Brand Mit Drehleiter beim Eislinger Brand keine Chance

Eislingen / Karin Tutas 27.11.2017
Die Bergung von Menschen aus dem Mehrfamilienhaus in der Eislinger Staufeneckstraße hätte problematisch werden können.

Verängstigte Menschen auf den Balkonen, „starker Rauch drang aus der Eingangstür und allen Fensterritzen“, so schildert Kreisbrandmeister Michael Reick die Szenerie, als am Sonntagabend die Feuerwehr in der Eislinger Staufeneckstraße eintraf. Gemeldet worden war ein Brand in einem Mehrfamilienhaus mit 51 Wohnungen. Der Alarm, der gegen 17 Uhr einging, habe Schlimmes befürchten lassen. Die Rettungskräfte rückten deshalb mit einem Großaufgebot an. Neben 50 Brandbekämpfern aus Eislingen wurde auch die Feuerwehr Göppingen angefordert, die mit 20 Kräften zum Brandort eilte.

Zunächst sei nicht klar gewesen, wo genau es in dem fünfstöckigen Gebäude brannte, sagt Reick, der den Einsatz am Sonntagabend leitete. Das Treppenhaus sei unpassierbar gewesen, auch in einzelne Wohnungen sei bereits Rauch eingedrungen. Die 33 Bewohner, die sich zu der Zeit in dem Gebäude befanden, hatten sich auf die Balkone gerettet. „Sie befanden sich in einer ziemlich beengten und bedrohlichen Situation“, sagt der Kreisbrandmeister, der wegen der Gefährdung von Menschen von einem „der schwierigsten und dramatischsten Einsätze der vergangenen Jahre“, spricht.

Als problematisch habe sich die Lage des Gebäudes in der zweiten Reihe der Staufeneckstraße erwiesen. Mit den beiden Drehleitern aus Göppingen und Eislingen konnten die Rettungskräfte nämlich nichts ausrichten. Wegen der Tiefgaragen hätten die Fahrzeuge das Gebäude nicht anfahren können, berichtet Reick. Neubauten würden heute so nicht mehr genehmigt, sie müssten grundsätzlich mit der Drehleiter anfahrbar sein, fügt der Kreisbrandmeister hinzu.

Die Bewohner mit tragbaren Leitern zu bergen, wäre zeitaufwendig und schwierig gewesen. „Von einem Balkon aus 12 oder 13 Metern Höhe auf eine tragbare Leiter zu steigen, kostet Überwindung. Da muss der Leidensdruck schon groß sein“, weiß der Fachmann aus Erfahrung. Zudem habe  es sich um viele ältere und gesundheitlich eingeschränkte Menschen gehandelt.

Der Einsatzleiter entschied deshalb, der Bekämpfung des Feuers den Vorrang einzuräumen. Mit Atemschutzgeräten hätten die Kollegen den Brandherd schnell entdeckt, die Befürchtungen, dass das Feuer in einer Wohnung ausgebrochen war, hätten sich nicht bewahrheitet. Vielmehr standen unter der Treppe im Keller abgestellte Möbel, Matratzen und Sperrmüll in Flammen.

Der Brand sei schnell gelöscht worden, so dass das Treppenhaus gelüftet und die Bewohner aus ihren Wohnungen geholt werden konnten. Sie wurden in die Öschhalle gebracht, wo sie von mehreren Ärzten untersucht und von insgesamt 60 Mitarbeitern von Rettungsdiensten versorgt worden seien, berichtet Eislingens Oberbürgermeister Klaus Heininger. Fünf Menschen wurden mit leichten Rauchvergiftungen in die Klinik gebracht.

Die Ursache des Feuers, bei dem rund 50 000 Euro Schaden entstanden ist, ermittelt jetzt die Polizei. Brandstiftung sei nicht auszuschließen, teilt die Polizei mit. In der Nähe des Brandherds hätten sich weder elektrisch Geräte noch Steckdosen befunden, so dass auch Michael Reick nicht an einen technischen Defekt glaubt.

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