Bad Boll Lyrik ins Bild gesetzt

Interdisziplinärer Dialog: Das lyrische Werk von Eva Zeller hat den Bildenden Künstler Frido Hohberger inspiriert.
Interdisziplinärer Dialog: Das lyrische Werk von Eva Zeller hat den Bildenden Künstler Frido Hohberger inspiriert. © Foto: Sandra Thurner
SANDRA THURNER 22.04.2015
Die lyrischen Texte der Autorin Eva Zeller haben den Bildenden Künstler und Zeichenlehrer Frido Hohberger inspiriert. Die Werke sind noch bis zum 26. Juli in der Evangelischen Akademie in Bad Boll zu sehen.

Die beiden Tübinger Künstler Eva Zeller und Frido Hohberger haben ein gemeinsames Werk geschaffen: Auf der Grundlage von Eva Zellers jüngstem Lyrikband "Die Erfindung deiner Anwesenheit" hat der Bildende Künstler und Zeichenlehrer Frido Hohberger vorwiegend mit der Sprache der Abstraktion, teilweise mit skizzenhafter Figuration, geantwortet. Was aus diesem interdisziplinären Dialog entstand, davon kann man sich noch bis 26. Juli in der Evangelischen Akademie Bad Boll ein Bild machen.

Das zentrale, gleichnamige Bild des Zyklus, "Die Erfindung deiner Anwesenheit" - in Gestalt eines 25-teiligen Tableaus - wirkt in seiner paarweisen, gitterartigen "Elementestruktur" und den Überlagerungen auf zwei Ebenen: Will man die Texte lesen oder ein einzelnes Bild fokussieren, muss man als Betrachter nah heran gehen. Will man aber die Synopse der Bilder und Texte auf sich wirken lassen, dann muss man dies aus naher Ferne tun. Hohberger beschreibt das Ergebnis: "Es entsteht eine Logik der Form."

Bei der Vernissage trat man zunächst nah heran, an die Gedichte der Lyrikerin und Theaterautorin Eva Zeller, die unter anderem mit dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet ist. Sie las aus ihrem Zyklus, der sich mit existenzialistischen Themen von Leben und Tod beschäftigt: "Du drücktest oft ein Auge zu / du übtest schon" oder "Unsterblich ist nur der Tod / ein Nachbar des Lebens".

Die gelesenen Gedichte wirkten wie ein Gedicht, da sie von den Thematiken schwer abzugrenzen waren. Lediglich eine gelesene Zahl markierte das neue Gedicht im Fluss der vorangegangenen. Ähnlich eines Sonettenkranzes, bei dem man in der ersten Zeile des Gedichts, die letzte Zeile des vorigen Gedichts aufnimmt. Eva Zeller komponiert auf virtuose Weise Bilder, die sie mit einem Pinsel konkreter Dinglichkeiten zeichnet. Sie wiederholt ähnliche Termini wie "vor und hinter dem Vorhang", "auf der anderen Seite des Flusses" oder "den Staub loben", die als Äquivalenten innerseelischer Zustände fungieren können. Allerdings bleibt sie in einer vorhandenen Motivstruktur, das heißt sie entwirft zwar neue Bilder, aber keine neuen Motive. Der Klangkünstler Dizzy Krisch begleitete am Vibraphon die Lesung und reservierte für den Zuhörer einen Klangraum, in dem man Nachsinnen konnte.

Hohberger bezeichnete die Texte von Zeller als "wunderbar offen". "Die Gedichte beinhalten einen großen Aufforderungscharakter, sie in Bildern zu denken", erzählte Hohberger im anschließenden Gespräch mit der Tagungsleiterin Susanne Wolf. Dieser gemeinsame experimentelle Prozess funktioniere nicht mit jedem Schriftsteller. Die weiteren ausgestellten Kunstwerke von Hohberger enthalten gleichermaßen geometrische Formen, die durch Überlagerungen eine Vielschichtigkeit beim Betrachter erzeugen - die allerdings durch die Abstraktion in der Zweidimensionalität vereinfacht daher kommen. An manchen Stellen offenbart sich skizzenartig ein formloser Charakter, um gleich wieder hinter einer Ellipse zu verschwinden. Hohberger ist es gelungen, die lyrischen Skizzen eben nicht in eine feste Form zu drücken.