Sabrina Kollek aus Geislingen hat laut ihrem Facebook-Eintrag eine „Horrorzeit“ hinter sich. Die 32-Jährige litt über Monate an Skabies, wie Krätze in der medizinischen Fachsprache genannt wird. Vier Ärzte hätten sie in dieser Zeit mit falscher Diagnose wieder weggeschickt, sagt sie und spricht sogar von einem „Geislinger Krätzeproblem“.

Krätze: „Leichte Zunahme, keine Epidemie“

Tatsächlich gibt es im Landkreis Göppingen eine Zunahme der gemeldeten Krätze-Fälle, bestätigt Dr. Heinz Pöhler, der Leiter des Göppinger Gesundheitsamtes. „Aber es ist eine leichte Zunahme, keine Epidemie“, betont er. 2015 seien dem Gesundheitsamt 40 Krätzefälle gemeldet worden (2016: 50, 2017: 41),  2018 waren es 66 Fälle. Die Zunahme führt der Experte zum einen darauf zurück, dass Mitte 2017 die bisherige Meldepflicht für Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderhorte oder Schulen auch auf andere Gemeinschaftseinrichtungen wie etwa Pflegeheime oder Sammelunterkünfte ausgeweitet wurde. „Eventuell sind auch die Ärzte inzwischen sensibilisierter“, hält er für möglich. Die Dunkelziffer sei allerdings unbekannt. Denn für Privatpersonen bestehe keine Meldepflicht.

„Im Anfangsstadium gut in den Griff zu kriegen“

Sabrina Kollek ist ihre Krätze seit Anfang des Jahres wieder los. Allerdings hat ihr Körper inzwischen eine Autoimmunkrankheit mit Hautproblemen entwickelt. Deren Ursache kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden. „Aber ich bin so froh, wenn die Menschen sensibilisiert werden“, sagt Kollek und fügt hinzu: „Im Anfangsstadium kriegt man die Krätze noch gut in den Griff, aber wenn anfangs falsch behandelt wird, wird es immer schlimmer.“

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Die wichtigsten Informationen zur Krätze


Ansteckung Krätze ist eine durch engen Hautkontakt entstehende ansteckende Hautkrankheit und wird durch die Krätzmilbe ausgelöst. Der Juckreiz kann sehr stark sein. Zur Behandlung werden Cremes, Sprays, Salben oder Tabletten eingesetzt.

Maßnahmen Um die Krätze in den Griff zu bekommen, ist folgender Aufwand erforderlich: Kleidung, Handtücher und Bettwäsche täglich mit mindestens 60 Grad waschen. Gegenstände mit längerem Körperkontakt wie Schuhe oder Plüschtiere, die nicht gewaschen werden können, drei Tage im verschlossenen Plastiksack über 21 Grad lagern. Polstermöbel und Autositze mit Staubsauger reinigen, auch die Autogurte nicht vergessen.
Migration Vermutlich sei Krätze unter ankommenden Flüchtlingen weiter verbreitet als in der hiesigen Bevölkerung, heißt es in einem an Ärzte gerichteten Info-Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Gründe: Häufig stammten viele Asylsuchende aus Ländern, in denen Krätze gehäuft vorkommt. Außerdem erhöhten die Bedingungen auf der Flucht das Risiko, die Milben auf Andere zu übertragen. Trotzdem sei das Risiko gering, dass es in Asylunterkünften zu Krätze-Ausbrüchen kommt. Denn Asylsuchende hätten in der Regel kein geschwächtes Immunsystem und die Wahrscheinlichkeit von intensivem Hautkontakt außerhalb der Familie sei gering. Krätze-Fälle in Gemeinschaftsunterkünften sind meldepflichtig.