Kreis Göppingen Patienten beschweren sich über die Alb-Fils-Kliniken

Eine Reinigungskraft wischt den Boden in der Geislinger Helfenstein-Klinik. Die Alb-Fils-Kliniken bemühen sich um einen hohen Hygienestandard, Beschwerden gibt es trotzdem.
Eine Reinigungskraft wischt den Boden in der Geislinger Helfenstein-Klinik. Die Alb-Fils-Kliniken bemühen sich um einen hohen Hygienestandard, Beschwerden gibt es trotzdem. © Foto: Markus Sontheimer
Kreis Göppingen / Isabelle Jahn 16.04.2018
Besucher beschweren sich massiv über beide Standorte der Alb-Fils-Kliniken. Diese beschwichtigen die Vorwürfe.

Man ist vor Ort und keiner hilft einem“, klagt Petra Eberlein über ein Erlebnis in der Helfenstein-Klinik in Geislingen. Ihr Schwiegersohn wurde vor einigen Wochen in die Zentrale Notaufnahme (ZNA) eingeliefert, nachdem er in seiner Arbeitsstelle zusammengebrochen war, schildert Eberlein in einem Schreiben an unsere Redaktion.

Bei der Untersuchung sei ein schwerer Magen-Darm-Infekt festgestellt worden – der Patient sei aber als stabil eingestuft und daher entlassen worden. „Als mein Schwiegersohn durch die Glastüre der ZNA kam, war klar zu erkennen und für jeden der wartenden Patienten ersichtlich, dass es ihm sehr schlecht geht“, beschreibt Petra Eberlein ihre Beobachtung. Zusammen mit ihrer Tochter und deren wenige Wochen altem Säugling wartete sie vor Ort auf ihren Schwiegersohn. Als sie die ZNA gemeinsam verlassen wollten, sei der Patient erneut bewusstlos geworden. „Zunächst war kein Arzt oder eine Krankenschwester da und auch Minuten später niemand, der sich um meinen Schwiegersohn hätte kümmern können“, schreibt Eberlein.

Nach lauten Rufen sei schließlich Hilfe von Seiten des Personals gekommen, der Patient sei erneut untersucht und am selben Tag „deutlich geschwächt“ heimgeschickt worden. Neben der Sorge um ihren Schwiegersohn plagte Eberlein auch die Angst, dass sich ihre von der Geburt geschwächte Tochter und das Baby anstecken könnten. „Wenn sogar Laien erkennen, dass es einem Patienten äußerst schlecht geht, warum erkennt es das Fachpersonal einer Klinik nicht?“, fragt Eberlein in dem Schreiben. Diese Art der Behandlung mache sie fassungslos.

Klinikintern ist das Vorkommnis bereits bekannt, wie die Pressestelle der Alb-Fils-Kliniken auf Nachfrage mitteilt. Man sei mit der Familie in Kontakt, um den Fall aufzuarbeiten. „Die Fürsorglichkeit für unsere Patienten steht an oberster Stelle“, heißt es weiter. Notfallpatienten würden, wenn nötig, auf die Station verlegt. Im Fall des Schwiegersohns habe es aber „keine Indikation für eine stationäre Aufnahme“ gegeben. Bezüglich des erneuten Zusammenbruchs des Patienten in den Vorräumen der Notaufnahme räumt die Klinik ein, dass zu dem Zeitpunkt alle Mitarbeiter der ZNA in den Behandlungsräumen damit beschäftigt waren, andere Patienten zu versorgen. „Es ist uns daher ein Anliegen, die Ansprechbarkeit unseres Personals in der ZNA auch bei hohem Patientenaufkommen zu verbessern“, heißt es weiter. So springen etwa zu „Spitzenzeiten“ – wenn viele Notfallpatienten zeitgleich in der Klinik eintreffen – Mitarbeiter von anderen Stationen ein.

Auch in einem anderen Punkt kommen Vorwürfe gegen die Alb-Fils-Kliniken auf: Ute Rau beschwert sich in einem Schreiben an unsere Redaktion über die „mangelnde Hygiene in der Klinik am Eichert in Göppingen“. Als tägliche Besucherin in dem Krankenhaus hat die 78-Jährige gleich mehrere Ärgernisse aufzulisten: Ein großer klebriger Fleck auf dem Boden im Zimmer eines Patienten. Außerdem habe eine Tablette ein ganzes Wochenende lang auf dem Boden gelegen.

Ein Dorn im Auge sind der Frau aus Gingen auch die Betten, die in den Krankenhausgängen stehen – „zwar mit Folie abgedeckt, aber für neue Patienten bestimmt“. Rau befürchtet, dass die Betten, an denen zahlreiche Patienten vorbei kommen, nicht keimfrei sind. „Kein Wunder, dass sich hier multiresistente Keime fortpflanzen“, schreibt Rau in Anlehnung an die Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE), die die Göppinger Klinik belasten. Das multiresistente Darm-Bakterium kann bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem Infektionen verursachen. Seit Anfang des Jahres verstärkt die Klinik wieder ihre Maßnahmen gegen die Errege.

Zurzeit tragen Klinikinformationen zufolge an beiden Standorten insgesamt 53 Patienten VRE in sich – fünf davon am Standort Geislingen – und sind isoliert untergebracht. „Die Einhaltung von Hygienestandards war schon immer ein Schwerpunkt der Alb-Fils-Kliniken“, heißt es in einer Stellungnahme zu der Kritik. Die Zimmer werden demnach einmal am Tag sowie nach der Entlassung eines Patienten nach einer bestimmten Vorgehensweise gereinigt und desinfiziert. Darüber hinaus könnten Patienten und Besucher jederzeit über das Stationspersonal den Reinigungsdienst rufen. „Eine Keimverschleppung findet bei ordnungsgemäßer Reinigung somit nicht statt“, stellt die Klinik klar. Die Reinigung übernimmt überwiegend eine Tochtergesellschaft, unterstützt durch ein externes Unternehmen. Das Reinigungspersonal wurde in den vergangenen Jahren aufgestockt.

Auch bei den Betten im Flur besteht laut der Klinik kein Grund zur Sorge: Die desinfizierten und frisch bezogenen Betten werden demnach mit einer feuchtigkeitsabweisenden und keimdichten Schutzfolie abgedeckt, die einmalig verwendet wird. Die Betten stünden „zur unmittelbaren Nutzung für erwartete Patienten“ bereit, die teils aus der Notfallaufnahme stationär aufgenommen werden.

Die Klinik weist darauf hin, dass zurzeit an beiden Klinikstandorten auf allen Bettenstationen eine aufwendige Scheuer-Wisch-Desinfektion vorgenommen wird. Man arbeite zudem weiterhin an einer Verbesserung „in puncto Achtsamkeit“ und daran, das Personal für dieses Thema zu sensibilisieren.