiser, und es sei gleich wie vorher. „Das Empfinden ist subjektiv.“ Das betont auch Bürgermeister Matthias Wittlinger.

Rolf Höflinger (FDP/UB) tut sich schwer mit Tempo 30. Was, wenn Motoren röhrten? Und man bekomme einen Schilderwald, weil an jeder Seitenstraße auf Tempo 30 hingewiesen werden müsse. Das müsse man in Kauf nehmen, sagt der federführende Ingenieur.

Aber: Tempo 30 bringe schon was, so Schröder. Es  werde etwa 2,5 Dezibel leiser, das sei eine ganze Menge. Drei Dezibel weniger wären eine Halbierung. Ein Flüsterbelag könne weitere vier bis fünf Dezibel ausmachen. Für Achim Klump heißt das: „Ein Flüsterbelag bringt mehr als Tempo 30.“  Der Belag koste freilich auch mehr, sagt Schröder, und er halte nicht so lange wie ein normaler. Bei Schäden lasse die Wirkung nach.

Ulrich Langer (FDP/UB) legt den Finger auf die Überwachung. Wie könne man Tempo 30 durchsetzen? Mit Polizeikontrollen? Mit Messsäulen? „Es sollte sich auszahlen, was man macht.“ Die FDP wünsche, dass kontrolliert werde. Für Bürgermeister Wittlinger ist Verkehrsüberwachung eine grundsätzliche Frage, nicht nur in einem Tempo-30 Abschnitt. „Die Polizei ist schon unterwegs“, sagt er. Was die Lärmminderung betrifft: „Man kann auch mit Tempo 30 röhren.“ Die SPD geht noch weiter. Auch auf der Bundesstraße müsse ein lärmoptimierter Belag her. Der sei, soweit man wisse, bis auf wenige Bereiche nicht drauf, im Unterschied zur B 10 auf Ebersbacher Markung. Außerdem wolle man nach wie vor ein Tempolimit 100 auf dem gesamten Abschnitt auf Uhinger Markung. Beides helfe für die Bereiche südlich der B 10, die tagsüber Lärmwerte von 60 bis 65 Dezibel haben. Und schwäche auch die Belastung für die Siedlungen am Wasserberg und Weilenberger Hof ab.

Planer Schröder will noch klären, ob tatsächlich kein lärmarmer Belag auf der B 10 liegt. Nach Norden, zum Hauptort, gibt es jedenfalls eine Lärmschutzwand, deren Wirkung in der Lärmkartierung deutlich erkennbar ist. Werte bis 65 Dezibel gibt es entlang der Galerie praktisch nicht und östlich davon nur als vergleichsweise schmales Band mit nicht vielen betroffenen Häusern. Westlich der Galerie strahlt der Lärm dann aber wie ein Trichter zu beiden Seiten und erfasst die nächsten Straßenzüge. Zwischen alter und neuer B 10 liegt ortsauswärts alles im Bereich bis 65 Dezibel, im Gewerbegebiet und entlang der Straße nach Albershausen auch darüber.

Wie sieht’s in den Teilorten aus? In Holzhausen wird der Tag-Grenzwert punktuell erreicht, nachts seien die 60 Dezibel eingehalten, so Schröder. In Sparwiesen liege die Belastung an der Ortsdurchfahrt knapp unter dem Auslösewert von 65 Dezibel am Tag. Im Nassachtal ist der Straßenlärm deutlich unter den Grenzwerten.

Bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde der Entwurf beschlossen. Der Lärmaktionsplan geht jetzt ins weitere Verfahren. Es gibt eine Bürgerbeteiligung. Was die SPD fordert, fließt auch als Anregung ein. Bei der Umsetzung der Maßnahmen, die dann beschlossen werden, ist die Stadt Uhingen auf die Straßenverkehrsbehörden bis hinauf zum Regierungspräsidium angewiesen.

Die Rechtsgrundlage

Pflicht Die Erstellung eines Lärmaktionsplans ist verpflichtend für die Kommunen, Grundlage ist die EU-Umgebungslärmrichtlinie. Von der LUBW (Landesanstalt für Umweltschutz in Baden-Württemberg) wurden dazu alle Landes- und Bundesstraßen mit mehr als 8200 Kraftfahrzeugen pro Tag kartiert. Vordringlicher Handlungsbedarf besteht in Bereichen mit einer Lärmbelastung von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel  nachts.

Beteiligung Das Landesverkehrsministerium empfiehlt eine frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung und eine Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel