Großprojekt Modern, nüchtern und mit Anmutung

Aus Beton und Glas: Blick auf die Westseite des künftigen Feuerwehrhauses von Bad Boll mit dem Eingang und dem Schulungsraum (große Fenster), dahinter der Umkleidetrakt. Die Fahrzeughalle ist auf der gegenüberliegenden Seite.
Aus Beton und Glas: Blick auf die Westseite des künftigen Feuerwehrhauses von Bad Boll mit dem Eingang und dem Schulungsraum (große Fenster), dahinter der Umkleidetrakt. Die Fahrzeughalle ist auf der gegenüberliegenden Seite. © Foto: Visualisierung: Gaus und Knödler Architekten
Jürgen Schäfer 17.04.2018

Ein Zweckbau aus Beton und Glas, modern und nüchtern,  nicht zuviel und nicht zuwenig: So lobte der CDU-Fraktionschef im Bad Boller Gemeinderat, Rainer Staib, den Entwurf für das Bad Boller Feuerwehrmagazin, den der Gemeinderat bei einer Gegenstimme angenommen hat. „Er passt irgendwo ins Bild und in die Landschaft“, so Staib. Die Grundidee: Die Architekten Gaus und Knödler legen den langgestreckten Bau quer zur Badstraße, wo er das Ortsbild abrunden wird. Es ergibt sich eine klare Logistik. Die Feuerwehrleute fahren von der westlichen Seite an  und rücken auf der östlichen aus.  Die Baum­allee an der Badstraße bleibt erhalten und damit auch diese „Blickachse“, ebenso der Blick auf den Albtrauf, weil das Gebäude relativ schmal in den Rückraum verläuft. Dies war ganz wesentlich für den Gemeinderat, die Architekten Gaus und Knödler zu beauftragen. Auf Drängen der Grünen hatte man drei Büros in die Wahl genommen. Gaus und Knödler hat auch Erfahrung mit Feuerwehrmagazinen und stand bei diesem Entwurf in „engmaschigem“ Kontakt mit den Feuerwehr. Der Großteil ihrer Wünsche sei aufgenommen worden, berichtete Kommandant Lars Ziegler im Gemeinderat. „Wir können sehr, sehr gut leben mit dem Entwurf.“

Die Kosten: Da sei er doch ein bisschen zusammengezuckt, so Staib. Bei 3,8 Millionen Euro landete der Entwurf. Mit 2,4 Millionen sei man ins Rennen gegangen, sagte Staib. Da habe aber noch kein Fachingenieur draufgeschaut, widersprach Dorothee Kraus-Prause. Was man jetzt habe, sei ein ausgesprochen guter Vorschlag: „Es hat Anmutung.“ Ihr Fraktionskollege Hannes Baab stellte fest: „Wir haben jetzt belastbare Zahlen.“

Was kann man einsparen? Die Architekten hatten Vorschläge, die knapp 300 000 Euro gebracht hätten. Aber das wurde so nicht umgesetzt. Staib wollte nicht so einfach zehn Parkplätze wegstreichen, Baab wollte Qualität und nicht „totsparen“. Er würde „in Gottes Namen 100 000 Euro mehr in die Hand nehmen.“

So bleibt es bei der Anzahl von Parkplätzen, die der DIN entspricht. Dorothee Kraus-Prause hatte sich dagegen gewandt, weil es ja auch den benachbarten Parkplatz „P3“ gebe. Aber den habe die Feuerwehr neulich bei zufälliger Gelegenheit voll belegt gesehen, berichtete Ziegler. Er plädierte dafür, „auf Nummer Sicher“ zu gehen. Reduziert wird die Erdwärmegewinnung mit Schlaufen unterm Parkplatz, die Heizkühldecke im Schulungsraum wird eingespart. Die Höhe des Raums bleibt hingegen bei 3,20 statt 2,80 Metern, was auch von außen sichtbar sein wird: durch eine Stufe im Flachdach. Das sei „optisch schon eine Aufwertung“, findet Petra Csiky (Grüne).  Das Gremium beließ es auch beim Umfang der Glasflächen am Nordgiebel, zur Badstraße hin. Dort hätten die Architekten noch 7500 Euro Einsparung gesehen. Was sie aber ungern vorgeschlagen haben. „Das würde wehtun“, so Gaus.

Gerne folgte der Gemeinderat einem Vorschlag, der 55 000 Euro bringt: Die Betonwand nicht aus einem Guss herzustellen, sondern in der Mitte Wärmedämmung einzubauen. Das sei nicht nur billiger, es verbessere auch den Energiestandard des Gebäudes. Dr. Henning Schindewolf (UWV) wunderte sich nur, warum die Architekten erst jetzt damit kämen.

So landet die Gemeinde bei geschätzt 3,6 Millionen Euro zuzüglich der Erschließung über den Pappelweg mit Kanalbau für geschätzt 500 000 Euro. Für Bürgermeister Hans-Rudi Bührle ist das ein „stolzer Betrag“, aber verantwortbar. „Wir machen kein finanzielles Abenteuer.“ Teurer dürfe es nicht werden, sagt Staib, „da muss ein Deckel drauf.“ Dazu Bührle: „Wir wissen nicht, welche Steigerung die Baukonjunktur bringt.“

Baubeginn soll nächstes Frühjahr sein

Bauzeit Aus jetziger Sicht ist der Baubeginn im nächsten Frühjahr realistisch, sagt Bürgermeister Hans-Rudi Bührle. Die Fertigstellung wäre dann Ende 2020 zu erwarten.

Voraussetzung  Die Zuschüsse vom Land und vom Ausgleichsstock müssten dazu allerdings auf Anhieb bewilligt werden. Wenn nicht, verzögert sich alles um ein Jahr. Die Gemeinde rechnet mit 730 000 Euro.