Auendorf Mit dem Teleskop-Löffel auf Eierfang

Auendorf / Patricia Jeanette Moser 15.06.2018
Kathrin Späth aus Auendorf züchtet seit vier Jahren Wachteln. Inzwischen hat sie über 20 Tiere.

Die Tierliebe ist Kathrin Späth schon von Natur aus ins Herz gelegt worden. Besucht man sie in Auendorf im Lehrmittelbetrieb der Familie, dann wird man  zunächst von Katze „Bibbi“ begrüßt. Kathrin Späth fand das Tier vor einigen Jahren und päppelte es auf, obwohl die Katze laut Tierarzt keine Überlebenschance hatte. Neben „Bibbi“ gehören seit vier Jahren auch einige Wachteln zur Familie: Kathrins Vater Andreas Späth bekam 2014 Wachtel­eier zu Ostern geschenkt. „Das will ich auch“, dachte sich Kathrin Späth angesichts der kleinen, zarten Gebilde. Pflichtbewusst holte sie Informationen ein und ließ sich von ihrem handwerklich begabten Onkel Otto eine Voliere bauen. Die mittlerweile gekauften Wachteln fühlten sich aber nicht wohl in der geräumigen Voliere und reagierten aufgescheucht, wenn sich jemand dem großen Käfig näherte. Auch wurden einige Tiere von Mardern, Habicht und Fuchs gefressen. Es musste was Neues her: Kathrin Späth erhielt von ihrem Onkel schließlich einen Stall, erneut in echter Handarbeit. Mittlerweile wurden die Wachteln mehr und ein zweiter Stall am Hang, auf Augenhöhe, beherbergt nun die eifrigen Tiere. „Diese Position scheint Vertrauen zu schaffen“, meint die Auendorferin.

In die Voliere sind inzwischen Zwergkaninchen der Rasse Löwenköpfchen eingezogen. Der Schutz wurde verbessert und reicht nun 20 Zentimeter in den Boden, sodass kein anderes Tier rein oder raus kann.  Kaninchen wie auch Wachteln fühlen sich pudelwohl: Sie gehen im Winter bei tiefsten Minusgraden mit Wonne ins Freie. „Die plustern sich auf und finden es schön“, hat Kathrin Späth beobachtet.

Auch die Kinder haben Freude

Vor allem Kinder finden es spannend, wenn sie am Wachtelgehege „Eier fischen“ dürfen. Und es war wieder Onkel Otto, der die Idee hatte, einen teleskop-artigen Löffel zu schmieden, mit dem man in jede Ecke des Geheges kommt. Mit etwas Geschick können die Wachteleier so geborgen werden – rund 16 bis 19 Stück am Tag. Die Wachteln selbst scheinen ihre Eier nicht sonderlich zu beachten. „Die verlieren sie quasi im Laufen“, erzählt Kathrin Späth. Ihre Tiere machen sie glücklich und das merkt man den entspannten Wachteln auch an. Sie fressen sogar aus der Hand. Bei all dem „Wachtel-Glück“ verwundert es nicht, dass Kathrin Späth längst an eine Erweiterung des Geheges denkt. Abnehmer von Wachteleiern kommen regelmäßig nach Auendorf. Mancher Kunde schwört auf die Heilkraft des Wachteleis. Eine Frau wurde ihren Angaben nach von der Schuppenflechte befreit. Ein Kunde stärkt sein Immunsystem mit einem Drink, bestehend aus Milch, einem Wachtelei und einem Teelöffel Honig. „Er schwört darauf“, so Kathrin Späth. Um Verkauf und Gewinn geht es ihr bei der Tierhaltung aber nicht. „Der Funke zwischen Mensch und Tier ist einfach übergesprungen“, weiß die Auendorferin, und so wurde aus einem Anfangsbestand von sieben Tieren eine Herde mit 20 Wachteln und einem Hahn. Von der Haltung eines Hahns wurde ihr anfangs abgeraten. Aber das Zusammenleben funktioniert.

Zur Optimierung des Geheges hat Onkel Otto jüngst kleine Holzliegen auf Stelzen gezimmert, auf denen die Tiere sich sonnen können. Ein neuer Stall zur Erweiterung des Geheges ist bei ihm schon in Auftrag –  mit Balkon und vielen weiteren Details.