Forst Nach dem Sturm kam der Borkenkäfer

Der Borkenkäfer macht dem Schlierbacher Wald zu schaffen.
Der Borkenkäfer macht dem Schlierbacher Wald zu schaffen. © Foto: Roland Weihrauch/dpa
Schlierbach / Volkmar Schreier 09.11.2018

Dass das Wetter „nicht so optimal“ gewesen ist, wäre noch übertrieben: „Ein Jahr der Extreme“ nennt Revierförster Christoph Reich das Jahr 2018, mit entsprechenden Nebenwirkungen für den Schlierbacher Gemeindewald. Insbesondere die Fichtenbestände hat es böse getroffen.

Erst stürmisch und nass, dann der nächste Jahrhundertsommer mit Trockenheit und Borkenkäfern: Im Prinzip war der forstwirtschaftliche Betriebsplan für das laufende Jahr schon am 3. Januar obsolet, wie Revierförster Reich jetzt im Schlierbacher Gemeinderat darlegte. „Alleine im Bereich des Gemeindewalds hat der Sturm Burglind zum Jahresanfang rund 700 Festmeter Sturmholz geworfen, auf der Schlierbacher Gemarkung waren es insgesamt sogar 5000 Festmeter.“ Ein Haufen Holz also, der den ursprünglich geplanten Einschlag von rund 130 Festmetern im Gemeindewald weit überstiegen hat. Glücklicherweise konnten die von Sturmschäden betroffenen Flächen zeitnah geräumt werden. „Schon vier Monate nach dem Sturm haben wir wieder aufgeforstet“, berichtet Reich.

Dennoch: „Trotz der schnellen Aufarbeitung nach dem Sturm hat der Borkenkäfer ausreichend Nahrung gefunden.“ Und so hat der Wald nicht nur unter dem Sturm gelitten, der extrem trockene Sommer brachte ideale Bedingungen für die Borkenkäfer. „Weitere 133 Festmeter Holz mussten wegen Insektenschäden eingeschlagen werden“, so der Revierförster. Entsprechend wenig bis gar keine Zeit blieb also für die eigentlich im Plan vorgesehenen Arbeiten: „Wir haben zu exakt 100 Prozent nicht nach Plan gearbeitet“ lautet Reichs Fazit – die Schadensbegrenzung stand im Vordergrund.

Sorgen macht dem Fachmann nach wie vor das Eschentrieb­sterben. Eine Pilzerkrankung sorgt dafür, dass die neuen Triebe absterben und am Ende der ganze Baum stirbt: „Das wird erst aufhören, wenn wir keine Eschen mehr haben.“ So werden auch im kommenden Jahr wieder viele, auch alte, Eschen der Motorsäge zum Opfer fallen. Der Klimawandel tut ein Übriges, vor allem Fichten leiden unter der zunehmenden Hitze und Trockenheit im Sommer. „In Schlierbach wird es in rund 30 Jahren keine reinen Fichtenbestände mehr geben“ ist sich Christoph Reich sicher.

Dennoch: „Wichtig ist, dass der Wald auch über die nächsten 50 bis 100 Jahre seine Funktionen erfüllt“, sagt Reich und meint damit nicht nur die Holzgewinnung, sondern zielt auf die wichtige ökologische Funktion des Waldes als Wasserspeicher, Biotop und Lebensraum für Tiere und Pflanzen ab. Damit das so bleibt, wird der Wald im kommenden Jahr gekalkt. Durch die Kalkung, die im zehnjährigen Turnus stattfindet, soll der ph-Wert des Bodens ausgeglichen werden. Die Böden sind nach wie vor übersäuert, was den Aufschluss wichtiger Nährstoffe für die Bäume erschwert. Verteilt wird der Kalk per Helikopter.

Auch wenn es für die Kalkung vom Land ordentliche Zuschüsse gibt, wird alleine diese Maßnahme laut Forstwirtschaftlichem Betriebsplan für das Jahr 2019 mit knapp über 10 ­000 Euro zu Buche schlagen. Auf rund 30­ 000 Euro werden sich die Ausgaben für den Unterhalt des Waldes insgesamt belaufen. Dem stehen etwa 22 000 Euro an Einnahmen aus dem Holzverkauf gegenüber. Nach Jahren der Überschüsse wird der Wald also im Jahr 2019 ein Minus von etwa 8500 Euro bringen. Der Gemeinderat beschloss den Betriebsplan 2019 einstimmig – wohl wissend, dass das Wetter auch im kommenden Jahr wieder einen dicken Strich durch die Rechnung machen kann.

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