Gammelshausen Malen für die Partnerschaft

SWP 11.05.2016
Die einmalige Gelegenheit "Malen für die Partnerschaft" hatten am Dienstag sieben Schüler aus Brigels in der Gammelshäuser Künstlerwerkstatt "Schnapsidee".

Ihre Arbeiten werden Ehrenplätze in den Partnergemeinden bekommen. Eine bleibende Erinnerung an diesen Schülerbesuch - der erste seit sechs Jahren.

Der Geruch von Farbe hängt im Raum. Rot, blau, gelb und grün schimmern die Leinwand-Quadrate, die mit Acryl grundiert sind und jetzt trockengeföhnt werden müssen. Dazu geht's ins Dachgeschoss, wo die Ateliers von Künstlern liegen. Da gibt's was zu sehen.

Dann wird's spannend. Marion Gaiss, die sich diese Acryl-Collagen ausgedacht hat, legt den jungen Künstlern Ortspläne hin. Sie zeigen Gammelshausen und Brigels in großen Ausschnitten. Die werden auf die farbige Leinwand geklebt, trockengeföhnt und wieder nass gemacht, dann das Papier weggerubbelt.

Das ist richtig Arbeit. "Es darf kein Schleier bleiben" mahnt Marion Gaiss ihre gelehrigen Schüler. Sie freut sich, dass die so motiviert sind. Unter dem Papier werden Straßennamen sichtbar, auch Ortsnamen wie "Danis und Dardin". Das sind Teilorte von Brigels. Auch der Name Andiast - ein Missgeschick. Das ist ein Nachbarort von Brigels, klärt Klassenlehrer Patrick Casanova auf, der an diesem Tag in die Malkunst hineinschnuppert - sein Metier ist die Mathematik. Aber dieses Andiast, das durch die Tücken der Technik hineingerutscht ist, war schon mal nahe dran an Brigels. "Es hätte eingemeindet werden sollen, aber das hat nicht geklappt", verrät der Lehrer.

Ausleben können sich die Künstler bei den Symbolen, die diese Partnerschaftsbilder krönen. Für Gammelshausen, die Obstbaugemeinde, schlägt Marion Gaiss Kirschen, Birnen, Äpfel vor. Für Brigels Kuhglocken, Milchkanne, Kuh.

Die Schüler wüssten auch noch andere Attribute für ihren Ort. "Die Berge", sagt India. "Den Alpabzug", sagt Roel. An Gammelshausen haben die Brigelser auch noch andere Seiten entdeckt. "So schöne Häuser, das müssen alles reiche Leute sein" - das war die Meinung bei ihrem Ortsrundgang am Montag im Neubaugebiet Letten. Sie erfuhren dann, dass in Gammelshausen keineswegs alle superreich seien, sondern dass man hier billiger bauen könne als im Touristenort Brigels. Casanova: "Bei uns haben die Touristen die schönsten Häuser." Im Winter wächst der 1400-Einwohner-Ort im schönen Graubünden auf 4000 Menschen.

Vier, fünf Stunden arbeiten die 15- und 16-Jährigen an den Bildern, die sie zur Hälfte nach Brigels mitnehmen. Auch Bürgermeister Daniel Kohl hat eins gemalt, mit Milchkanne und Brigelser Ortsplan. Er lobt die kreativen Schüler: "Es sind tolle Bilder herausgekommen." Die Künstler haben dafür auf die Historische Stadtführung in Göppingen verzichtet, die ihre Klassenkameraden erlebten. Aber es kommt ja auch noch viel. India freut sich schon aufs Backen. Im Gammelshäuser Backhaus zeigt heute Elsbeth Böhringer, wie man Weckle, Brote, Salzkuchen, Hefezopf und Schneckennudeln herstellt. Das bringen die Gäste dann zum gemeinsamen Abend mit den Gammelshäuser Jugendlichen mit, beim Grillen auf dem Galgenbuckel oder bei schlechtem Wetter im Gemeindehaus, wo die Brigelser auch untergebracht sind und vom leckeren Frühstück schwärmen.

In den Vorjahren fuhren die Brigelser Abschlussklassen nach München und Paris. Aber die 16 Gäste in Gammelshausen haben es auch gut getroffen, denken sie. Sie werden noch zwei Tage Stuttgart erkunden. Mit Mercedes-Benz-Museum, Shopping und dem Musical "Tarzan" - für Elisa jetzt schon das Highlight.