Freizeit Marathonwanderung bringt Teilnehmer ins Schwitzen

Kreis Göppingen / Michael Scheifele 11.08.2018

Lieber abbrechen, bevor man zusammenbricht“, warnt Wanderführer Bernd Haller vom Schwäbischen Albverein gleich zu Beginn der Tour.  Um 6.30 Uhr geht es in Gingen los. Als die Wandergruppe sich aufmacht den Hohenstein zu erklimmen, ist gerade noch der Sonnenaufgang zu sehen.

Der Albverein bietet an diesem Samstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sommer der Ver-Führungen“ ein besonderes Event an. Das Ziel ist ehrgeizig:  Die Marathondistanz von 42 Kilometern soll es werden. 18 Wanderbegeisterte aus unterschiedlichen Altersgruppen sind mit dabei: Der Älteste ist 72 Jahre alt, der Jüngste 16 Jahre.

„Es ist weiter als die Strecke vom Bett in die Küche“, sagt der jüngste Wanderer scherzhaft. „Mein Vater hat mich dazu überredet mitzulaufen, aber bisher bereue ich es nicht.“  Haller meint: „Es kommt nicht auf das Alter an, wie weit man Laufen kann, sondern darauf wie fit man ist.“

Die Wanderroute führt zunächst  am Tegelberg vorbei zum Kuhfelsen: Dort bietet sich die erste Aussicht auf das Filstal. Den Wanderern fällt die neue B 10 um Gingen auf – vor allem die Lärmschutzwand sticht heraus. Doch das Tal wirkt noch ruhig: Kaum jemand ist am Samstagmorgen zu dieser Uhrzeit schon unterwegs. Auch in den Freibädern sind noch keine Badegäste zu sehen.

Danach geht es für die Gruppe weiter den Albtrauf entlang bis zum Abstieg ins Längental – Zeit für eine Trinkpause. Ein Fahrzeug begleitet die Teilnehmer und hält  immer mal wieder an, wenn es möglich ist: Ein Albvereinsmitglied transportiert das Gepäck und verkauft zusätzliche Getränke.  Denn die Teilnehmer sind an diesem Tag viele Stunden auf den Beinen: „Ich bin um 5.30 Uhr los“, berichtet einer aus der Gruppe. Er ist für die Wanderung extra von Böblingen ins Filstal gefahren.

Die Gruppe nimmt als nächste Etappe den Albaufstieg im Felsental auf sich – bevor sie nach einem Abstecher auf der Burgruine Helfenstein wieder nach Geislingen hinabsteigt. Alle Teilnehmer beginnen auf diesem Abschnitt zu schwitzen, denn die Temperatur steigt allmählich an. Nach einer Mittagspause in der WMF-Kantine geht es durch das Längental über die Kuchalb zur Maierhalde. Haller weist die Teilnehmer darauf hin, dass dieser Ort in Manfred Bomms Krimiroman „Draufgänger“ vorkommt. Gruseln muss sich aber niemand.

Die Route befindet sich auf dem Wanderweg „Albtraufgänger“, der von der Europäischen Wandervereinigung als eine der wenigen Strecken in Deutschland mit dem Prädikat „Leading Quality Trails – Best of Europe“, also als qualitativ hochwertiger Wanderweg ausgezeichnet wurde.  Die Schilder sind daher auf Deutsch und Englisch beschriftet.

Die Gruppe hält gut zusammen: Die Schnelleren warten immer wieder auf die Nachzügler.  Die Ausflügler lernen sich mit der Zeit kennen und unterhalten sich während des Wanderns angeregt. Zum Beispiel darüber, wozu die Dürre geführt hat: Der Boden ist trocken, und die Blätter nehmen eine für diese Jahreszeit untypische Verfärbung an.

„Wandern lenkt von allem anderen komplett ab“, erklärt Wanderführer Bernd Haller seine Leidenschaft. „Wenn ich beim Wandern an die Leistungsgrenze geh, vergesse ich meine Arbeit.“   Er erzählt, dass er sogar erfolgreich Wettkämpfe für den Schwäbischen Albverein bestreite.

Das Ende der Strecke führt die Gruppe schließlich von der Kuchalb wieder zurück ins Tal nach Gingen. „Die letzten Kilometer ziehen sich immer am meisten“, sagt eine Teilnehmerin. Die Gruppe einigt sich angesichts von 32 Grad im Schatten, den letzten Abschnitt auszusparen und es bei 32 Kilometern zu belassen.  Insgesamt macht die Hitze an diesem Tag ganz schön zu schaffen, allerdings haben alle Teilnehmer bis Gingen durchgehalten.  „Die Leute waren alle fit“, lobt Haller seine Schützlinge.

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