Kreis Göppingen Lokführer bleiben in Streiklaune

Im Kreis Göppingen blieben viele Bahnsteige gestern menschenleer, so wie hier in Geislingen. Züge verkehrten nur ganz vereinzelt. Die Pendler hatten sich wohl oder übel auf die Situation eingestellt.
Im Kreis Göppingen blieben viele Bahnsteige gestern menschenleer, so wie hier in Geislingen. Züge verkehrten nur ganz vereinzelt. Die Pendler hatten sich wohl oder übel auf die Situation eingestellt. © Foto: Markus Sontheimer
Kreis Göppingen / JOCHEN WEIS 24.04.2015
Zwei Tage hat der Streik der Lokführer gedauert. Am Freitag sollen die Personenzüge wieder fahrplanmäßig rollen. Doch die Bereitschaft zum Arbeitskampf bleibt groß. Auf der Filstalachse gab es keine Aktionen.

Zwar haben die Lokführer gestern am späten Abend ihren Ausstand beendet, allerdings ist die Streikbereitschaft ungebrochen hoch - und steigt mit jeder Nichteinigung der Deutschen Bahn (DB) mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). "Unsere Leute sind stinksauer. Viele rufen nach einem unbefristeten Streik", sagt Bezirksgeschäftsführer Lutz Dächert: "Auch wenn wir dieses Wort noch nicht in den Mund nehmen wollen, denke ich, dass das Ganze beim nächsten Mal erheblich länger dauert." Ob das schon kommende Woche sein wird, lässt Dächert offen. Angedroht jedenfalls hat die Gewerkschaft bereits neue Streiks.

Auf der Filstalachse gab es keine Aktionen, diese blieben auf die großen Bahnhöfe im Land beschränkt, "dort, wo die Lokführer stationiert sind", sagt Dächert. Reaktionen habe es aus der Bevölkerung kaum gegeben, "da traut sich kaum jemand, uns mal anzusprechen ". Ihm gehe es aber darum zu transportieren, weshalb die Lokomotivführer die Arbeit niedergelegt haben. "Es geht ja nicht nur ums Geld, sondern auch um die Arbeitsbelastung." Die Gewerkschaft GDL fordert im Tarifstreit mit der Bahn fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Solidarisch mit den Lokführern

Der Kreisverband der Linken zeigt sich in einer Pressemitteilung solidarisch mit den Lokführern. Die Partei sieht die Gefahr, dass durch das geplante Tarifeinheitsgesetz der GDL und anderen kleinen Gewerkschaften "der Saft abgedreht werden soll". Das Gesetz sieht vor, dass eine Berufsgruppe in einem Betrieb keine voneinander abweichenden Tarifverträge haben darf, es gilt das der mitgliederstärksten Gewerkschaft. Die GDL fordert für die bei ihr organisierten Zugbegleiter einen eigenen Tarifvertrag und konkurriert damit mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die GDL hat aber nur 34.000 Mitglieder, die EVG 210.000.

Der Lokführerstreik habe auch auf der Filstalachse für Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs gesorgt, sagte gestern ein DB-Sprecher. Die Regionalexpress- wie auch die Fernzüge fuhren nur im Zweistundentakt. Die Pendler hätten sich aber gut auf das eingeschränkte Angebot des Ersatzfahrplans eingestellt und sich im Vorfeld informiert. Bis der Bahnverkehr heute Morgen wieder in geordneten Fahrplan-Bahnen verlaufe, könnte es mancherorts noch Störungen geben.

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