Rechberghausen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER Vom "Duo Knack" wird das konservative Rollenbild der Frau im Wirtschaftswunderland der BRD der 50er Jahre mit Hits und Werbung aus der Zeit aufs Korn genommen - Bezüge zu heute waren erwünscht.

Angela Hack und Martina Knoll, die seit 2006 als Duo Knack zusammen mit eigenem Programm durch die Region tingeln, brennen mit der Premiere ihres neuesten Programms "Cindy oh Cindy" mit Musik und gesellschaftlichen Stolpersteinen der Adenauer- und Erhard-Ära ein Feuerwerk ab. Ihr Thema - am Beispiel der Figur Cindy und ihres gedanklichen Gegenpols - wird die Unterdrückung von Frau durch Mann, aber auch durch das eigene Zutun von Frau (sie will schön und schlank sein und nur für ihn sorgen, sie soll ihm gefallen und für ihn kochen und backen!) mal temperamentvoll, mal melancholisch, mal schmalzig, mal ernsthaft, aber immer hintersinnig und fein augenzwinkernd dargeboten.

Dabei ist das anderthalbstündige Programm der beiden, die von Andreas Schuster luxuriös am Piano begleitet werden, mit Texten und Ohrwürmern nur so gespickt, die nicht nur stimmlich, sondern auch in einer exzellenten Artikulation und darstellerischen Weise präsentiert werden. Und auch politische Zusammenhänge wie das Familienrecht des BGB, das dem Mann lange noch die Verfügungsgewalt über die Ehefrau bei Vermögen, beruflicher Tätigkeit und Kindererziehung gab, kommen nicht zu kurz.

Worum geht es? Männer, so heißt es in den selbst gemachten Zwischentexten zwischen Schlagern und Originalwerbung aus den 50ern, machen vor allem Ärger und verführen unschuldige Mädchen.

Cindy erlebt das am eigenen Leib, weil sie einen Engel als Mann sucht, kann es aber trotz ihres Gegenpols (nicht alles im Leben drehe sich um Männer!) nicht abschütteln. Sie kommt zur Erkenntnis, dass alles schon etwas besser geworden sei, aber immer noch nicht gerecht. Es gebe nur eine Lösung: "Gehn Sie mit der Konjunktur" und "Der Computer weiß genau für jeden Mann die richtige Frau". Aber auch das klappt nicht so recht und so dreht sich die Welt weiter und jeder sucht weiter sein Glück.

Viele bekannte Hits illustrierten die Aussage des Abends: "Lady Sunshine", "Habn se nich nen Mann für mich?" (keiner aus dem Publikum ist geeignet!) , "Am Tag, als der Regen kam", "Ja als Hausfrau ist man ständig auf der Wanderschaft", "Ich zähle täglich meine Sorgen", "Cindy oh Cindy, dein Herz muß traurig sein" (als Mann die Hochzeit absagt!), "Du bist so komisch anzusehn", "Auf meinem Konto steht das Komma zu weit links", "Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere" oder "Steig (nicht!) in das Traumboot der Liebe" und viele andere Songs.

Eingespielte Einschübe von Originalwerbung etwa fürs Goggomobil, für die Musiktruhe, für AEG-Geräte, für Dr.Oetker Backwaren oder die Werbung für das Stärkungsmittel Frauengold illustrieren geschickt den roten Faden des Abends.

Casa Nova, das Kulturcafè in Rechberghausen, bot mit der umgebauten Bauernscheune am Kirchplatz einen perfekten Rahmen

Mit mehreren Zugaben wie dem rassig gebotenen "Kriminaltango" entließen die drei Künstler ein begeistertes Publikum.