Dass sich die verfeindeten Lager in der AfD nicht immer mit Samthandschuhen anfassen, wäre bei der AfD-Kreisversammlung in Bartenbach beinahe in Vergessenheit geraten. Über politische Inhalte wurde nicht diskutiert und die Neuwahlen der Parteispitze gingen problemlos über die Bühne. Sechs Monate vor der Kommunal- und Europawahl hat sich die Alternative für Deutschland Geschlossenheit verordnet.

Der Wechsel von den bisherigen Kreisvorsitzenden Volker Münz und Joachim Hülscher zu Simon Dennenmoser und Michael Busch wurde denn auch mit großer Mehrheit beschlossen. Münz war nach eigenen Angaben nicht mehr angetreten, weil ihm als Bundestagsabgeordneter die Zeit für die Vorstandsarbeit fehle. Hülscher stellte sich als Vorsitzender nicht mehr zur Wahl, weil er bei der Kommunalwahl im Mai für den Kreistag kandidieren will.  Erst nach etwa viereinhalb Stunden, als es um die Wahl der Beisitzer ging, traten die alten Konflikte zwischen dem ultrarechten und dem moderaten Flügel der Partei wieder zu Tage.

Die Presse war zwar zur Versammlung offiziell nicht eingeladen, aber nach einer Abstimmung zugelassen. Über mehrere Stunden arbeitete sich die Partei in bester demokratischer Manier an den Regularien ab. Landesvorstandsmitglied Stephan Köthe war zum Versammlungsleiter gewählt worden und  führte die rund 30-köpfige Runde routiniert durch die 17 Tagesordnungspunkte. Nur, dass nach der einstimmigen Entlastung des Vorstands die des Schatzmeisters fast vertragt werden musste, weil  Kassenprüfer Dr. Georg Kayser nicht anwesend war, ließ ahnen, dass es mit der Harmonie womöglich doch nicht so weit her ist.

Tatsächlich werfen der Vorsitzende des Göppinger Ortsvereins, Dr. Georg Kayser, und seine Stellvertreterin  Renate Dangelmaier dem bisherigen Kreisvorsitzenden Volker Münz  einen „beleidigenden, unwürdigen und völlig inakzeptablen Auftritt“ am 25. Juli  vor. Die Rede ist vom einem „Kontrollverlust“. Das geht aus einem Antrag  an die Mitgliederversammlung vom 14. September hervor, zu der die Presse nicht zugelassen war. Weiterer Vorwurf: Der  bisherige Beisitzer Hans-Jürgen Goßner  habe die aktuelle Mitgliederliste des Göppinger Ortsverbands an die NWZ weitergeleitet. Das habe ein IT-Experte bestätigt. 

„Die Mitgliederliste ging nicht an die Presse“, rechtfertigte sich Hans-Jürgen Goßner bei der Kreismitgliederversammlung.  Gegen ihn standen weitere Vorwürfe im Raum. Er habe in beiden Lagern der AfD Feuer gelegt, warf ihm der neue Vorsitzende Simon Dennenmoser vor, und Dietmar-Dominik Henning von der AfD-Landtagsfraktion sagte, Goßner habe Joachim Hülscher als „Egomanen, der säuft“ und Volker Münz als „eierlose Memme“ bezeichnet. Goßner  distanzierte sich von den Vorwürfen.

Für einen Whats-App-Post entschuldigte sich der Geislinger Ortsvereinsvorsitzende  Uwe von Wangenheim. „Das war ein Fehler.“ Es sei unter anderem um ein „Bild einer Moschee gegangen, auf der an der Seite drei nackte Frauen zu sehen sind“. Wangenheim bezeichnete es als „niederträchtig von einem bestimmten Personenkreis, dass er das durchgestochen hat.“

Dieter Wiedenmann, der offenbar den Post weitergeleitet hatte, sagte dazu: „Ich möchte auf keinen Fall, dass Rassisten oder Homophobe im Vorstand sind.“ Er könne nicht akzeptieren, wenn von Wangenheim noch einmal in den Vorstand gewählt werde.

Warum er damit der Partei geschadet habe, obwohl es sich um einen privaten Post gehandelt habe, wollte der neue Kreisvorsitzende Michael Busch wissen. „Ich habe ihm mehrmals gesagt, er solle das lassen“, antwortete Wiedenmann. Bei der Wahl zum Beisitzer fiel er durch. Uwe von Wangenheim wurde gewählt.

Kreisvorstand für zwei Jahre gewählt


Die Neuwahlen zum Vorstand des AfD-Kreisverbandes brachten folgendes Ergebnis: Kreisvorsitzende  sind Simon Dennenmoser und Michel Busch, stellvertretende Kreisvorsitzende Joachim Hülscher und Sandro Scheer, Schatzmeister Fabien Kranzeder,  Beisitzer Michael Weller, Dieter Volkmann, Jürgen Hofele, Hans-Jürgen Goßner und Uwe von Wangenheim. Die Kreismitgliederversammlung beschloss zudem eine Satzungsänderung, wonach der Kreisvorstand künftig für zwei Jahre gewählt wird. Außerdem wurde die größtmögliche Zahl von Beisitzern von den Mitgliedern  auf fünf festgelegt.