Kunsthandwerk Mode aus Göppingen für die Dame von Welt

Perlstrickerei ist eine filigrane Arbeit. Ada Even führte sie den Besuchern im Storchen vor. 
Perlstrickerei ist eine filigrane Arbeit. Ada Even führte sie den Besuchern im Storchen vor.  © Foto: Luisa Wellert
Göppingen / Luisa Wellert 14.05.2018

Unter dem Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ stand gestern der internationale Museumstag. Zu diesem Anlass sind einmal im Jahr alle Museen eingeladen, die Türen für besondere Ausstellungen und Veranstaltungen zu öffnen.

Im Museum im Storchen läuft bereits seit Ende April eine Ausstellung über „Perltaschen – ein Exportschlager in den 1920er Jahren“. Passend dazu konnten die Besucher am gestrigen Nachmittag gebührenfrei an Führungen teilnehmen. Perltaschenexpertin Sabina Schürenberg erzählte davon, wie das Handwerk des Perlstrickens im 19. Jahrhundert in Schwäbisch Gmünd seinen Anfang nahm. Frauen, deren Familie unter Hungersnot litten, begannen damals mit dem Kunsthandwerk, um zusätzliches Geld zu verdienen. Im 20. Jahrhundert wurde auch Göppingen zu einer Hochburg der Perlstrickerei. Die fertigen Taschen aus venezianischen Perlen, so erzählte Schürenberg, wurden in großer Zahl in die USA und Niederlande exportiert.

„Jede Perltasche beginnt mit einem Muster“, erläuterte die Expertin, während alle Anwesenden die verschiedenen Modelle bewunderten. Sabina Schürenberg forschte lange Jahre über die Strickerei mit den Glasperlen und arbeitete die gesamte Geschichte dieser Kunst in ihrem fast 800 Seiten dicken Buch „Perle für Perle“ auf.

Besucherin Heidi Schallenmüller interessiert sich wie viele andere Besucher auch persönlich für das Handwerk. Sie selbst belegt seit einigen Jahren an der Volkshochschule Göppingen einen Schmuckkurs, bei dem sie selbst Perlenketten herstellt. Eine solche Tasche zu stricken sei bald ein weiteres spannendes Projekt für sie.

Neben der Führung durch die Ausstellung konnten gestern auch zahlreiche Sammlerstücke betrachtet werden. Ada Even, die selbst hobbymäßig Perltaschen und Beutelchen strickt, führte vor, wie diese gefertigt werden. „Das ist eine Arbeit“, schüttelte eine Besucherin im Vorbeigehen ungläubig den Kopf. Und tatsächlich dauert es mehrere Wochen, eine solche Tasche herzustellen.

Führungen und Sammlergespräche

Ausblick Die Ausstellung „Perltaschen – ein Exportschlager in den 1920er Jahren“ wird noch bis zum 19. August im Museum im Storchen zu sehen sein. Neben Führungen und Workshops für Kinder werden in den nächsten Wochen auch Sammlergespräche und weitere Vorträge angeboten.