Bad Boll Mehr als brillante Romantik

Als Trio im Bad Boller Kurhaus: Das Konzert von Gaby Pas-Van Riet (Flöte), Sophie Pas (Viola) und Andreas Kersten (Klavier) bildete den Abschluss der diesjährigen Reihe "Töne der Klassik".
Als Trio im Bad Boller Kurhaus: Das Konzert von Gaby Pas-Van Riet (Flöte), Sophie Pas (Viola) und Andreas Kersten (Klavier) bildete den Abschluss der diesjährigen Reihe "Töne der Klassik". © Foto: Bettina Steinbacher
ULRICH KERNEN 12.11.2014
Eine reizvolle und seltene TrioKombination aus Flöte (Gaby Pas-Van Riet), Viola (Sophie Pas) und Klavier (Andreas Kersten) war im letzten Konzert des Jahres in der Reihe "Töne der Klassik" in Bad Boll zu hören.

Der feine, wandlungsfähige Flötenklang, ergänzt durch die Sonorität der Bratsche, verbunden mit dem Rahmen gebenden Klavier - das machte den Reiz eines sonntäglichen Triokonzerts im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll aus, dem letzten Konzert des Jahres in der Reihe "Töne der Klassik". Die Zuhörer wurden aus den drei konzertanten Duos für Flöte und Viola von Franz Anton Hoffmeister an die Klangmöglichkeiten herangeführt: ein Stück für den bürgerlichen Salon, schwerelos, witzig, ohne irgendwo banal zu werden.

Perfekt abgestimmt und wundervoll nuancenreich war von Anfang an das Spiel der Duo- Partnerinnen, so dass sich der Charme dieses Werks entfalten konnte. Musikalisch ernsthafter ging es bei der späten Sonate f-moll opus 120/1 für Viola und Klavier von Johannes Brahms zur Sache. In allen vier Sätzen dominiert das Gesangliche und sei es, dass es nach massiven Ausbrüchen wieder die Oberhand gewinnt. Den Höhepunkt erreichte dies in den Schattierungen des langsamen Satzes.

Die große Intensität des Violaklangs fand ihre Entsprechung in der Klavierbegleitung. Andreas Kersten fand sich auf dem Bösendorfer-Flügel famos zurecht. Die Virtuosität des Variationenwerks über das Lied "Trockne Blumen" für Flöte und Klavier von Franz Schubert war für Gaby Pas-Van Riet nie Selbstzweck. Ausgehend von der düsteren Einleitung zog sich ihre schlüssige Interpretation durch alle Variationen bis in kleinste Übergänge und dynamische Nuancen hinein. Das war ganz große Kunst.

Der letzte Teil des Konzerts ging dann in die frühe Moderne über. In "Prélude, Récitatif et Variations" opus 3 von Maurice Duruflé waren die Rollen zwischen Viola und Flöte klar verteilt: Der dunkle, beseelte Klang der Viola stand neben den äußerst wandlungsfähigen Cantilenen der Flöte. Dies setzte sich auf mitreißende Weise in vier Tangos von Astor Piazzolla fort: Melancholie der Viola neben der unnachahmlichen Eleganz der Flöte. Davor und dahinter elektrisierten die Tangorhythmen das Publikum; es sei dem Pianisten gegönnt, dass er hier rasant aufdrehte. Die Vitalität dieser Musik, mit erkennbarem Vergnügen und zündender Leidenschaft vorgetragen, ergriff das Publikum.

Die Zugabe: Im Scherzo aus dem Klaviertrio von Carl Maria von Weber wurde auf engstem Raum viel "Freischütz" inszeniert.