Donzdorf / Karin Tutas  Uhr
Ein halbes Jahr nach dem Unglück in Donzdorf ist der Schuttberg des zerstörten Hauses nicht abgeräumt. Die Polizei sucht immer noch nach der Ursache der Explosion.

Ludwig Reichmann kommt jeden Tag in die Dr.-Frey-Straße – dort, wo sein Zuhause ist. Besser gesagt, was davon übrig geblieben ist. „Der Garten ist noch halbwegs in Ordnung“, sagt Reichmann, während er mit einer kleinen Hacke die Erde in einem der Beete auflockert. Das gibt dem 80-Jährigen ein klein wenig Halt, seit seine Welt aus den Fugen geraten ist. Das war am 13. Januar – genau vor einem halben Jahr. Das närrische Volk stand in den Startlöchern für den Narrensprung, als vormittags eine gewaltige Explosion die Stadt erschütterte und das unmittelbar an Reichmanns Haus angedockte Reiheneckhaus in Schutt und Asche legte. Auch das Haus des 80-Jährigen ist abbruchreif. Jedoch an einen zügigen Aufbau glaubt der Donzdorfer nicht mehr. Denn an der Unglücksstelle tut sich nichts.

„Da hat sich kein Daumen bewegt“, sagt Otto Blinkle und deutet auf den gewaltigen Schuttberg, der sich neben seiner Garage auftürmt. Auch Blinkles Wohnhaus wurde durch die Explosion des Nachbarhauses schwer beschädigt. „Ich habe bereits Aufträge in Höhe von 300 000 Euro vergeben“, sagt der Donzdorfer. Durch die Wucht der Detonation wurde das Mauerwerk unter 14 Zentimeter dicken Dämmplatten zertrümmert. Infolge der gewaltigen Druckwelle habe es das Dach gelupft und alle Fenster standen offen. Der Kaktus aus dem Unglückshaus „lag in unserem Wohnzimmer“, erinnert sich Blinkle. Zum Glück seien er und seine Frau wie auch Ludwig Reichmann zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zuhause gewesen, „sonst würden wir womöglich nicht mehr leben“.

Blinkle, bei dem die Handwerker wohl noch bis in den Herbst hinein zu tun haben, ärgert sich über den riesigen Schutthaufen, der sich neben seiner Garage auftürmt, die ebenfalls abbruchreif ist. Die Stadt, findet Blinkle, müsste da mehr hinterher sein. Die Kommune habe rechtlich keine Eingriffsmöglichkeit, erklärt Bürgermeister Martin Stölzle. Der Unglücksort sei ordnungsgemäß abgesperrt. Indes habe die Stadt immer wieder Gespräche mit der Versicherung des hauptbetroffenen Eigentümers aufgenommen. Aber so lange die Ursache des Unglücks nicht geklärt sei, könne der Schutt nicht weggeräumt werden, habe die Auskunft der Polizei gelautet, so Stölzle. Auf Nachfrage hat das Polizeipräsidium Ulm jetzt bestätigt, dass die Ursache immer noch nicht genau geklärt werden konnte.

Die Hängepartie, der Papierkrieg mit Versicherung und Behörden und der Verlust seiner Habe machen Ludwig Reichmann schwer zu schaffen. Kurz vor dem Unglück hatte er noch für 40 000 Euro renoviert. „Die letzte Rechnung war gerade bezahlt, als das passiert ist.“ Nachdem ihm nach dem Unglück zunächst Nachbarn ein Dach über dem Kopf geboten hatten, ist er inzwischen in einer Seniorenwohnung untergekommen. „Ich bin der Leidtragende an dem Ganzen“, sagt er, „und ich muss jeden Tag kämpfen, dass ich nicht psychisch krank werde“. So lange der Schuttberg nicht abgeräumt ist, ist an den Abriss seines Hauses, geschweige den Wiederaufbau nicht zu denken. Und ob die Entschädigung der Versicherung für ein neues Haus ausreicht, das steht auf einem anderen Blatt.

Schaden übersteigt eine Million Euro

Unglück Bei der Explosion in dem Reiheneckhaus in Donzdorf wurde die 78 Jahre alte Bewohnerin schwer verletzt. Eine Nachfrage bei den Eigentümern war nicht möglich. Wie Rathauschef Martin Stölzle erklärt, sei ein Kontakt mit Medien nicht erwünscht. Bei dem Unglück am 13. Januar wurden zahlreiche Häuser in der Umgebung geschädigt. Der Gesamtschaden übersteigt eine Million Euro.