Göppingen Monsterlok fürs Märklineum

Jürgen Nicklich, ehemaliger Studienrat des Donzdorfer Rechberg Gymnasiums und Autor eines Buches über Dampflokomotiven, putzt die Dampflok für den Transport.
Jürgen Nicklich, ehemaliger Studienrat des Donzdorfer Rechberg Gymnasiums und Autor eines Buches über Dampflokomotiven, putzt die Dampflok für den Transport. © Foto: Tilman Ehrcke
Göppingen / Von Joa Schmid 06.09.2018
Diese Museums-Gabe hat es in sich: Am Mittwoch wird die 100 Tonnen schwere Dampflok 44 1315 quer durch Göppingen zu Märklin transportiert.

So etwas hat es in der Geschichte der Hohenstaufenstadt noch nie gegeben: Eine 100 Tonnen schwere Original-Dampf-Lok aus dem Jahr 1942 wird quer durch Göppingen zum Stammsitz der Firma Märklin in der Stuttgarter Straße transportiert.  Die Dauerleihgabe der Stadt Kornwestheim, die auf dem Betriebsgelände  für das Märklineum werben soll, war am 25. August mit der Bahn von Heilbronn nach Göppingen transportiert worden und wird zur Zeit auf dem Gelände der Göppinger Firma Leonhard Weiss geparkt.

 Seit einem  halben Jahr wird der Schwertransport, der am Mittwoch, 12. September, um 7 Uhr auf dem Gelände des Göppinger Bauhofs starten soll, vorbereitet. Eine Mammutaufgabe, wie Märklin-Sprecher Eric-Michael Peschel bestätigt. „So ein Highlight gab es noch nie im Landkreis“, sagt Peschel. Tatsächlich hat der anstehende Schwertransport unter den Märklinfans schon für Furore gesorgt. „Die Bevölkerung der Stadt Göppingen soll dabei sein und sich das Ganze anschauen“, betont Peschel.

Zu sehen gibt es in der Tat einiges: Morgens um 7 Uhr werden auf dem Bauhofgelände der Stadt an der Großeislingerstraße zwei 200-Tonnen-Kräne aufgebaut. Gegen 10 Uhr  hieven sie die 22 Meter lange und 100 Tonnen schwere Dampflokomotive auf den Tieflader, der selbst schon 95 Tonnen Eigengewicht mit sich bringt. „Beide Kräne müssen die auf einem Querträger stehende  Lok absolut synchron auf den Schwertransporter heben“, schildert Peschel die schwierige Aktion, die von Vertretern der Bahn überwacht wird.  Im Schritttempo verlässt der rund 200 Tonnen schwere Transport dann das Bauhofgelände und bewegt sich in die Hohenstaufenstraße.

Erst jetzt kann auf einem anderen Tieflader der 30 Tonnen schwere Schlepp-Tender aufgeladen werden, auf dem  im Normalfall die Wasser- und Brennstoffvorräte einer Dampflok lagern. Beide Transporte machen auf dem Blauen Platz gegenüber dem Volksbank-Rundbau bis 19 Uhr Station. „Dort haben Eisenbahnfans den ganzen Tag lang Gelegenheit, die Lokomotive zu fotografieren“, kündigt Märklin-Sprecher Peschel an.

Gegen 19 Uhr geht es dann im Schritttempo über Hohenstaufenstraße, Friedrich-Ebert-Straße, Burgstraße, Lorcher Straße und Stuttgarter Straße zum Märklineum. Ein direkterer Weg war nicht möglich, weil mittlerweile weder auf dem Gelände der Firma Schuler noch auf dem der ehemaligen Firma Boehringer – beide in der unmittelbaren Nachbarschaft des Märklineums – mehr ein Gleis­anschluss vorhanden ist. Auch ein Transport über die Jahnstraße kam nicht in Frage, da der Transport mit einer Höhe von 5,75 Zentimetern nicht durch den Bahnhofssteg mit 4,75 Meter Höhe käme.

Die B 10 in Richtung Stuttgart war ebenfalls keine Alternative, weil der dortige Tunnel nur 5 Meter in der Höhe misst. Auf der Strecke durch die Stadt mussten denn auch Bäume so zurechtgeschnitten werden, das für den Schwertransport 6 Meter Platz bleiben. Der Tieflader, der von der Polizei begleitet wird, wird auf seinem Weg ins Museum nur sehr langsam vorankommen. „Sämtliche Ampeln, die auf dem Weg liegen, müssen weg geschraubt und nach der Durchfahrt wieder angeschraubt werden“, berichtet Märklin-Sprecher Peschel. Ziemlich heikel wird es, wenn der Schwertransport das Firmenareal an der Stuttgarter Straße erreicht hat. Die dortige Haupteinfahrt verbietet sich als Transportweg, weil sie nicht hoch genug ist. „Wir müssen rückwärts über die Rappenstraße aufs Werksgelände“, sagt Peschel, der den Transport akribisch vorbereitet hat. Kein leichtes Unterfangen: „Zwischen Haupt- und Nebengebäude bleiben uns auf beiden Seiten gerade noch  10 bis 15 Zentimeter Platz.“ Trotzdem ist sich der  Märklin-Sprecher sicher, dass alles wie geplant klappen wird.  „Um 21.30 Uhr steht die Lok an ihrem Platz.“

Carport im Design einer Märklin-Schachtel

Die Lokomotive, die 1942 bei Krupp in Essen gebaut wurde, wird  von Märklin komplett restauriert. Das machte die Stadt Kornwestheim zur Bedingung für die unbefristete Dauerleihgabe. Märklin hat sich verpflichtet, die Lok für Ausstellungszwecke auf eigene Rechnung herzurichten und instand zu halten. Außerdem kommt das Unternehmen für die Transportkosten auf. Es geht darum, die Original-Maße einer 44er Lok gegenüber dem Märklin-Modell zu verdeutlichen, berichtet Märklin-Sprecher Eric-Michael Peschel. Eine Art Carport im Design einer Märklin- Schachtel soll die Illusion perfekt machen.

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