Selbstbestimmung Mitbewohner schwingen den Kochlöffel selbst

Joachim Bauer (re.) liebäugelt mit dem Einzug in eine WG.
Joachim Bauer (re.) liebäugelt mit dem Einzug in eine WG. © Foto: SABINE ACKERMANN
Uhingen / SABINE ACKERMANN 13.10.2018

Interessiert schaut sich Joachim Bauer in der Wohnung um. Was er sieht, gefällt ihm. Der 31-Jährige, der das Down-Syndrom hat und bei seiner Mutter wohnt, ist mit ihr eigens aus Donzdorf gekommen. „Wir haben von der Besichtigung in der Zeitung gelesen und wollen nun schauen, ob sich diese WG für Joachim anbietet“, erklärt Rosalinde Bauer, die ihren Sohn in gut betreuten Händen wissen will.

Wie das mit dem Kochen sei, ihr Sohn vertrage nur glutenfreie Nahrung, möchte sie am Donnerstagnachmittag von Ina Binder wissen. Die Wohnverbundleiterin der Diakonie Stetten sowie weitere vier Mitarbeiter stehen am Ende in drei Besichtigungs-Stunden knapp 40 Besuchern Rede und Antwort – insofern erfahren Mutter und Sohn, dass die WG-Bewohner selber kochen.

Auch Friedemann Singer und seine Familie nutzen als Uhinger Bürger die Gelegenheit, einen Blick ins „Innere des Uigos“ zu werfen und sind von den insgesamt drei Wohnungen angetan. Während die Gemeinschaftsräume wie Wohn- und Esszimmer, Küche, jeweils zwei Badezimmer, Flure und Balkon einmal wöchentlich gereinigt werden, ist jeder Bewohner für sein Zimmer selber verantwortlich. Dafür ist schon eine Küche in L-Form inklusive Herd, Kühlschrank und Geschirrspülmaschine eingebaut und im Wohnzimmer lädt ein Sofa die WG’ler zum gemütlichen Plausch ein. Beide fensterlosen Badezimmer enthalten jeweils ein WC, in einem befinden sich Badewanne und Waschmaschine und im anderen eine Dusche.

Fachkräfte helfen bei Bedarf

Betreut werden die Bewohner von Mitarbeitern der Diakonie Stetten. Sie erhalten Hilfe, wo sie nicht selbst zurechtkommen – bei der Arbeit im Haushalt, bei Arztbesuchen oder bei der Freizeitgestaltung. Zudem befindet sich ein Notknopf in jeder Wohnung, der ein Signal bei der örtlichen Sozialstation auslöst.

Das neue, „barrierearme“ Wohnangebot ist gut geeignet für Menschen mit Behinderung, die nicht alleine, aber auch nicht in einem klassischen Heim wohnen wollen. Annenene Berger weiß dieses selbstbestimmte Wohngefühl bereits seit Mai dieses Jahres zu schätzen. „Wir sind ein gutes Team“, verrät die 53-Jährige mit Unterstützungsbedarf und meint damit ihre zwei später eingezogenen männlichen Mitbewohner sowie Kaninchen Molli. Letzteres befindet sich wie ihre Tomatenpflanzen auf dem Balkon, auf den sie auch die Raucher verbannt. Ein Kleinbus bringt sie montags bis freitags zur Arbeit nach Eschenbach.

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