Deggingen Bäume fallen für Abwasserkanal

Die Leiterin des Technischen Amtes, Petra Beer, Bürgermeister Karl Weber, Hauptamtsleiterin Sarah Kölle, Birgit Zimmermann vom Stadtentwicklungsbüro mquadrat und Thomas Bartsch vom ausführenden Ingenieur-Büro erläuterten die umstrittene Baumaßnahme.
Die Leiterin des Technischen Amtes, Petra Beer, Bürgermeister Karl Weber, Hauptamtsleiterin Sarah Kölle, Birgit Zimmermann vom Stadtentwicklungsbüro mquadrat und Thomas Bartsch vom ausführenden Ingenieur-Büro erläuterten die umstrittene Baumaßnahme. © Foto: Claudia Burst.
Deggingen / Claudia Burst 15.02.2018
Statt des bisherigen Mischwasserkanals muss in Deggingen ein Abwasserkanal gebaut werden. Dem fallen Bäume zum Opfer.

Beim Bürgerinformationsabend in Deggingen war nicht nur das neue Baugebiet Birkhof Thema, sondern auch der geplante neue Abwasserkanal zwischen der B 466 und der Gartenstraße. Die Verwaltung hatte dazu die Anlieger der Garten-, König-  und Geislinger Straße persönlich eingeladen. Zum einen wegen der technischen Informa0tionen, zum anderen aber vor allem, weil fast der gesamte Baumbestand auf dem zukünftigen Baugelände dem Kanalbau zum Opfer fällt.

„Seit über 15 Jahren wird über die Ableitung des Schmutzwassers zur Kläranlage diskutiert, das bis jetzt bei Hochwasser direkt in die Fils läuft“, erklärte Bürgermeister Karl Weber die Relevanz des Themas. Das Ergebnis der jahrelangen Diskussionen sei ein Stauraumkanal im Bereich des Bahndamms als Alternative zu einem Regenüberlaufbecken. Der Kanal sei die günstigste und im Prinzip einzig realisierbare Lösung. Weber: „Aber der Baumgürtel auf dem Bahndamm muss fallen – und eine neue Bepflanzung darauf geht nicht, weil die Wurzeln der Bäume und Pflanzen den Kanal beschädigen würden.“

Wie der Bürgermeister es erwartet hatte, war die Entrüstung am Ende der Ausführungen des technischen Verantwortlichen, Diplom-Ingenieur Thomas Bartsch, unter den etwa 70 Besuchern groß. Die im Laufe der letzten Jahrzehnte im Bereich des Bahndamms wild gewachsenen Bäume und Büsche bilden für die Anwohner auf der Südseite der Gartenstraße einen natürlichen Sicht- und Lärmschutz zur Bundesstraße.  „Das gibt ein riesiges Problem, die Lebensqualität wird schlechter“, monierte einer der Gartenstraße-Anlieger, ein anderer forderte einen aktiven Lärmschutz wie etwa einen Wall.

Der Bürgermeister bot sämtlichen Betroffenen Gesprächsbereitschaft an. Karl Weber: „Reden Sie mit uns, wir werden gemeinsam mit Ihnen überlegen, wie neuer Schutz möglich ist.“ Petra Beer, die Leiterin des Technischen Amtes, forderte die Anwesenden ebenfalls auf, zu ihr zu kommen – „wir können Sie bis zur Hälfte der Kosten bei neuer Bepflanzung Ihrer Gärten unterstützen.“ Einer der Besucher schimpfte, dass nicht nur der Verkehrslärm, sondern auch der Lärm der Fabriken fast nicht auszuhalten sei, die häufig bis nachts um 22 Uhr im Freien mit Containern arbeiteten.

Einwände der Bürger

Dem Einwand eines Bürgers, dass es lange dauere, bis neue Bepflanzung so dicht und hoch gewachsen sei wie der bisherige Bestand setzte der Bürgermeister entgegen, dass er davon ausgehe, dass durch den Bau des Kreisverkehrs für das neue Wohngebiet der Verkehrslärm um einiges reduziert werde, „aber ja, eine Übergangszeit wird es natürlich geben, bis alles wieder optimal ist. Aber es gibt einfach keine andere Möglichkeit“.

Werner Wagner, einer der Gartenstraße-Anlieger, war im Anschluss an die Veranstaltung immer noch empört über die geplante Baumfäll-Aktion: „Wir haben bereits Ende des vergangenen Jahres eine Unterschriftenaktion gestartet und Hunderte von Unterschriften an den Bürgermeister übergeben, um gegen den Lärm der B 466 zu protestieren.“ Zwischen dem zukünftigen Kreisverkehr und Blumen Heilig solle eine Geschwindigkeits-Messanlage hin, forderte Werner Wagner: „Die ist billig und schnell zu realisieren.“

Technische Details zum Projekt

Bis jetzt wird sowohl Niederschlags- als auch Abwasser in einem Misch­wasserkanal in die Kläranlage transportiert. Bei hohem Regenaufkommen ist  das Kanalrohr überlastet, es gibt Überschwemmungen – außerdem läuft das Schmutzwasser, das die erste große Wasserwelle vor sich her schiebt, momentan über einen Überlauf-Auslass direkt in die Fils (bei der Wäschefabrik). Das jedoch ist inzwischen gesetzlich verboten.

Deshalb wird das Abwasser zwischen B 466, Gartenstraße und Jahnstraße in Zukunft (Baumaßnahmen beginnen 2019) in einen größer dimensionierten Abwasserkanal geleitet, der parallel zur Bundes- und Gartenstraße am ehemaligen Bahndamm verläuft. Parallel zum Abwasserkanal wird das frische Niederschlagswasser – auch Oberflächenwasser vom Hang Sommerhalde – in einem separaten Kanal gesammelt und in die Fils abgeleitet.

Damit das Schmutzwasser auch bei Hochwasser ausschließlich in der Kläranlage landet, hat sich die Verwaltung entschieden, einen 70 Meter langen Stauraumkanal mit einem Durchmesser von 2,10 Metern einzugraben, der 200 Kubikmeter Wasser fasst und dieses nach und nach in einem kleineren Rohr an die Kläranlage abgibt. Über diesen kleineren Abwasserkanal wird dann auch das neue Baugebiet Birkhof entwässert.