Pilotprojekt Nachhaltig bauen

Jürgen Schäfer 27.07.2018

Nochmal einiges erarbeitet hat der Nachhaltigkeitsbeirat des Gemeindeverbands Raums Bad Boll bei den Bemühungen, eine Nachhaltigkeitsregion zu etablieren. Der Beirat bekam Verstärkung: Zwölf Mitstreiter hatten sich bei der Bürgerwerkstatt am 8. Mai in Gammelshausen gefunden, und gemeinsam hat man eine Menge Ziele unter die Lupe genommen. Die unabhägige Energieberatung, das flächensparende Bauen, die Plastik(tüten)freie Region, weg von chemischen Pestiziden, der nachhaltige Konsum, der umweltschonende Verkehr: Zwölf Handlungsfelder, 21 Leitsätze, 24 Zielvorschläge waren das Resultat  der vorigen Runde. Daraus hat nun der Nachhaltigkeitsbeirat fünf Themen herausgegriffen, um sie näher zu bearbeiten. Denn: Man kann nicht alles gleichzeitig machen, es braucht Mut zu einem Schnitt, erläuterte Projektleiter Jörg Hiller der Verbandsversammlung Raum Bad Boll, die den Prozess eingeleitet hat und am Ende auch sagen muss, wo es lang geht.

Fünf von 24 Themen: Die Auswahl war schmerzhaft, sagt Hiller. Es steckt viel Herzblut in den einzelnen Vorschlägen. Jetzt ist mal eine Agenda aufgesetzt. Der Nachhaltigkeitsbeirat verfolgt folgende Themen weiter: Ein Ideen-Papier zum flächensparenden Bauen, eine Initiative gegen das Artensterben, ein interkommunales Rad- und Fußwegekonzept, die Nachbarschaftshilfe, die Einführung eines Nachhaltigkeitschecks vom Land zur fiskalischen Nachhaltigkeit. Damit bildet die Ökologie einen klaren Schwerpunkt. Sie stellt zwei der fünf Themen.

Viel zu tun also für die engagierten Bürger und alle sechs Bürgermeister, die sich für eine Nachhaltigkeitsregion einbringen wollen. „Jetzt kommt die Kärrnerarbeit“, sagt der Verbandsvorsitzende, Hattenhofens Bürgermeister Jochen Reutter. In Arbeitsgruppen wird man sich mit den Themen auseinandersetzen, und die braucht man auch noch über den Tag hinaus, an dem der Verband sagt, was er konkret an Nachhaltigkeit anschieben will. „Das beginnt dann erst richtig“, sagt Reutter. Auch der Beirat werde sich nach der politischen Willensbildung, die im November geplant ist, nicht gleich auflösen.

Mit dem flächensparenden Bauen ist der Beirat am Puls der Zeit. Eben  jetzt stellt sich für die Voralbgemeinden – und alle anderen – die Frage, ob sie aus dem Handgelenk Bauland ausweisen wollen. Der Gesetzgeber in Berlin eröffnet diese Möglichkeit, um den Wohnungsdruck im ganzen Land zu dämpfen. Wenn man’s macht – wie geht man mit dem Bauland um? Hans Hohlbauch, Gemeinderat in Gammelshausen und Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat, nennt den Flächenverbrauch ein Riesenproblem. Das gehöre in die politische Debatte im Bund und vor Ort, es dürfe kein „weiter so“ geben. Das sagt auch Dorothee Kraus-Prause, die als Grünen-Rätin in Bad Boll und vor allem als Regionalrätin ständig mit dem Flächenverbrauch konfrontiert ist. Ihre Position: Wenn schon zusätzliches Bauland, dann nicht für Einfamilienhaus-Siedlungen, wie das landauf landab geschehe. „Es gibt sehr kluge Modelle.“

Diese Diskussion hat die Gemeinden schon erreicht. In Zell, wo neues Bauland kommen soll, wünscht die Fraktion Bürgerforum  mehr Mehrfamilienhäuser als im Entwurf vorgesehen. In Gammelshausen ist die Option für Doppel-und Reihenhäuser auf dem Tisch.

Ein anderes Potenzial: Die Baulücken in den Verbandsgemeinden würden laut Planer Thomas Sippel „völlig ausreichen“, um den Bedarf abzudecken. Nur sind sie in privater Hand.

Zusätzliche Baugebiete: Vieles noch im Fluss

Votum Von den sechs Verbandsgemeinden im Raum Bad Boll wollen bisher nur Zell und Gammelshausen den Paragrafen 13b des Baugesetzbuchs für zusätzliches Bauland nutzen.

Diskussion In anderen läuft die Diskussion. In Dürnau gebe es Überlegungen für die Größenordnung von sechs bis acht Bauplätzen, sagt Bürgermeister Markus Wagner. Aichelberg ist in der Beratung, in Hattenhofen kommt sie noch. In Bad Boll geht es lediglich darum, mit einem veranschlagten Baugebiet schneller in die Gänge zu kommen. So äußerten sich die Rathauschefs auf Frage von Ursula Bader, Mitglied des Nahhaltigkeitsbeirats.

Naturausgleich Gibt es Überlegungen, freiwillig Naturausgleich zu tun, den der Gesetzgeber hier nicht fordert? In Gammelshausen durchaus, sagt Bürgermeister Daniel Kohl. An Blühstreifen werde gedacht.

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