Notfallmedizin Mit Schlaganfall künftig nur noch ins Christophsbad

Künftig muss der Notarzt nicht mehr entscheiden, wohin der Rettungswagen Patienten mit Schlaganfall bringt: In Stuttgart fiel gestern die Entscheidung fürs Christophsbad.
Künftig muss der Notarzt nicht mehr entscheiden, wohin der Rettungswagen Patienten mit Schlaganfall bringt: In Stuttgart fiel gestern die Entscheidung fürs Christophsbad. © Foto: Carlucci
Kreis Göppingen / Dirk Hülser 28.11.2017
Krankenhausausschuss des Landes beendet den Streit der Kliniken: Patienten mit Schlaganfall sollen die bestmögliche Versorgung erhalten. Klinik am Eichert protestiert, Landrat ist unzufrieden.

Nach jahrelangem Streit zwischen der Klinik am Eichert und dem Christophsbad hat der Krankenhausausschuss des Landes gestern ein Machtwort gesprochen: Die regionale Schlaganfallstation kommt ins Christophsbad. Dies sei die „weitaus bessere Lösung“, hatte ein Gutachter zuvor festgestellt. Noch am Freitag hatte Landrat Edgar Wolff telefonisch versucht, Sozialminister Manfred Lucha von einer Lösung in der kreiseigenen Klinik am Eichert zu überzeugen – vergeblich.

Vor vier Jahren hatte es noch so ausgesehen, als werde es eine funktionierende Kooperation der beiden Göppinger Kliniken geben. Ein gemeinsames  Schlaganfall-Zentrum mit einer „Zwei-Pforten-Lösung“ wurde besiegelt. Seitdem entschied der Notarzt, wohin der Schlaganfall-Patient gebracht wird. Doch die Zusammenarbeit hielt nicht lange: „Trotz intensiver Moderationsbemühungen und Gesprächen mit allen Beteiligten war eine einheitliche Lösung mit beiden Kliniken letztlich nicht erfolgreich“, meinte gestern der Sprecher des Sozialministeriums, Sebastian Altemüller.

Ein Gutachter wurde eingeschaltet. Darius Günther Nabavi ist Vorsitzender der „Stroke-Unit-Kommission“ der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft – und sein Urteil war eindeutig: Die Notaufnahme solle „in einem ersten Schritt kurzfristig am Klinikum Christophsbad etabliert werden“. Das gegenwärtige Modell mit zwei kooperierenden Stationen solle zeitnah aufgegeben werden. Das bedeutet: Sämtliche Patienten mit Verdacht auf akuten Schlaganfall und anderen akut neurologischen Erkrankungen sollen künftig in die Notaufnahme des Christophsbads eingewiesen werden. Dieses Krankenhaus sei mit seiner neurologischen Fachabteilung und den „versierten Neuro-Interventionalisten“ besser aufgestellt als die Klinik am Eichert – die allerdings auch „hervorragend geführt“ sei.

 Dieser Beschluss gilt zunächst mit einer Befristung von zwei Jahren, heißt es aus dem Ministerium – denn der Gutachter hat auch einen zweiten Schritt empfohlen: „Eine strukturelle Weiterentwicklung, um eine Ideallösung anzustreben – nämlich die Einbettung einer Neurologischen Abteilung mit Stroke-Unit in ein Krankenhaus, das somatische Fachdisziplinen vorhält und eine interdisziplinäre Notaufnahme betreibt.“ Hierbei kann es sich nur um die Klinik am Eichert handeln – in deren Neubau allerdings bislang eine solche Abteilung mit Stroke-Unit („Schlaganfall-Einheit“) nicht vorgesehen ist.

Der Geschäftsführer des Christophsbads, Bernhard Wehde, freute sich gestern über die Entscheidung: „Wir glauben, dass wir das können“, unterstrich er – um dann eine bekannte Forderung zu wiederholen: „Es wäre natürlich idealer, die Klinik am Eichert würde hier unten bauen, dann hätten wir alles an einem Fleck.“ Zur jetzt gefundenen Lösung sagte er: „Die Patienten haben das bessere Ergebnis gekriegt.“

 Naturgemäß sehen das die Geschäftsführer der Kreisklinik anders: „Es entbehrt aus unserer Sicht jeglicher Logik, die Schlaganfalleinheit befristet ans Christophsbad zu verlegen“, meint etwa Wolfgang Schmid. Der Medizinische Geschäftsführer, Dr. Ingo Hüttner, glaubt, auch ohne Neubau sei die geforderte Lösung realisierbar: „Die Schlaganfallversorgung ist gemeinsam mit dem Christophsbad an der Klinik am Eichert binnen weniger Monate möglich.“ Und der Aufsichtsratsvorsitzende, Landrat Edgar Wolff, bekräftigt, er sei „nicht zufrieden mit der Entscheidung“.

Bei Streit entscheidet die Landesregierung

Auswahl Christophsbad und Klinik am Eichert hatten jeweils einen Antrag auf Ausweisung im Landeskrankenhausplan als alleiniger Versorger von Schlaganfallpatienten im Landkreis Göppingen gestellt. „Trotz intensiver Moderationsbemühungen und Gesprächen mit allen Beteiligten war eine einheitliche Lösung mit beiden Kliniken letztlich nicht erfolgreich“, heißt es aus dem Sozialministerium. Das Landeskrankenhausgesetz sieht für diesen Fall eine Auswahlentscheidung durch das Land Baden-Württemberg vor.

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