Medizin Lungenprobleme: Rauchen Risikofaktor Nummer 1

Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 05.04.2018

Das Gemeinsame der beiden Vorträge war schnell ausgemacht: Das Rauchen ist Risikofaktor Nummer eins bei Lungenerkrankungen und auch ein bedeutender Faktor für Verengungen der Carotis (Halsschlagader). Das sagten die beiden Referenten von der Klinik am Eichert bei einer Veranstaltung des Diabetiker-Bezirksverbands Göppingen in den Räumen der AOK.

Dr. Bernhard Keim zeigte den Unterschied zwischen einer gesunden und einer dunklen Raucher-Teer-Lunge. Zigarettenrauch enthalte über 2000 krebserregende Stoffe, deswegen sei es wichtig, alles zu vermeiden, was die Lunge schädigen könne. „Fürs Aufhören mit dem Rauchen ist es nie zu spät“, sagte der Lungenchirurg und gab einen Überblick über Erkrankungen der Lunge bis hin zum Karzinom. Außerdem waren die Beschwerden der Patienten und die Behandlungsmöglichkeiten Thema seines Vortrags.

Die gutartige chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD sei eine entzündliche und durch Rauchen, durch andere Umweltschädigungen oder im Zusammenhang mit Genen verursachte Erkrankung. Nach zunächst viel Schleim – Husten, Bronchitis und Atembeschwerden sind die Symptome - gipfle sie darin, dass man nicht mehr gut ausatmen könne und kaum mehr Luft bekomme. Die starke Aufblähung der Lunge bedrohe die Lebensqualität, was durch regelmäßige Medikamenteneinnahme und Sauerstoff vermindert werden könne.

Beim Lungenkrebs, an dem 2016 in Deutschland 55 000 Menschen erkrankten, sei zu 85 Prozent Zigarettenrauch ein Risikofaktor. Bei diesem dritthäufigsten Tumor bei Frauen und zweithäufigsten bei Männern sei die Früherkennung entscheidend. Die Prognose bemesse sich nach dem Stadium des Karzinoms. Bei Stadium 1 und 2 könne man noch operieren, bei Stadium 3 sei dies äußerst schwierig. Keim zeigte Bilder und einen Film von Operationen, bei denen verschiedene Instrumente – darunter „eine Art Nähmaschine“ – zum Einsatz kamen.

Chefarzt Dr. Peter Richter von der Gefäßchirurgie informierte über Vorsorgeuntersuchungen der Bauch- und Halsschlagader durch die farbkodierte Duplexsonographie. Eine Halsschlagaderverengung durch hoch gefährliche instabile Plaques, die man operativ beseitigen könne, sei ein Risikofaktor für Schlaganfälle. Bei 250 000 Schlaganfällen pro Jahr in Deutschland sei bei etwa einem Fünftel die Halsschlagader die Ursache. Die Botschaft Richters war: eine breitflächig angelegte Vorsorgeuntersuchung wie bei der Bauchschlagader. Nachdem die ersten Operationen in den 50er Jahren gemacht worden seien, könne man seit 1990 minimal invasiv operieren. Beim Platzen der Carotis überlebe die Hälfte der Patienten nicht, deswegen sei die Vorsorge so wichtig.

250

Tausend Schlaganfälle werden pro Jahr in Deutschland registriert. Bei einem Fünftel ist ein Problem mit der Halsschlagader die Ursache.

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