Auftakt Michael Fitz überzeugt bei Kleinkunsttagen

Eingängige Melodien, authentische Texte: Michael Fitz überzeugte zum Auftakt der Kleinkunsttage in der Zehntscheuer in Süßen.
Eingängige Melodien, authentische Texte: Michael Fitz überzeugte zum Auftakt der Kleinkunsttage in der Zehntscheuer in Süßen. © Foto: Staufenpress
Süßen / Hans Steinherr 09.11.2018
Mit dem Schauspieler und Liedermacher Michael Fitz eröffneten am Mittwoch die 23. Süßener Kleinkunsttage in der Zehntscheuer.

Fast schon scheint es ihm ein wenig lästig zu, immer wieder zuerst mit seiner Rolle im Münchner Tatort-Krimi in Verbindung gebracht zu werden, der Michael Fitz. Aber so kennt man ihn eben aus 44 Folgen. Dabei ist er ein richtig guter Gitarre spielenden Liedermacher. Als solcher tourt er seit bald zehn Jahren durch die Lande.

60 wird er demnächst, aber man sieht’s ihm nicht an. Ein Alter, in dem man durchaus anfangen kann, sein noch nicht vollständig aufgearbeitetes und gelebtes Leben zu reflektieren und zu analysieren.

Zum Auftakt der 23 Süßener Kleinkunsttage kam der Münchner Michael Fitz mit seinem inzwischen sechsten Solo-Programm „jetzt und gestern“ in die Zehntscheuer nach Süßen. Ein Bayer in Mundart: Da besteht schon die Gefahr, die Fremdsprache nur melodisch verstehen zu können. Also bitte entspannen beim Zuhören und vorgehen wie beim Stricken: „Eins aufnehmen – drei fallen lassen.“

Dezent politisch und ironisch

Los geht’s. Gleich dezent politisch und ironisch. Von der Willkommenskultur singt und spricht er. Die ja in Bayern erfunden wurde, wie man spätestens seit 2015 weiß. „Da Bsuach“ (Der Besuch) ist willkommen, denn allein ist es ja fad. Und wenn ihn der Dreck nicht stört und er auch noch hilft, den Schrank raus zu stellen, ist so ein Besuch auch noch praktisch. Fitz plaudert, erzählt, moderiert locker vom Barhocker. Unterhaltsam und auch ein wenig bayerisch-eigenwillig. Schließlich braucht’s ja Übergänge vom einen zum anderen Thema. Besuche zu empfangen ist eine logistische Leistung. Schließlich muss man vorbereiten und Kaffee kochen. Schon landet man in der Selbstoptimierung – und damit beim nächsten Song. Weil ja alles immer besser werden muss und man kaum noch Zeit findet für einen Besuch. Fitz wird sentimental und er outet sich. „Du sigst mi ned“ (Du siehst mich nicht) schildert er das Bemühen, die Last, vom Vater beständig übersehen worden zu sein, endlich abzulegen. Selbstkritisch ist er auch („Was i bin“), und er weiß, dass es Menschen auf Erden seit 4 Millionen Jahren gibt. Dinosaurier haben 560 Millionen Jahre durchgehalten. Ob wir das noch schaffen?

Mit Michael Fitz jedenfalls vergehen zwei Stunden wie im Flug. Weil seine Texte authentisch und seine Melodien eingängig sind. Da mal leicht rockig, dort bluesig-sanft. Für jedes Lied braucht’s eine andere Gitarre, vier davon sind ständig wechselnd im Einsatz. Wenn es Pausen zum Nachdenken erfordert, folgen instrumentale Sequenzen. „Kritiken sind selten inspirierend“, sagt Michael Fitz. Das muss er aushalten. Der Versuch einer Ausnahme: „Mach weiter so! Gut so, Fitz!“

Info Michael Fitz ist seit Mitte der 80er Jahre als Songwriter und Interpret von deutschsprachiger Pop und Rockmusik tätig, von 1991 bis 2001 neben seiner schauspielerischen Tätigkeit regelmäßig mit verschiedenen Band-Besetzungen auf Tournee. Seit 2006 schreibt er Lieder in bayrischer Mundart, und seit 2008 ist er als Solist auf deutschen Bühnen unterwegs.

Bernd Lafrenz als Romeo und Julia

Weiter geht es bei den Kleinkunsttagen in der Süßener Zehntscheuer heute, 20 Uhr, mit Bernd Lafrenz. Der präsentiert mit seinem Einmanntheater die Tragödie „Romeo und Julia“ in einer luftig-leichten Inszenierung, in der Lafrenz alle Rollen spielt. Am Samstag, 20 Uhr, gastiert die Musik-Kabarettistin und Liedermacherin Corinna Fuhrmann alias Lucy van Kuhl mit ihrem Programm „Fliegen mit Dir“ in Süßen. Und am Sonntag, 16 Uhr, gibt es wieder Kindertheater: Das Theater Sturmvogel aus Reutlingen spielt „Der kleine Rabe Theobald“.

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