Bald ziehen 50 Stück Braunvieh in den neuen Stall auf dem Bauernhof der Familie Frey in Oberdrackenstein. Am Sonntag war der Neubau beim Tag der offenen Stalltür allerdings noch ganz in Menschenhand. Gut 3000 Besucher kamen am Tag der offenen Stalltür auf den Hof, um sich den 1300 Quadratmeter großen und über zehn Meter hohen Stall, der mit moderner Technik ausgestattet ist, anzusehen. Die Landjugend Göppingen stellte sich tapfer den Massen und versorgte sie mit Roter Wurst, Kaffee und Kuchen. Sogar im Stall waren noch Sitzgarnituren aufgestellt, um genügend Platz zu schaffen.

Der Stall, in dem 86 Kühe Platz haben, kann von nur einer Person gemanagt werden, erklärt Juniorchef Florian Frey. Das Ausmisten übernimmt ein automatisierter Spaltenschieber, der regelmäßig durch den Stall "fährt" und den Dreck in speziellen Spalten im Boden verschwinden lässt. Auch beim Melken muss der Bauer nicht mehr selbst Hand anlegen, sondern überlasst das Ganze einem Melkroboter, der die Melkmaschine mithilfe von Sensoren selbstständig am Euter der Kühe ansetzt.

Fühlt sich das Vieh bei so viel Automatisierung im Stall überhaupt noch wohl? Florian Frey meint, dass ein automatisches Melksystem den Kühen generell ein stressfreieres Leben ermögliche. Zum einen sei der Roboter 24 Stunden in Betrieb. Was für die Tiere bedeute, dass sie sich frei im Stall bewegen können, selbst entscheiden dürfen, wann sie gemolken werden wollen und wann sie lieber dösen, fressen oder draußen im "Laufstall" frische Luft schnappen. "Zum anderen hat ein Roboter keine schlechte Laune", fügt Florian Frey hinzu - anders als vielleicht der ein oder andere Landwirt am frühen Morgen, der die Kühe deshalb vielleicht manchmal mit etwas ruppigeren Bewegungen verunsichert.

Den Tieren beizubringen, dass sie sich in die "Box" mit der automatisierten Melkeinheit stellen müssen, wenn sie den Drang zum Melken verspüren, sei nicht schwierig. "Kühe sind nicht dumm und dazu noch verfressen", weiß Frey aus Erfahrung. Deshalb werden die Tiere mit Kraftfutter in den Roboter gelockt, der einen Chip am Kuhhals ausliest. So erkennt er, ob ein bestimmtes Tier erst gemolken wurde und sich nur eine Extraportion des begehrten Kraftfutters erschleichen will, das die Kühe so gern verputzen wie ein Mensch ein süßes Stückchen, oder ob es wirklich wieder Zeit zum Melken ist.

Durch den Chip an der Kuh werden auch noch alle möglichen anderen Funktionen überwacht - ein bisschen wie im Big-Brother-Haus für Rindviecher. So kontrolliert der Chip etwa, mit welcher Schlagzahl die einzelnen Tiere wiederkäuen. Denn wenn diese zu niedrig ist, kann es sein, dass der Kuh der Magen drückt, erklärt Florian Frey.