Dürnau Mädchen schuftete in der Mühle und wurde Soldat

Kenner des Heidengrabens: der Archäologe Gerd Stegmaier.
Kenner des Heidengrabens: der Archäologe Gerd Stegmaier.
Dürnau / PM 07.07.2012
Die Kulturinitiative Dürnau hatte zur Lesung in den Schlosskeller geladen. Dorothea Keuler gab Einblicke in Frauenschicksale im 18. Jahrhundert.

Zu Beginn begrüßte Manfred Wolfhard von der Kulturinitiative die Autorin Dorothea Keuler und zahlreiche Besucher. Der voll besetzte Schlosskeller lieferte die passende Atmosphäre für die Lesung, an diesem Ort hätte auch eine der Personen gewesen sein können, die Dorothea Keuler vorstellte - nämlich Frauen im 18. Jahrhundert. Keuler las aus ihren Büchern "Provokante Weibsbilder" und "Verlorene Töchter", historischen Porträts von Frauenschicksalen. Die Berichte über die Werte und Normen einer vergangenen Zeit, die den Menschen kaum Raum ließen, ihr Leben selbst zu gestalten, beeindruckten.

Trotz dieser widrigen Umstände nahm damals Anna Maria Christmann, die einige Jahr in Dürnau lebte, ihr Schicksal selbst in die Hand. Ihr abenteuerliches Leben stellte Dorothea Keuler vor. Anna Maria Christmann lebte hier bis zum frühen Tod ihrer Eltern. Weil es in der damaligen Zeit noch keine soziale Absicherung ab, musste sie als Bettlerin ihr Dasein fristen. Für ein Mädchen war das Leben auf der Straße gefährlich und demütigend. Anna Maria verkleidete sich als Junge, nahm den Namen ihres Vaters an, schuftete in einer Mühle und ließ sich 1716 als Soldat in das neu gegründete Regiment von Herzog Ludwig anwerben. Um das tägliche Brot musste sie sich nun keine Sorgen mehr machen, dafür gab es andere lebensbedrohliche Situationen, die sie aber überstand. Im Kirchenbuch von Gingen hat Pfarrer Schemer ihr Schicksal festgehalten.

Eine andere Geschichte berichtete von einem Mädchen, das ungewollt von einem verheirateten Mann schwanger wurde. In größter Not und Verzweiflung tötete sie ihr Kind gleich nach der Geburt. Sie wollte damit ihre Familie vor Schimpf und Schande bewahren - und hat doch das Gegenteil bewirkt. Die Gesetze und Anordnungen von Regierung und Kirche in der vermeintlich "guten alten Zeit" waren gnadenlos.

In den Büchern von Dorothea Keuler wird über mutige und tapfere Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten erzählt, wie sie ihre kleinen Spielräume, die sie ihm Rahmen ihres "Frauseins" hatten, für sich und zum Wohle ihrer Familie einsetzten, wie sie oft aber auch scheiterten.

In der Pause hatten die Besucher, die Möglichkeit, signierte Bücher zu erwerben.