Open Air Max Mutzke und Nils Wülker begeistern

Adelberg / Sabine Ackermann 10.07.2018
Nils Wülker und Max Mutzke begeisterten beim Konzert der Lumberjack Bigband bei den Freilichtspielen Adelberg.

Mikrofon auf die kompatible Höhe justieren, Adelberg, Berlin und dann doch wieder – sicher ist sicher – Adelberg als den „schönsten Open-Air-Platz Deutschlands“ lobpreisen und anschließend einen echten Kalauer raushauen. Ein Rundum-Blick in die von der Sonne und Vorfreude strahlenden Gesichter der gut 800 Zuschauer waren für Alexander Eissele Grund genug, um launig-provokant zu fragen: „Wie schlecht müssen wir spielen, dass ihr nicht mehr kommt?“.

Noch vor den Hauptakteuren Nils Wülker und Max Mutzke rekrutierte der Bandleader Kathrin von Block A, Ramona „La Ola“ von Block C sowie Meike vom trägen Block B. Vor allem letztere hatte die Aufgabe, den Gästen klar zu machen, dass „bequemes Sitzen nicht gleich bequemes Klatschen bedeutet“. Noch ein kurzer Dank an die emsigen Gastgeber des Adelberger Kunst- und Kulturvereins, und gleich darauf setzt Nils Wülker seinen ersten Titel „Walking tip toe“ auf der Bühne und zur Freude vieler auch darunter auf der Wiese in die Tat um.

Starallüren? In keinster Weise. Mit meist geschlossenen Augen und vollem Körpereinsatz nimmt sich der preisgekrönte Trompeter die Freiheit, gleichfalls bei Stücken wie „The Sleaze factor“, „Ballad for a friend“, „Quarter Master“ oder „Beyond the sea“ zu unterstreichen: Jazz ist die Königsklasse der Improvisation. Selbst wenn es ein bisschen zu hell sei für eine Ballade, rät Alexander Eissele: „Macht einfach die Augen zu und fühlt euch rein.“

Der Bandleader scheint bei aller Ausgelassenheit, dem ein oder anderen Hüftschwung und der stolzen Präsentation seiner großartig aufspielenden Musiker ein Stück weit ruhiger geworden zu sein. Ganz bewusst lässt der Mann hinter der Lumberjack Bigband Nils Wülker genügend Raum, um sein Spiel zu machen. Auch mit dem zweiten Hauptakteur, Sänger Max Mutzke, wird nicht allzu lange hinterm Berg gehalten. Gemessen am Beifall ist klar: Das Publikum liebt ihn. Brunhilde Jauß aus Donzdorf bringt es auf den Punkt: „Für mich ist Max Mutzke vergleichbar mit einem Schnitzel, auch das schmeckt jedem und immer.“ Mit „Welt hinter Glas“ legt der beliebte „Leih-Adelberger“ souverän los, zieht das Publikum vom ersten Ton an mit seinem nachdenklich-melancholischen Soul in der Stimme an und macht seinem zweiten Titel „Magisch“ alle Ehre.

Besondere Glanzlichter der zwei Ausnahmekünstler – die ihre Freundschaft immer wieder mit einer kernigen Umarmung zelebrierten – sind die gemeinsamen Stücke, etwa „Never left at all“, „Season“, „So viel mehr“ oder der Klassiker „Schwarz auf Weiß“. Ohne Frage, was Max Mutzke zum Besten gibt, hat Tiefe. Zu hören ist ein klangvolles Kaleidoskop aus Lebensweisheiten und emotionalen Lern- und Heilprozessen – ganz besonders bei den Stücken „Nacht“ und „Charlotte“.

Gegen Ende lotst Alexander Eissele die Zuschauer vor die Bühne, und als haben sie darauf gewartet, strömen viele nach vorn. Tanzen, wiegen sich auf „Purple Rain“ im Takt, zücken ihre Smartphones und genießen die letzten Klänge eines großartigen Konzerts in einer lauen Sommernacht, die bis auf die zwei Background-Sängerinnen Sarah Bruttel und Julia Wiesberg ausschließlich von Männern geprägt wurde.

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