Infrastruktur Misstrauen wegen Brückensanierung

Uhingen / Ingrid Zeeb 17.04.2018

Eine Entscheidung, die der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages heute Mittag treffen wird, sorgt im Uhinger Nassachtal und in Diegelsberg für Unmut und Misstrauen. In einem schriftlichen Aufruf fordert die Bürgerinitiative „Kein Gewerbepark Fils“ die Kreisräte dazu auf, der Sanierung der Nassachtalbrücke an der K 1412 nach Diegelsberg heute nicht zuzustimmen. Zumindest nicht so, wie es in der Beschlussvorlage steht.

Hintergrund ist, dass die Bürgerinitiative befürchtet, mit dem Beschluss könnten Tatsachen geschaffen werden in Bezug auf das geplante interkommunale Gewerbegebiet „Strut“ zwischen Uhingen und Ebersbach. Die Brücke, die von der Nassachtalstraße Richtung Diegelsberg führt, ist baufällig und muss saniert werden. Dabei wird die Fahrbahn von 5 auf 6,50 Meter verbreitert.

Dass die Brücke saniert wird, begrüße man, heißt es in der Erklärung der Bürgerinitiative, die der NWZ vorliegt. Man habe jedoch gehofft, dass ein Gehweg geschaffen werde, denn einen solchen gebe es bisher praktisch nicht. Dass auch nach der Sanierung nur ein schmales „Schrammbord“ vorhanden sein wird, bedeutet aus Sicht der Initiative nur eines: „Die Sanierung, Ertüchtigung und Fahrbahnverbreiterung der Brücke hat ausschließlich eine klare Auslegung auf ein geplantes Gewerbegebiet und leider nicht auf den seit Jahren massiv gefährdeten Bürger.“

Weitere Kritikpunkte: Die Auslegung auf 1000 Fahrzeuge pro Tag reiche „keinesfalls“, sollte das Gewerbegebiet denn komme. „Massiver Schwerverkehr“ werde dann über die Brücke rollen und die Fußgänger gefährden, die von Diegelsberg ins Nassachtal wollen. Grundsätzlich bezweifelt die Bürgerinitiative, dass das Gewerbegebiet überhaupt kommt. Begründung: Vor allem in der SPD werde das Vorhaben immer wieder kritisch hinterfragt, befürchtet wird unter anderem, dass die Planung nicht wirtschaftlich sei und die Erschließungskosten für Uhingen höher seien als für Ebersbach.

Bürgermeister Matthias Wittlinger werfen die Gegner vor, er habe mit dem Landratsamt bei der Brückensanierung „Absprachen“ getroffen, danach aber in einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung im Nassachtal am 6. März die Bürger nicht darüber informiert. „Ich bin mehr als nur erstaunt, dass bereits am 2. März die Stadt Uhingen der Brückensanierung zugestimmt hat. Am 6. März lagen also Informationen vor, die Herr Wittlinger uns absichtlich vorenthalten hat“, sagte ein Diegelsberger Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, der NWZ.

Es sei ganz anders gelaufen, als die Bürgerinitiative glauben mache, sagte Bürgermeister Matthias Wittlinger dazu. Wie auch aus der Kreistagsvorlage hervorgeht, ist die Brücke defekt, und der Kreis als Straßenbaulastträger muss sie auf jeden Fall sanieren. Neu sei jedoch, dass die Dringlichkeit höher angesetzt wurde und die Maßnahme deshalb von einem Zuschussprogramm des Landes profitieren kann. „Wir sind als Markungskommune vom Landratsamt vor der Ortschaftsratssitzung über diese Sachlage informiert worden“, sagt Wittlinger, „der Vorwurf einer ‚Absprache’ mit dem Landratsamt ist völlig aus der Luft gegriffen.“

Bisher fuhren auf der Brücke nur eine Handvoll Fahrzeuge nach Diegelsberg. Das ändert sich, wenn das Gewerbegebiet kommt, denn dann soll dafür hinter der Brücke eine neue Erschließungsstraße gebaut werden. Dass die Initiative von „massivem Schwerlastverkehr“ schreibt und davon, dass eine Kapazität von 1000 Fahrzeugen pro Tag „keinesfalls“ ausreiche, weist Wittlinger zurück. „Das wird reichen. Wie viele Fahrzeuge dort fahren, hängt von der Nutzung ab“, unterstreicht er. „Diese wird von den Gemeinderäten im Zuge des Bebauungsplanverfahrens festgelegt.“ „Massiven Schwerverkehr“ werde es nicht geben. Die Ergebnisse von Umwelt- und Schallgutachten lägen vor, sie seien unproblematisch. Das Verkehrsgutachten stehe noch aus. Dessen Ergebnis liege aber bei der nächsten Info-Veranstaltung Mitte Mai vor.

„Im Gemeinderat gab es nie eine einstimmige, aber immer eine starke Mehrheit für das Gewerbegebiet“, sagt Wittlinger, der außer Bürgermeister auch Kreisrat ist. „Das hat sich aus meiner Sicht auch nicht geändert.“ Derzeit laufe der Grunderwerb, denn nur ein Teil der Flächen gehört bis jetzt der Stadt Uhingen. Dass die Landwirte nicht verkaufen wollen, wie die Bürgerinitiative behauptet, sei falsch: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden sie verkaufen.“ Betroffen sind offenbar zwei Landwirte, die ihre Existenz gesichert wissen wollen. „Wir werden das schaffen“, ist er sicher. „Wir erarbeiten gerade ein Konzept über Ausgleichsflächen.“

„Die Finanzierung ist gesichert, beide Städte können das Projekt finanzieren“, zeigt sich der Uhinger Bürgermeister überzeugt. „Die Kosten sind hälftig aufgeteilt.“ Dass der Landkreis nun die Nassachtalbrücke saniere, erhöhe die Wirtschaftlichkeit für Uhingen sogar, denn sonst hätte sich die Stadt an den Kosten beteiligen müssen.

Bleibt noch die Frage nach dem Gehweg. Die Stadt Uhingen ist für die Planung nicht zuständig, doch Wittlinger erklärt, ein Gehweg mache keinen Sinn, weil es vor und nach der Brücke an der Straße auch keinen gebe. „Fußgänger- und Radwegführung macht man heutzutage über einen Extra-Steg, das ist kostengünstiger“, sagte er. Man werde eine solche Lösung anstreben. Das Projekt Gewerbegebiet sei auch noch in einem sehr frühen Stadium, nämlich in der Planfeststellung. Bis Bagger rollen, vergehen noch Jahre. „Uns ist aber wichtig, die Bevölkerung frühzeitig über die Pläne zu informieren“, versichert Wittlinger. Und vielleicht doch noch die ein oder andere „Brücke“ zu bauen.

Bebauungsplan kommt erst nächstes Jahr

Zwischen Uhingen und Ebersbach soll das rund zehn Hektar große interkommunale Gewerbegebiet „Strut“ entstehen. Derzeit wird die Machbarkeit geprüft.

Nächster Schritt ist das Bebauungsplanverfahren, das regelt, wie das Gebiet gestaltet wird und welche Nutzungen dort genau erlaubt sind. Dies wird laut Wittlinger erst nächstes Jahr geschehen.

Aus der Uhinger SPD kommt Kritik, dass der Zweckverband für das Gewerbegebiet bereits gegründet wurde, obwohl noch viele Fragen offen seien. Ein Knackpunkt ist, dass nur ein Drittel des Gebiets auf Uhinger, zwei Drittel aber auf Ebersbacher Markung liegen.

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