Böhmenkirch Mit Vollgas in den Kampf gegen Raser

Bereits seit April 2013 gilt auf der B 10 in Urspring zum Lärmschutz bei Nacht Tempo 30.
Bereits seit April 2013 gilt auf der B 10 in Urspring zum Lärmschutz bei Nacht Tempo 30. © Foto: Markus Sontheimer
Böhmenkirch / Thomas Hehn 20.07.2018
Böhmenkirch gibt Gas beim Kampf gegen Raser und Verkehrslärm im Ort. Neben Tempo 30 im ganzen Ort soll ein Lärmaktionsplan weitergehende Maßnahmen ermöglichen.

Wie schützt man die Bürger vor Rasern und Verkehrslärm in Böhmenkirch. Dieses Thema zog sich am Mittwoch wie ein roter Faden durch die Sitzung des Gemeinderates.

Zunächst ging es um einen Antrag von Anliegern, in der Friedhof- und Mackstraße eine Tempo-30-Zone auszuweisen, um die Raser dort zu bremsen. Darin waren sich die Volksvertreter schnell einig. Auch als Bürgermeister Matthias Nägele dafür plädierte, nicht nur diese beiden Straßen, sondern gleich auf allen Erschließungsstraßen in Böhmenkirch Tempo 30 einzuführen, gingen die Räte geschlossen mit. „Mal haben wir Tempo 50, mal Tempo 30. Da weiß doch keiner mehr, was gerade gilt im Ort“ , begrüßte Markus Fehrenbacher den Vorschlag. Während die meisten Gemeinden im Landkreis längst flächendeckend Tempo-30 in Wohngebieten eingeführt haben, darf man in Böhmenkirch auf den Haupterschließungsstraßen der Wohngebiete immer noch mit 50 Stundenkilometern unterwegs sein. Weil diese Erschließungsstraßen gleichzeitig als durchgehende Vorfahrtsstraßen ausgewiesen sind, lassen es die Autofahrer - zum Ärger der Anwohner - auch entsprechend  rollen. Da in Tempo-30-Zonen bei jeder Einmündung rechts vor links gilt, halten viele vor allem das als die einzig wirksame Bremse für Raser.

Um die Fußgänger „als schwächste Glieder in unserer Gemeinde zu schützen“, sei dieser Schritt unabdingbar, unterstrich auch Gemeinderat Erwin Lang, der als Ortsvorsteher in Treffelhausen mit der flächendeckenden Tempo-30-Regelung „nur gute Erfahrungen gemacht hat“.  Philipp Elwerts Vorschlag, dazu die Bürger im Rahmen einer Umfrage zu beteiligen, bevor man entscheide, stieß dagegen auf wenig Gegenliebe. „Der Gemeinderat beschließt und hat auch die Autorität dazu“, stellte Fehrenbacher kategorisch fest. Mit nur einer Enthaltung fiel die Entscheidung für ein flächendeckendes Tempo 30 in allen Wohngebieten in der Folge auch eindeutig aus. Das Landratsamt muss den Ratsbeschluss jetzt noch genehmigen.

Auch im nächsten Tagesordnungspunkt ging es um Raser und Verkehrslärm. Diesmal in der Baierstraße. Hier hatten die Anlieger einen ganzen Katalog von Maßnahmen vorgelegt, um endlich wirksamen Schutz vor Rasern und lärmenden Lkw zu bekommen.   So fordern sie neben Tempo 30 eine stationäre Geschwindigkeitsmessanlage sowie einen Fußgängerüberweg, um den Verkehr zu bremsen. Eine von der Gemeinde durchgeführte verdeckte Geschwindigkeitsmessung vom 4. bis 19. Juni hat ergeben, dass 35 Prozent aller Fahrzeuge schneller fahren als die erlaubten 50 Stundenkilometer. Über 1000  Fahrzeuge waren mit 71 bis  80 Sachen unterwegs.

Bei einer Verkehrsschau des Landratsamtes wurden die Wünsche der Anlieger vor Ort diskutiert. Den geforderten Fußgängerüberweg lehnten die Vertreter der Behörden ab, weil das erforderliche Fußgängeraufkommen nicht erreicht wird.  Auch Tempo 30 wird abgelehnt, weil es sich bei der Baierstraße um eine Durchgangsstraße für den überregionalen Verkehr Richtung Schwäbisch Gmünd  und Aalen handelt. Tempo 30 auf Ortsdurchfahrten sei nur auf Basis eines Lärmaktionsplanes möglich, so die Experten.

Vor diesem Hintergrund beschloss der Gemeinderat einen  Maßnahmenplan in folgender Reihenfolge: Zunächst wird in der Baierstraße ein Tempoanzeige-Gerät aufgehängt – und zwar auf Dauer. „Die Smileys haben durchaus Wirkung“, versicherte Bauamtsleiterin Elke Ihring. Außerdem lässt die Gemeinde einen Lärmaktionsplan erstellen, um das von den Anliegern geforderte Tempo-30-Limit zu bekommen. Außerdem soll die Verwaltung prüfen, ob man – wie in Weißenstein bereits erfolgt –  Tempo 30 zumindest für Lkw vorschreiben kann.  In einem weiteren Schritt  soll kurz hinter dem Ortsschild eine Mittelinsel auf der Fahrbahn  den aus Richtung Bartholomä  kommenden Verkehr schon vor dem Ort bremsen.

Sollte das alles nicht helfen, will die Gemeinde eine stationäre Blitzsäule anschaffen. Dass die Kommune die rund 35 000 Euro teure Säule zwar zahlen soll, die „Einnahmen“ dagegen komplett an den Landkreis gehen, kam am Mittwoch weniger gut an bei den Gemeinderäten.

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