Enttäuscht und ein bisschen aufgebracht ist Dr. Wolfgang Rapp. Dabei bringt den gutmütigen Pensionär, der sich seit Jahrzehnten dem Vogel- und Naturschutz im Nabu verschrieben hat, nichts so schnell auf die Palme. Doch in jüngster Zeit häufen sich die Vorfälle im Naturschutzgebiet Spielburg bei Hohenstaufen, die ihn ärgern: Hundebesitzer, die die Tiere partout nicht anleinen wollen. Jüngster Fall: Ein Hundehalter ließ seinen Vierbeiner ungestört in den Wiesen und Hecken herumtollen.

Spielburg bei Hohenstaufen: Hundebesitzer lässt Naturschutzwart herunterlaufen

Offenbar hatte der Mann, wie so viele, die das Gebiet besuchen, keine Ahnung, was er damit im Naturschutzgebiet (siehe Infokasten) anrichten kann, vor allem, weil Hunde für die selten gewordenen Bodenbrüter eine mögliche Gefahr sind. Vom Naturschutzwart Rapp darauf angesprochen, ließ der Hundebesitzer den Naturschützer dreist herunterlaufen und verweigerte die Diskussion. „Ich stand da, wie ein begossener Pudel. Da fühlt man sich so machtlos“, sagt Rapp kopfschüttelnd.

Dabei sei so ein Verhalten sehr kontraproduktiv für alle Bemühungen des Nabu. „Wir können das Artensterben doch nur vor Ort stoppen, wo wir den Einfluss haben“. Manche sagen, 70 Prozent der Bodenbrüter seien in den vergangenen 30 Jahren verschwunden. Immer wieder werden zu Wolfgang Rapp und seinen Kollegen Jungvögel gebracht, die ein Hund in der Mangel hatte. Dem Nabu gehören auch selbst einige Flächen rund um die Spielburg. „Doch mehr als bitten kann ich als Naturschutzwart trotzdem nicht“, sagt Wolfgang Rapp.

Wolfgang Rapp will größere Verbotsschilder

Deshalb wandte sich der Nabu-Chef Rapp jetzt im Namen der Ortsgruppe an die Stadt Göppingen und an das Regierungspräsidium. Die Kontrolleure des Gemeindevollzugsdienst sollen engmaschiger vor Ort sein, findet er. Außerdem fordert er seit langem, dass größere Verbotsschilder aufgestellt werden, denn die bisherigen Tafeln, die das Gebiet erklären und die Verbote darstellen, seien viel zu klein, sagt Rapp. „Das liest keiner.“ Die Tafeln seien ihm auch schon längst versprochen worden, ebenso wie eine neue Schranke am oberen Ende der Spielburg, die allzu forsche Mountainbiker abhalten soll, die mit ihren Stollenreifen die geschützte Flora malträtieren. Passiert sei aber nichts.

Viele Umweltsünder, die Wolfgang Rapp persönlich anspricht, verweisen darauf, was andere alles falsch machen. Dabei verkennen sie die Bedeutung eines solchen Gebietes. „Es ist ein Ort, wo Pflanzen und Tiere Vorrang haben und sich entfalten können“, so Rapp. „Nur so lässt sich das viel diskutierte Artensterben aufhalten, sonst können wir uns  Dinge wie die Weltartenschutz-Konferenz in Paris sparen.“

Nabu betont: Keine Schikane! Es geht um Naturschutz

Der Nabu setzt darauf, dass sich der Naturschutzgedanke durchsetzt – und die Erkenntnis, dass Schutzgebiete keine Schikane, sondern eine Notwendigkeit im Sinne der Natur sind. Immerhin: Beim Thema wilde Partys auf der Spielburg haben sich die Sitten deutlich gebessert, seit das Areal vor 25 Jahren zum Naturschutzgebiet wurde. Und beim Kampf gegen überall herumliegenden Hundekot war der Nabu Vorreiter mit Hundekot-Beuteln und Sammelstelle bei der Spielburg. „Das hat sich deutlich entspannt.“

Info Der Nabu bietet am Dienstag, 2. Juli, ab 19 Uhr einen Abendspaziergang in die Kernzonen des Naturschutzgebietes an. Im Zentrum der Tour unter Leitung von Dr. Wolfgang Rapp stehen die Boden- und Heckenbrüter und die Kinderstuben der Feldhasen. Dauer: ein bis zwei Stunden. Treffpunkt am Brunnen beim Schafstall. Parkmöglichkeiten nur an der Grabengasse (gegenüber der Gaststätte „Goldener Ochsen“) oder Parkplatz am Ende des Spielburgweges. Infos bei W. Rapp, Tel. (07165) 8705.

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Göppingen

Das Naturschutzgebiet Spielburg: ein Paradies für Pflanzen und Tiere

Seit 1994 ist die Spielburg und ein etwa 30 Hektar großes Gebiet südlich davon Naturschutzgebiet. Und das nicht nur nur wegen der geolgischen und landschaftsgeschichtlichen Bedeutung: Die Spielburg ist ein mächtiger Weißjura-Felssturz, der lange als Steinbruch genutzt wurde.

Pflanzen Der Reichtum an Pflanzenarten im Gebiet Spielburg ist bedeutend. Auf dem Kalkstein hat sich ein heideähnliches Trockenbiotop entwickelt. Neben Felsen und Blockhalden, gibt es Hecken, Feldgehölze, Streuostwiesen und Feuchtzonen. 250 verschiedene Pflanzenarten finden sich hier. Die Landschaft wird mit Hilfe von Schafen und durch  Menschen gepflegt

Tiere Neben vielen anderen Arten finden vor allem Bodenbrüter hier Schutz : Goldammer, Bachstelze, Rotkehlchen, Zaunkönig, Fitis-Laubsänger, Zilpzalp, Wiesenpieper, Drossel, Rebhuhn und Lerche.