Klein, aber fein und keinesfalls zu unterschätzen, ist das fotohistorische Museum im Rathaus Uhingen. Mit derzeit rund 450 ausgestellten Exponaten verfügt es nach eigenen Angaben über die umfangreichste Fotoapparate-Ausstellung in Baden-­Württemberg. „Inzwischen hat sich die Besucherzahl verzehnfacht“, berichtet Museumsleiter Otto Nicksch. Schauten sich 2015 nur 42 Interessierte die zusammengetragenen Fotoapparate an, waren es im vergangenen Jahr 428. Den größten Anstieg verzeichnete das Museum zwischen 2015 und 2016, als von einem Jahr aufs andere 243 Besucher mehr kamen als zuvor.

Bis zu 900 Fotoapparate

Der gesamte Bestand an historischen Schmuckstücken ist fast viermal so hoch wie die 400 bis 450 gezeigten Exemplare in den Vitrinen. Nach dem Motto „bevor es auf dem Sperrmüll landet“ wurden im Laufe der Jahre aus Platzgründen zusätzlich „über 1200 Kameras vereinnahmt, schriftlich festgehalten und eingelagert“, verrät Nicksch. „Stammen mehrere der seltenen Exponate noch aus der Pabst-Sammlung, besteht der Großteil aus Spenden „von uns wohlgesonnenen Menschen.“ Manche Exemplare besitze das Museum doppelt und dreifach, sodass es auf 800 bis 900 verschiedene Fotoapparate kommt.

Einer davon ist Jost Simon. Er hat nicht nur einige „Perlen“ aus seiner Privatsammlung als Anschauungsobjekt zur Verfügung gestellt. Laut Otto Nicksch ist er darüber hinaus ein Experte, der neben der Historie „jede Schraube einer Kamera mit dem Vornamen kennt“. Um die Geräte zu identifizieren, haben zwei weitere Mitstreiter, Hans Sikora und Wolfgang Hartwig, rund 300 Stunden ehrenamtlich Fachliteratur sowie einschlägige Kataloge gewälzt. Der Aufwand hat sich gelohnt: Detailliert gibt das Archiv von mehr als 1000 Einzelpositionen Auskunft über Hersteller, Kameratyp, Ausstattung, Baujahr oder Zeitspanne, technischen Erhaltungszustand und – soweit verfügbar – über den Spender.

„Meilensteine der Fotografie“

Nachdem Hans Sikora vor einem Jahr starb, führt Wolfgang Hartwig diese Aufgabe in seinem Sinne weiter. In Ergänzung dazu hat Udo Meissner, selbst begeisterter Sammler von historischen Fotogeräten, die organisatorische Verantwortung für die Museumsausstellung übernommen. Selbst wenn unter den hunderten von Exponaten das eine oder andere Modell doppelt vorhanden ist, sind es gerade die „neuen“ Raritäten unter den bis dato noch nicht gezeigten 50 Kameras, die in zusätzlich aufgestellten Glasschränken sowie auf Schautafeln die „Entwicklung der Fotografie“ zeigen oder erklären.

Angefangen von der „offiziellen“ Geburtsstunde am 19. August 1839 und den beiden Erfindern, den Franzosen Joseph Nicéphore Niépce und Louis Jacques Mandé Daguerre, über das Plattenverfahren, erste Kameras mit Filmrollen, Kleinbildkameras und Farbfotografie, Polaroid-Sofortbild-Kameras bis hin zur Spiegelreflex-Kamera und digitalen Fotografie der 90er Jahre. „Hier sieht man Ausstellungsstücke, die Meilensteine in der Fotografie darstellen“, sagt Nicksch.

Ursula Beißwenger spendet Kamera

Kaum ausgesprochen, klopft Ursula Beißwenger aus Hohenstaufen an die Tür. Die Tochter des 2015 verstorbenen Internisten, Göppinger Ehrenbürgers, Kommunalpolitikers und Frisch-Auf-­Vereins-Ehrenpräsidenten, Dr. Heinrich Zeller, hat einige Besonderheiten mitgebracht. „Das ist schon was Gutes“, freut sich Otto Nicksch über eine Robot Royal Voigtländer Kompaktkamera und ein Weitwinkelobjektiv von Zeiss.

Mit Leidenschaft zum Hobby stand ihr Vater häufig hinter der Kamera, habe fotografiert oder gefilmt und seine Super-8-Filme stets selber geschnitten, erinnert sich Ursula Beißwenger. Weil sie es keinesfalls übers Herz gebracht hätte, die Sachen zu verkaufen oder gar wegzuwerfen, kam ihr der Tipp mit dem Uhinger Foto-Museum sehr gelegen. Nach einem ersten telefonischen Kontakt sei sie heute hier, um sich selbst davon ein Bild zu machen.

„Mir ist es schon wichtig, dass ich sehe, wo die Sachen hinkommen und dass es keine Spinner sind“, betont Beißwenger. Sie lässt sich vom Leiter des Museums alles zeigen und wickelt dann mit ihm die Formalitäten ab. Otto Nicksch versichert ihr: „Ihre Spende ist bei uns gut aufgehoben, das nehmen wir sehr ernst.“

Info Das Foto-Museum in Uhingen ist am verkaufsoffenen Sonntag, 31. März, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Interessierte finden es im Rathaus der Stadt in der Kirchstraße 2.

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Enthusiasten kümmern sich um Exponate


Ausstellung Die Interessengemeinschaft der „Fotoschwaben“ bereitet die Exponate der Sammlung auf, verwaltet und pflegt sie.

Träger Die Stadt Uhingen eröffnete Ende 2003 das Foto-Museum.

Vermächtnis Die Sammlung des 2009 verstorbenen Foto-Journalisten Wilhelm Pabst und seiner Frau Gertraud bildete den Grundstock der Exponate des Museums.