Verkehr Gammelshausen bekommt wohl Radschutzstreifen

Seit fast zehn Jahren wird an der unteren Hauptstraße in Gammelshausen geparkt. Kommt ein Radstreifen, gibt es auf der gegenüberliegenden Seite einen gewissen Ersatz.
Seit fast zehn Jahren wird an der unteren Hauptstraße in Gammelshausen geparkt. Kommt ein Radstreifen, gibt es auf der gegenüberliegenden Seite einen gewissen Ersatz. © Foto: Jürgen Schäfer
Jürgen Schäfer 10.01.2018
Der Radstreifen in Gammelshausen stand auf der Kippe, weil es hieß: Das Parken fällt dann weg. Dem ist nicht so.

Aller Voraussicht nach bekommt Gammelshausen einen Radschutzstreifen entlang der Ortsdurchfahrt. Wenn der Gemeinderat das abschließend billigt, kann er sich vom Kreisel bis hoch zur Einmündung Kornbergstraße ziehen. Damit kann Gammelshausen eine fahrradfreundliche Gemeinde im fahrradfreundlichen Landkreis werden. So war es eigentlich auch gedacht.

Ein Wermutstropfen: Es fallen einige Parkplätze in der unteren Hauptstraße weg. Dort parken Anwohner zwischen Bushaltestelle und der ersten Querstraße. Das hat sich so herausgebildet, seit die Haupstraße vor zehn Jahren erneuert worden ist und der Mittelstreifen entfiel. Bleiben können diese bis zu sieben regulären Parkplätze nicht, wenn der Radstreifen auf dieser Seite kommt. Aber: Der Gemeinderat wollte sie auf die andere Straßenseite verlegt wissen. Soviel, wie dort möglich ist.

So sah es aus –  bis Bürgermeister Daniel Kohl den Räten mitteilen musste, dass es nichts wird mit den verlegten Parkplätzen. Entgegen der Meinung des Verkehrssachverständigen der Polizei, Reimund Vater, sei die Straße nicht breit genug für den Schutzstreifen plus Parkstreifen. So sage es das Landratsamt.  Die Straße habe unten nicht ganz sieben Meter. Kohl plädierte dafür, den Schutzstreifen trotzdem anzulegen. Die Parker müssten sich anders behelfen.

So einfach machte es sich der Gemeinderat aber nicht. Dann falle ja die Voraussetzung für den Schutzstreifen weg, stellte Dr. Christoph Grünwald fest. Er wollte die Parkplätze nicht einfach so wegwischen, sagte aber auch: Die Parker seien Anwohner und hätten Parkraum im Haus. Man würde zu einem früheren Zustand zurückkehren.

Ines Landgraf warnte: In der Seitenstraße zur Westlichen Breite werde schon wild geparkt, das werde dann zunehmen. Heike Mohring sah den Schutzstreifen nur als Stückwerk: Er endet noch vor dem Ortsausgang. „Weiter oben sind die Radfahrer wieder Freiwild.“

Wie die Abstimmung für einen Schutzstreifen ohne Ersatzparkplätze ausgegangen wäre – man weiß es nicht. Aber die Gammelshäuser Gemeinderäte kennen ihre Hauptstraße. Es gab starke Zweifel, ob sie im fraglichen Abschnitt wirklich so schmal ist. „Das kann nicht sein“, befanden Hans Hohlbauch und Walter Krummrein. Auch Heike Mohring sagt: „Messen wir’s nach.“

 Das ist geschehen. Und siehe da: Die Straße hat eine Breite von acht bis zehn Metern, berichtet der Schultes. Maximal 20 Meter Länge könne man für Parkplätze herausschlagen. Das wäre etwas mehr als der halbe  Ersatz für jetzt knapp 40 Meter Parkraum. Für wieviele Autos es reicht, ist aber noch nicht heraus. Es braucht noch eine Feinabstimmung, betont der Leiter des Straßenverkehrsamts im Landratsamt, Manfred Gottwald. Es komme auch auf die Sichtverhältnisse an, und wie sich der Verkehr zum Kreisel hin abwickle, wo ja auch ein Zebrastreifen ist.

Wegfallen könnte dann auch ein Verkehrsspiegel für die Links­abbieger von der ersten Querstraße, mit dem die Anwohner nicht glücklich sind. Er soll ihnen zeigen, welcher Verkehr neben den geparkten Autos vom Kreisel her heranfährt. Aber das zeigt der Spiegel nicht so auf einen Blick.

Das sähe der Schultes als schönen Nebeneffekt. Ein Schutzstreifen, sagt er, würde dem steigenden Radverkehr und Radtourismus guttun, und das sei auch ein Stück Verkehrsberuhigung. Kohl glaubt,  dass Autofahrer in der Kurve in der Ortsmitte langsam tun, wenn sie bergauf mit Radfahrern rechnen müssen. „Man fährt vorsichtiger.“ Hohlbauch sieht das auch so. Walter Krummrein findet dagegen, mit Schutzstreifen werde es in der Kurve noch unübersichtlicher.

Das Sahnehäubchen wäre: Den Schutzstreifen gibt es umsonst, „hundert Prozent Kostenübernahme vom Land“, freut sich Kohl. Er kann auch berichten, dass man den Radstreifen im Oberdorf bis zur Kornbergstraße führen könne und nicht bloß bis zur Fuchseckstraße. So dass er auch den Ausgangspunkt für Wanderungen in der Kornbergstraße einschließt. Und: Es wäre der erste Schutzstreifen einer Kreisgemeinde im Rahmen des Programms „Radnetz BW“, betont Kohl.

Aneinander vorbeigeredet

Missverständnis Wie kam es zu der Falschmeldung von der Straßenbreite? „Das Landratsamt hat falsch gemessen“, sagt Hans Hohlbauch – so hat man es im Gemeinderat verstanden. Straßenverkehrsamtsleiter Manfred Gottwald sagt nichts von einer Messung. Er verweist auf die Grundlagenermittung des Büros für das Radwegekonzept. Demnach sei die Straße sieben Meter breit, aber nicht überall gleich breit. Das sei die Ausgangs­situation gewesen. In der später aufgekommenen Frage, wo das Parken möglich sei, habe man aneinander vorbeigeredet. Ein Missverständnis. Bürgermeister Daniel Kohl sieht das mittlerweile auch so.