Bad Boll Mandala-Mönche diskutieren über den Frieden

Bad Boll / JÜRGEN SCHÄFER 12.09.2015
So ein Gespräch hat's im Kreis vielleicht noch nie gegeben: Buddhistische Mönche diskutieren nächste Woche mit hiesigen Friedensbewegten, welche Strategien es für den Frieden in der Welt gibt.

Von Nürtingen hat Linde Burchard die Idee mitgebracht. Dort machten vor zwei Jahren Mandala-Mönche Station auf einer Tour, die die Bad Bollerin organisiert hatte, und die Nürtinger fanden eine Friedens-Diskussion mit ihnen sinnvoll. Die buddhistischen Mönche verstehen ihre Reisen in Europa ja als Beitrag zum Frieden. Linde Burchard greift das beim aktuellen Mandala-Gastspiel von indischen Mönchen in Bad Boll auf. Die Diskussion über Friedensstrategien findet am kommenden Donnerstag ab 19.30 Uhr in der Seniorenwohnanlage in Bad Boll statt, wo das Sandmandala der indischen Mönche entsteht.

Einen Moderator fand Burchard im Friedensbeauftragten des evangelischen Kirchenbezirks, Pfarrer Reinhard Hauff aus Heiningen. Der freut sich auf dieses "Experiment". Er sei gespannt, wie sich Buddhisten für den Frieden engagieren, welche Erfahrungen sie haben. "Ich habe davon noch keine Vorstellungen", sagt er. Er ist mit dieser Welt nie in Berührung gekommen. Mit dem Buddhismus habe er sich nur mal oberflächlich befasst.

Was Pfarrer Hauff mitbringt, sind die Erfahrungen der Friedensbewegung und Erkenntnisse der Konfliktforschung. Hauff kam in der hitzigen Nachrüstungsdebatte zur Friedensbewegung, damals in der evangelischen Studentengemeinde und "in großer ökumenischer Verbundenheit".

Heute hilft der 56-Jährige ehrenamtlich in der ökumenischen Aktion "Ohne Rüstung leben". Hauff hält nichts davon, die Bevölkerung mit Waffen schützen zu wollen - er setzt auf die Vorbeugung von Konflikten. Rüstung für den Frieden oder Frieden ohne Rüstung? Für Hauff ist das keine Frage. Er hat schon Bundespräsident Gauck für den Vorstoß kritisiert, Auslandseinsätze der Bundeswehr auszuweiten.

Akut sind für Hauff zwei Friedens-Themen: deutsche Waffenexporte und Atomraketen, die noch immer in Deutschland stehen. Letztere hätten der amerikanische Präsident und die Bundeskanzlerin zwar mal abschaffen wollen, dann aber die Kehrtwende vollzogen: Die Atomwaffen in der Eifel sollen nun modernisiert werden.

In beiden Fragen sieht Reinhard Hauff heute die Bevölkerung im Widerspruch zur Regierung. Laut einer Umfrage seien 60 bis 80 Prozent gegen Waffenexporte, fast alle wollten Atomwaffen in Deutschland weg haben. Seine Anklage: Die Rüstungsexporte steigen ständig, Deutschland sei heute weltweit an dritter Stelle. Die Flüchtlinge, die zu uns kämen, flüchteten auch vor deutschen Waffen. Geliefert werde auch in Länder, die ihre Bevölkerung in Schach halten wollten. Ein Lichtblick sei, dass die ARD dazu einen Themenabend am 23. September plane. Zuvor wird in Bad Boll über "Strategien der Friedensarbeit" diskutiert.

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