Diamantene Hochzeit Mutter bereitete einer langen Liebe den Boden

Friederike Ehling und ihr Mann Emil. Foto: Luthmer-Lechner
Friederike Ehling und ihr Mann Emil. Foto: Luthmer-Lechner © Foto: Ulrike Luthmer-Lechner
ULRIKE LUTHMER-LECHNER 20.10.2016

Es war 1955 in Wasserburg am Inn, als Friederike an einem herrlichen Sonntag zum Essen eingeladen war bei einer Bekannten – Emils Mutter.

Das in Rosenheim wohnhafte Mädchen hatte deren Sohn Emil zuvor noch nie gesehen. „Seine Mutter hat uns glatt verkuppelt“, berichtet die gebürtige Rumänin. Als Emil sein sonntägliches Badevergnügen am nahen See wegen dem Essen unterbrach, schlug bei Friederike der Blitz ein. „Braungebrannt und nur in der Badehose, so stand er vor mir“, erinnert sie sich. Bei ihr habe es sofort gefunkt. „Bei mir nicht, ich hatte ja das Baden im Kopf“, sagt der gebürtige Münchner lachend.

Doch es dauerte nicht lange bis auch Emil im siebten Himmel schwebte. Im Frühling 1956 machte der gelernte Müller seiner Friederike auf Burg Burghausen einen Heiratsantrag und im selben Jahr wurde in Vogtareut bei Rosenheim geheiratet. Ganz bescheiden, denn das Geld war knapp. „Ich hatte kein Brautkleid an, sondern ein Jackenkleid, das man später immer wieder tragen konnte“, so Friederike Ehling. „Es war die erste Wirtschaftskrise nach dem Krieg und auch die Wohnungen waren rar“, erinnert sich der Jubilar. Schon einen Tag nach der Hochzeit bretterten beide auf seinem Roller, einer Lambretta, nach Baiereck zu Friederikes Onkel: „Er hatte eine 50-Quadratmeter-Wohnung für uns.“

So kamen die frischverliebten aus Bayern ins Schwabenländle, und ab 1958 schaute der Storch immer wieder mal wieder vorbei. Die Familie vergrößerte sich bald um fünf Kinder. Die Wohnung wurde zu klein, eine andere gab es nicht und so bauten die Ehlings in Baiereck ihr eigenes Haus. Mit sehr viel Eigenleistung entstand ihr eigenes Paradies im Grünen. „Im ehemaligen, urigen Kern von Baiereck hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel verändert“, so Emil Ehling.

Damals seien sie Exoten gewesen, eine der ersten Fremden im Ort. Recht kritisch beäugt wurde das Paar wegen seiner fünf Kinder „Das galt als asozial“ so die 77-Jährige, die ihren Beruf in der Handweberei nicht mehr ausüben konnte. Das Paar ließ sich nie beirren, zog die Kinder auf und als die zwei Mädchen und drei Buben aus dem Haus waren, schlugen sie ein neues Kapitel des Lebens auf. „Wir reisen sehr gerne und haben schon viel von der Welt gesehen“, berichtet die Jubelbraut, die außerdem Akkordeon spielt und im Baierecker Chor singt. Emil Ehling indes liebt das Werkeln in Haus und auf dem Hof. „Es gibt immer etwas zu tun, ich bin halt leidenschaftlicher Handwerker“, sagt der 82-Jährige.

Doch auch nach fast 60 Jahren in Baiereck schlägt das Herz für den Freistatt mit weiß-blauer Flagge. Das Heimweh nach Bayern ist präsent. Friederike hat nie bereut, ihren Emil geheiratet zu haben. Mit einem liebevollen Blick auf ihren Mann, mit dem sie seit 60 Jahren durch Dick und Dünn geht, sagt sie: „Ich würde das sofort wieder tun.“ Auf ein großes Fest verzichtet das Jubelpaar. „Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Urlaub in Rom und hoffen, noch lange gesund das Leben genießen zu dürfen.“ Ulrike Luthmer-Lechner