Hilfe Mit kleinen Beträgen viel erreicht

Donzdorf / Beate Schnabl 04.09.2018

Jahrzehntelang lebte die Bevölkerung von Myanmar (ehemals Birma) unter der Militärdiktatur völlig abgeschottet und überwacht vom Staat. Bis heute leiden die Menschen unter einer maroden Infrastruktur, fehlenden Bildungschancen und schlechter medizinscher Versorgung. Der Donzdorfer Eduard Jeckel war 2012 mit einem Kolpingsbruder in Myanmar unterwegs und hat die Armut der Menschen dort kennengelernt. Zurück in Donzdorf, war dem umtriebigen Rentner klar, hier wollen wir helfen. Und so hat die Donzdorfer Kolpingsfamilie die „Partnerschaft Myanmar“ ins Leben gerufen.

Um gerade junge Menschen für das neue Kolping-Projekt zu begeistern, hat Jeckel ehemalige Donzdorfer Ministranten angesprochen. Mit Spendengeldern, der Sammelaktion von alten Handys und Flohmärkten haben die Donzdorfer in den vergangenen fünf Jahren über 40 000 Euro eingenommen, die über „Kolping International“ in den Staat nach Südostasien als Hilfe zur Selbsthilfe geflossen sind. In Myanmar hat sich „Kolping Society of Myanmar“ als Nationalverband gegründet, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Eine Hilfe für die Menschen in dem Vielvölkerstaat mit 135 Ethnien ist die Vergabe von Kleinkrediten. Schon 50 bis 150 Euro seien dort eine große Hilfe. Mit einem Betrag in dieser Höhe kann eine Existenz aufgebaut werden, indem beispielsweise die Anschaffung von Nutztieren oder Werkzeug möglich ist. Aus den bescheidenen Einnahmen werden dann in kleinen Raten die Kleinstkredite zurückbezahlt.

Eduard Jeckel erzählt von weiteren Hilfsprojekten in der Landwirtschaft, im Bildungswesen oder dem Bau eines Pumpenhauses, das 280 Familien die Versorgung mit Frischwasser garantiert. Zweimal ist der Donzdorfer bisher nach Myanmar gereist und hat dabei auch Paul Saing kennengelernt, ein aktives Mitglied der dortigen Kolpingsfamilie. Dessen Tochter wollte studieren, doch finanziell war das für die Familie nicht zu stemmen. 5000 Euro hat ein Mitglied der Donzdorfer Kolpingsfamilie daraufhin in einem Mikrofinanzfonds eingezahlt. Der Kredit hat der Tochter und auch deren Freundin das Studium für Maschinenbau ermöglicht. Ende vergangenen Jahres haben beide Frauen ihren Abschluss gemacht. Sobald ein festes Arbeitsverhältnis besteht, wird der Kredit zurückgezahlt. Aus diesem Fonds soll  weiteren jungen Menschen in Myanmar das Studieren ermöglicht werden.

Myanmar, früher Birma oder Burma, stand von 1962 bis 2011 unter Militärherrschaft und ist seitdem Republik. Rund 50 Millionen Menschen leben in dem Vielvölkerstaat, der doppelt so groß wie Deutschland ist. 89 % der Bevölkerung sind Buddisten, 4 % Muslime und 4 % Christen. Die Kolping Society of Myanmar ist mit 18 Kolpingsfamilien in 5 Diözesen vertreten.

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