Müll Müllabfuhr im Kreis Göppingen wird teurer und komplizierter

Die Gebühren für die Müllabfuhr steigen. Wer die Tonnen allerdings nur alle vier Wochen leeren lässt, kann ab 2016 sparen.
Die Gebühren für die Müllabfuhr steigen. Wer die Tonnen allerdings nur alle vier Wochen leeren lässt, kann ab 2016 sparen. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / ARND WOLETZ 25.11.2014
Deutlich höhere Gebühren, Bioabfall in Beuteln und zentrale Grüngutplätze. Diese Eckpunkte der Abfallwirtschaftssatzung hat der Kreistag jetzt beschlossen. Vieles blieb aber bis zur Entscheidung umstritten. Mit einem Kommentar von Arnd Woletz.

Bis zum Schluss sorgte im Kreistag die Zukunft der Müllabfuhr für Kontroversen. Die Grünen feierten das lange vorbereitete Ergebnis als "Meilenstein", die Christdemokraten haderten mit den Veränderungen. Am Ende ging die neue Abfallwirtschaftssatzung und die Gebührenordnung im Kreistag aber durch (siehe Infokasten).

Quintessenz: In den nächsten drei Jahren muss der Landkreis Göppingen jeweils gut 1,2 Millionen Euro mehr Kosten für die Müllentsorgung kalkulieren als bisher. Für die Bürger bedeutet dies: Auch sie müssen in den kommenden Jahren für die Standard-Tonne deutlich mehr Gebühr berappen - es sei denn, sie steigen ab 2016 auf monatliche Leerung um.

Was ist schuld an diesem Kostengalopp? Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises führt den Zwang zur separaten Bio-Abfall-Sammlung und die neu einzurichtenden Grüngutplätze als Erklärung für die steigenden Kosten an. Der Biobeutel wird ab Juli eingeführt und wöchentlich von eigenen Fahrzeugen abgeholt - was Kritiker für ökologisch sehr bedenklich halten. Die Kreisverwaltung beruft sich jedoch darauf, dass die separate Sammlung des Biomülls künftig gesetzlich vorgeschrieben sei.

Auch die zentralen Kompostplätze - zwölf sollen es im Kreis letztlich werden - sind bei vielen Bürgern unbeliebt und belasten die Gebührenzahler. CDU-Fraktionschef Wolfgang Rapp hakte bei AWB-Chef Eberhard Stähle mehrmals nach, wann endlich die noch unklaren Standorte feststehen. Die CDU wollte auch wissen, warum die Kosten für solche Grüngutplätze im benachbarten Alb-Donau-Kreis deutlich günstiger kalkuliert werden. Die Plätze dort seien in Ausstattung und Größe eben nicht vergleichbar, wandte Stähle ein. Nicht gelten lassen wollte er auch den Einwand, es habe zu wenig Bürgerbeteiligung zur neuen Satzung gegeben. Er verwies auf die Befragung, bei der sich viele Kreisbewohner gegen die Biotonne ausgesprochen hatten, worauf der Biobeutel ins Spiel kam. Rückendeckung bekam Stähle von Landrat Edgar Wolff. Bei der Standortentscheidung für Grüngutplätze seien die Kommunen am Zug.

Der AWB-Chef verteidigte das Gesamtpaket: Wer auf vierwöchige Restmüll-Abfuhr umsteige, könne sogar Geld sparen, so Stähle. Damit sei endlich auch die oft geforderte Mengenkomponente und damit ein Anreiz zur Müllvermeidung enthalten. Insgesamt werde wohl auch die Abfallmenge sinken, die im Göppinger Müllheizkraftwerk verbrannt werden muss.

Ein Kommentar von Arnd Woletz: Hinterm Horizont geht`s weiter

Eins ist klar: Die neu geregelte Abfallwirtschaftssatzung im Kreis wird weiter ihre Kritiker finden. Beim Thema Müll ist es fast wie beim Fußball: Jeder hat so seine eigene Vorstellung, wie es richtig geht. Müllvermeidung ist ein politisch erwünschtes Ziel. Zu aufwendig - oder gar unhygienisch - soll die Trennung aber nicht sein. Und dann steigen auch noch die Gebühren. Kein Wunder also, dass das alles ein heißes Eisen ist. Lange tüftelte der Abfallwirtschaftsbetrieb an einer guten Lösung. Die Behörde sieht sich im gesetzlichen Zugzwang und hat sogar die Bürger gefragt. Sie hat dabei allerdings nicht viel Weitsicht bewiesen. Es kommt darauf an, wie man die Vorgaben umsetzt. Beispiel: Für den Biobeutel dröhnen künftig wöchentlich extra Müll-Laster durch jede einzelne Straße im Landkreis. Dabei blasen sie den Ruß von tausenden Litern Diesel in die Luft. Voraussichtlich sammeln sie aber jeweils nur wenig Bio-Wertstoff ein. Da muss man ernsthaft fragen, ob das ökologisch sinnvoll ist. Die Möglichkeit, die Restmüllabfuhr nur alle vier Wochen zu bestellen, soll den Bürgern beim Sparen helfen und einen Anreiz geben, Abfall zu vermeiden. Andere sehen darin eine schlichte Zumutung oder prophezeien, dass die Tonnen überquellen und der wilde Müll in der Natur landet. Diese Punkte zeigen: Es wird weiter diskutiert werden. Für einige Jahre ist das System festgezurrt. Dann wird die Diskussion erneut beginnen.