Porträt Metallkünstler Herbert Häbich im Porträt

Herbert Häbich vor seiner Frauenfigur. „Die Gestaltung von Stahl und Eisen übte schon früh eine große Faszination auf mich aus“, sagt der Süßener Metallkünstler. Ab morgen sind Arbeiten von ihm in der Ausstellung „Männerwirtschaft“ in der Kulturmühle zu sehen.
Herbert Häbich vor seiner Frauenfigur. „Die Gestaltung von Stahl und Eisen übte schon früh eine große Faszination auf mich aus“, sagt der Süßener Metallkünstler. Ab morgen sind Arbeiten von ihm in der Ausstellung „Männerwirtschaft“ in der Kulturmühle zu sehen. © Foto: Margit Haas
Süßen / SWP 10.01.2018

Eine große Esse, ein schwerer Amboss, an den Wänden Zangen und Hämmer in allen erdenklichen Größen und Ausführungen, allerlei technisches Gerät – die Schmiedewerkstatt in Bräunisheim bei Amstetten ist der Platz, an dem die ungewöhnlichen Kunstwerke von Herbert Häbich entstehen.

„Ich bin zufriedener am Abend, wenn ich in meiner Werkstatt kreativ sein konnte“, sagt der sympathische Metallkünstler, der quasi immer ein Eisen im Feuer  hat. Zwei- bis dreimal pro Woche fährt er auf die Alb, schmiedet oder schweißt. Aus dem schweren und starren Material Eisen entstehen dann scheinbar federleichte Skulpturen. Sie sind von einer überraschenden Leichtigkeit und belegen das künstlerische Talent ebenso wie auch das große handwerkliche Geschick des Süßener Künstlers.

In den vergangenen Monaten schuf er hauptsächlich Frauenfiguren, die eine ganz neue Sicht auf den weiblichen Körper bieten. So hat er einen weiblichen Torso zweigeteilt, die Vorder- von der Rückseite getrennt. Erst aus dem richtigen Blickwinkel erscheint für den Betrachter wieder ein Ganzes.

Aus einem ausgedienten Stahlträger hat er eine schlanke Frauenfigur herausgeschnitten. Will sie sich von dem schweren Träger lösen? Spuren von alter Farbe geben ihr eine belebte Oberfläche und eine expressive Vitalität. Aus einem groben Holzklotz richtet sich ein zweigeteilter Frauenkörper mit barocken Formen auf und lädt ein, die Phantasie spielen zu lassen. „Manchmal liegen Schrottteile in der Werkstatt, und daraus ergibt sich fast ganz automatisch ein Kunstwerk. Es scheint, als ob der Schrott zu mir käme“, sagt der 73-Jährige, der nie ohne seine charakteristische Strickmütze zu sehen ist. „Die Gestaltung von Stahl und Eisen übte schon früh eine große Faszination auf mich aus“, sagt der gebürtige Stuttgarter, den es immer weiter aus der Großstadt herausgezogen hat. Er machte eine Mechanikerlehre, wurde Fachlehrer im Metallhandwerk und bildete sich als Schweißer und Schmied weiter.

In Kursen gibt er bis heute seinen reichen Erfahrungsschatz weiter und ist nach wie vor begeistert von den nur scheinbar sperrigen Materialien. Denn: „Mit der richtigen Temperatur ist der Stahl weich wie Butter. Für kurze Zeit ist das glühende Eisen formbar, nur wenig Zeit bleibt zur Bearbeitung.“

Für den Künstler sind „Feuer und Eisen die faszinierendsten Elemente, das Eisen hart und unbeweglich, das Feuer, das mit seiner Energie das Eisen zum Glühen bringt“. Wenn Herbert Häbich mit dem Schmiedehammer oder dem Schweißgerät ein Metallstück bearbeitet, hat er zunächst eine Skizze gezeichnet und „oft eine klare Vorstellung von dem, was entstehen soll“. Nicht selten allerdings „verselbständigt sich im Arbeitsprozess vieles. Der Werkstoff Stahl will, dass man sich auf ihn einlässt“, betont Hälbich. Und fügt hinzu: „Es ist immer wieder faszinierend, wie das Eisen den Schlägen des Hammers folgt und neue Gestalt annimmt“.

In jedem seiner Kunstwerke, ob geschmiedet oder mit dem Schweißgerät oder dem Autogenbrennschneider ausgeschnitten, „steckt viel Emotion“. Die vermittelt sich dem Betrachter, der beim Gang um die Skulpturen immer wieder neue Ansichten und damit vielleicht auch Einsichten erhält. Die Figuren sind stark abstrahiert und gleichzeitig gegenständlich, lassen Raum für die eigene Interpretation, sind quasi Fenster in andere Räume und schaffen Raum für die Auseinandersetzung mit Anderem.

Skulpturen von morgen an in der Kulturmühle

Metallkunst von Herbert Häbich sind im Rahmen der Ausstellung „Männerwirtschaft“ vom 11. bis 28 Januar samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr in der Kulturmühle Rechberghausen zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter www.metall-haebich.de.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel