Kreis Göppingen / Von Joa Schmid Das neue Müllsystem kann kommen. Die  Eigentümerveranlagung fand im Ausschuss am Dienstag aber keine Mehrheit. Jetzt entscheidet der Kreistag.

Mit ihrem Vorschlag, die Abfall-Rechnung  nicht mehr an die Haushalte, sondern an die Immobilienbesitzer, also auch an Vermieter, zu schicken, konnte sich die Kreisverwaltung im Umweltausschuss nicht durchsetzen. Damit dürfte die erhoffte Einsparung von rund 500 000 Euro vom Tisch sein. Eine Mehrheit aus CDU, Freien Wählern und FDP lehnte eine entsprechende Empfehlung an den Kreistag ab. Ansonsten aber steht einer Verabschiedung des neuen Müllsystems rund um Tonnen, Biobeutel und Altpapier  am 22. März nichts mehr im Wege. 

Große Müll-Reform

Beim Sammel- und Gebührensystem des Landkreises  soll kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Rund drei Stunden lang hatten die Mitglieder des Umwelt- und Verkehrsausschusses  die großangelegte Reform für Restmüll, Wertstoff,  Bioabfall und Co. zum Teil kontrovers diskutiert. Es ging um zwölf Einzelpunkte mit jeweils einer Empfehlung des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) des Landkreises, um Alternativen sowie um ein Votum aus dem Bürgerworkshop. Am Ende waren die Ausschussmitglieder dem Appell von Landrat Edgar Wolff gefolgt und „auf Entscheidungskurs“ geblieben.

Die Albershäuser Verwaltung setzt seit einem Jahr auf ein elektronisches Ratsinformationssystem im Gemeinderat.

Kernstück des neues Systems ist, dass der Bürger künftig selbst bestimmen kann, wie oft er seine Tonne raus stellt. Die Bezahlung richtet sich nach der  Zahl der Leerungen, die auf einem Chip gespeichert sind.  Der Antrag der Freien Wähler, die Erfassung auch mit Barcode oder einer anderen Technik ins Auge zu fassen, fand keine Mehrheit. Das Chipsystem wurde bei drei Gegenstimmen beschlossen. Der AWB ist von seinem umstrittenen Vorschlag abgewichen, sämtliche Tonnen gegen landkreiseigene auszutauschen.   Das Behältermanagement soll der  Abfallwirtschaftsbetrieb aber trotzdem übernehmen.  Das entschied der Ausschuss bei fünf Gegenstimmen aus den Reihen von FDP, CDU und FW.  Dem Vorschlag der CDU-Fraktion, die Zahl der Mindestleerungen auf 13 – das entspricht in etwa dem vierwöchigen Abholrhythmus – zu erhöhen, wurde nicht zugestimmt. Es bleibt bei zehn Leerungen. Einstimmig einigten sich die Kreisräte auf die zusätzliche Einführung einer kleinen 60-Liter-Tonne. Damit will der Landkreis besonders kleineren Haushalten ein geeignetes  Behältnis zur Verfügung stellen.

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Fünf statt drei Grünschnittsammlungen

Die fixe Abfallgebühr, die von der Zahl der Leerungen unabhängig ist, soll künftig auf alle angeschlossenen Haushalte und Arbeitsstätten umgelegt werden – und zwar unabhängig davon, wie viele Personen dort wohnen oder beschäftigt sind. Auch dieser Beschluss erfolgte einstimmig. Statt jährlich drei Grünschnittsammlungen, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, soll es fünf geben. Das beschloss der Ausschuss mit den Stimmen der CDU, der SPD und der Freien Wähler.

Dickere Folie für Gelbe Säcke

Der Gelbe Sack soll bleiben. Es soll aber mit den Systembetreibern über die Einführung dickerer Folie verhandelt werden, weil künftig auch Dosen in die gelben Tüten kommen sollen. Einstimmig unterstützte der Umweltausschuss die Idee, die eigenen Papiersammlungen des Landkreises auszubauen und mit dem kommerziellen Betreiber, der bisher die Blauen Tonnen bereitstellt, über eine Landkreisbeteiligung zu verhandeln.

Einig waren  sich die Ausschussmitglieder darüber, die Sammlung von Elektrogroßgeräten beizubehalten. Auch der Wunsch aus der Bürgerbefragung nach einer einmaligen gebührenfreien Annahme von Sperrmüll in den drei Wertstoffzentren wurde gut geheißen.

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Biobeutel erhält eine weitere Chance

Biomüll Zwar zeigen die Kreisbewohner den kleinen blauen Tüten bisher weitgehend die kalte Schulter – obwohl die Nutzung vorgeschrieben ist.  Dennoch wollte die Mehrheit  des Umweltausschusses dem Biobeutel eine weitere Chance einräumen. Erst wenn bis Ende 2022 nicht die vom Land vorgegebene Menge erreicht wird, soll die Biotonne eingeführt werden. Dieser Beschluss erfolgte gegen drei Stimmen aus den Reihen der Grünen und der Freien Wähler. Die Gegner des Biobeutels hätten sofort eine Biotonne bevorzugt. Wegen unterschiedlicher Verwertungswege würde eine Biotonne nach Angaben des AWB jährliche Mehrkosten von mindestens 300 000 Euro bedeuten.